Windows Editor: Versteckte Profi-Features entdecken

von | 25.11.2019 | Windows

Der Windows-Editor ist seit Jahrzehnten das unterschätzte Arbeitstier unter den vorinstallierten Programmen. Während viele Nutzer ihn als antiquiert abtun, hat Microsoft den klassischen Texteditor über die Jahre heimlich zu einem überraschend nützlichen Tool für den Alltag ausgebaut.

Die größte Überraschung wartet in der rechten unteren Ecke: ein moderner Zoomregler, den Microsoft stillschweigend hinzugefügt hat. Damit könnt ihr die Textgröße stufenlos zwischen 10% und 500% anpassen – perfekt für ermüdungsfreies Arbeiten oder wenn ihr mal schnell große Schrift braucht.

Besonders praktisch ist die integrierte Websuche: Markiert ein Wort oder eine Textpassage, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt „Mit Bing suchen“. Innerhalb von Sekunden habt ihr die Suchergebnisse im Browser – ohne lästiges Kopieren und Einfügen in die Suchmaschine.

Ein echter Gamechanger ist der automatische Zeilenumbruch. Kennt ihr das Problem: Ihr verkleinert das Editor-Fenster und plötzlich verschwindet der Text rechts vom Bildschirm? Die Lösung findet sich unter „Format“ > „Zeilenumbruch“. Aktiviert diese Option und der Text passt sich automatisch an die Fensterbreite an. Keine Sorge – beim Drucken oder Speichern bleiben eure ursprünglichen Zeilenumbrüche erhalten.

Seit Windows 11 22H2 unterstützt der Editor auch Tabulator-Einstellungen und eine verbesserte Suchen-und-Ersetzen-Funktion. Über Strg+H öffnet ihr den Ersetzen-Dialog, der jetzt auch reguläre Ausdrücke versteht – ein Feature, das sonst nur teure Texteditoren bieten.

Die Zeitstempel-Funktion ist ein weiterer Geheimtipp: Drückt F5 und der Editor fügt automatisch das aktuelle Datum und die Uhrzeit ein. Perfekt für Protokolle oder persönliche Notizen, bei denen ihr den Überblick behalten wollt.

Unterschätzt wird auch die Undo-Funktion des Editors. Anders als früher könnt ihr heute theoretisch unbegrenzt viele Schritte rückgängig machen – solange das Dokument geöffnet bleibt. Strg+Z ist euer Freund bei versehentlichen Löschungen.

Für Power-User gibt es noch einen versteckten Trick: Der Editor kann mittlerweile auch mit Unix-Zeilenendings (LF) umgehen, nicht nur mit Windows-Standard (CRLF). Das macht ihn zu einem brauchbaren Tool für einfache Code-Snippets oder Konfigurationsdateien.

Die Druckvorschau wurde ebenfalls modernisiert und zeigt jetzt eine realistische Seitenansicht. Über „Datei“ > „Seite einrichten“ könnt ihr Ränder, Kopf- und Fußzeilen detailliert konfigurieren – deutlich mehr Kontrolle als früher.

Ein praktisches Detail am Rande: Der Editor merkt sich neuerdings die Fensterposition und -größe zwischen den Sessions. Einmal optimal eingestellt, startet er immer in der gewohnten Konfiguration.

Für Tastatur-Fans gibt es neue Shortcuts: Strg+Shift+N öffnet eine neue Editor-Instanz, Strg+Shift+S öffnet „Speichern unter“ direkt. Diese kleinen Verbesserungen machen den Workflow spürbar flüssiger.

Der Editor bleibt seiner Philosophie treu: klein, schnell, ressourcenschonend. Bei einer Dateigröße von gerade mal 1,8 MB startet er praktisch sofort – selbst auf älteren Rechnern. Gleichzeitig kann er problemlos mehrere Megabyte große Textdateien öffnen, ohne ins Schwitzen zu geraten.

Wer hätte gedacht, dass Microsofts bescheidener Editor nach all den Jahren noch solche Tricks auf Lager hat? Manchmal lohnt es sich, den vermeintlichen Dinosauriern eine zweite Chance zu geben.

Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026