Ikea parodiert Apple mit BookBook – Kult-Werbung heute aktueller denn je

von | 04.09.2014 | Tipps

Die Werbespots von Apple sind alle gleich aufgebaut: Hochglanzbilder, minimalistische Ästhetik und enthusiastische Mitarbeiter, die über das jeweils neueste Produkt schwärmen. Genau nach diesem Konzept hat Ikea vor einigen Jahren ein legendäres Werbevideo gebaut, das mittlerweile Kultstatus erreicht hat. Dort wird ein „BookBook“ beworben – ein Buch aus echtem Papier. Was damals als clevere Parodie begann, ist heute aktueller denn je.

„Experience the power of a BookBook“: Ikea zeigt in seinem Werbespot seinen Katalog, der natürlich „intuitiv und einfach“ zu bedienen ist. Der Katalog ist auf Papier gedruckt, kein eBook, sondern ein BookBook. Mit tollen Features: Kommt ohne Kabel aus, verbraucht keinen Strom und bietet super-schnelle Reaktionszeiten. Die Seiten bauen sofort auf. Die Größe des Devices: A4. Bei Bedarf erweiterbar auf 2 x A4.

Was 2014 noch reine Satire war, hat heute eine ganz neue Dimension erhalten. In einer Zeit, in der wir permanent von Bildschirmen umgeben sind, wirkt die Ironie des Videos fast prophetisch. Digital Detox ist zum Mega-Trend geworden, und plötzlich erscheinen die beworbenen „Features“ des BookBooks gar nicht mehr so absurd.

Die Parallelen zu aktuellen Apple-Kampagnen sind verblüffend. Während Apple heute das Vision Pro als „spatial computing“ bewirbt oder ChatGPT als revolutionäre KI präsentiert wird, bleibt Ikeas Grundaussage bestehen: Manchmal ist das Einfachste das Beste. Das BookBook braucht keine AR-Brille, keine Cloud-Anbindung und keine monatlichen Updates.

Interessant ist auch, wie sich die Medienlandschaft seit dem Video verändert hat. Während 2014 noch hauptsächlich Tablets und E-Reader als Konkurrenz zu Printmedien galten, dominieren heute Smartphones, TikTok und Instagram unsere Aufmerksamkeit. In diesem Kontext wirkt ein physischer Katalog fast schon rebellisch analog.

Die Marketing-Genialität liegt in der perfekten Nachahmung der Apple-DNA: Die weißen Hintergründe, die ruhige Kameraführung, der selbstsichere Voice-over und vor allem die Art, völlig normale Features als revolutionäre Innovationen zu präsentieren. „Intuitive touch technology“ für das Umblättern von Seiten – wer hätte das gedacht?

Heute nutzen viele Tech-Unternehmen ähnliche Parodie-Ansätze. Von Samsung über Microsoft bis hin zu kleineren Start-ups – alle haben verstanden, dass Humor und Selbstironie in der Tech-Kommunikation funktionieren. Ikeas BookBook war ein Pionier dieses Ansatzes.

Technologiekritik verpackt als Werbung – das war 2014 noch ungewöhnlich, ist aber heute Standard. In Zeiten von Klimakrise und Nachhaltigkeit gewinnt die Message „weniger ist mehr“ zusätzlich an Bedeutung. Ein Katalog, der keine seltenen Erden benötigt und nicht alle zwei Jahre ersetzt werden muss, klingt plötzlich sehr zeitgemäß.

Die Reaktionen damals waren überwältigend positiv. Das Video ging viral, noch bevor „viral gehen“ zum Mainstream-Begriff wurde. Millionen von Views, unzählige Shares und vor allem: massive Medienberichterstattung. Ein perfektes Beispiel für Content-Marketing, das tatsächlich unterhalten statt nur verkaufen will.

Was bleibt von dieser Kampagne? Sie zeigt, dass die beste Kritik an übertriebener Tech-Begeisterung oft die sanfte Parodie ist. Während wir heute über Metaverse, KI und Web3 diskutieren, erinnert uns das BookBook daran, dass nicht jede Innovation automatisch ein Fortschritt ist.

Der wahre Genius liegt in der Zeitlosigkeit: Solange Tech-Unternehmen ihre Produkte mit übertriebenem Pathos bewerben, wird Ikeas BookBook relevant bleiben. Es ist eine liebenswerte Erinnerung daran, dass manchmal das Alte das Neue ist – und dass ein gutes Buch auch ohne App-Store funktioniert.

Zuletzt aktualisiert am 17.04.2026