Linux in Windows: Benutzer wechseln

von | 21.10.2017 | Linux

Auch als Windows-Nutzer müssen Profis nicht auf die gewohnte Linux-Umgebung verzichten. Das Windows Subsystem for Linux (WSL) in Windows 11 macht es möglich – und ist mittlerweile erheblich mächtiger geworden als frühere Versionen. Ob Ubuntu, openSUSE, Debian oder andere Distributionen: Linux läuft nahtlos parallel zu Windows. Allerdings nutzt Linux in WSL ein eigenes System für Nutzer, das unabhängig von euren Windows-Accounts funktioniert.

Der Wechsel zwischen verschiedenen Linux-Benutzern ist direkt in der Konsole möglich und funktioniert genauso wie auf einem nativen Linux-System. Das ist besonders praktisch, wenn ihr verschiedene Entwicklungsumgebungen für unterschiedliche Projekte benötigt oder Administratoren-Aufgaben von normalen Benutzer-Sessions trennen wollt.

Voraussetzungen für den Benutzerwechsel

Um diesen Tipp auszuführen, müssen das Linux-Subsystem sowie eine Distribution bereits installiert sein. Falls ihr WSL noch nicht eingerichtet habt: In Windows 11 genügt mittlerweile ein einfacher Befehl in der PowerShell als Administrator: wsl --install. Das installiert automatisch Ubuntu als Standard-Distribution.

Anschließend müsst ihr wie in diesem Tipp beschrieben einen zweiten Benutzer-Account hinzufügen. Das funktioniert mit den Standard-Linux-Befehlen adduser oder useradd.

Der Wechsel zwischen Benutzern

Zum Wechsel des aktiven Accounts genügt dann in der Shell der Aufruf des Befehls su – zum Beispiel so: su beispiel [Enter].

Dabei gibt es verschiedene Varianten des su-Befehls, die ihr kennen solltet:

  • su benutzername: Wechselt zum angegebenen Benutzer, behält aber die aktuelle Umgebung bei
  • su – benutzername: Wechselt zum Benutzer und lädt dessen komplette Umgebung (empfohlen)
  • su: Wechselt zum root-Benutzer (falls aktiviert)

Nach dem Befehl werdet ihr nach dem Passwort des Zielbenutzers gefragt. Gebt es ein und bestätigt mit Enter. Der Prompt ändert sich und zeigt den neuen Benutzernamen an.

Erweiterte Optionen und Best Practices

Für Entwickler besonders interessant: Ihr könnt auch direkt Befehle als anderer Benutzer ausführen, ohne dauerhaft zu wechseln. Der Befehl su -c "befehl" benutzername führt einen einzelnen Befehl als der angegebene Benutzer aus.

Alternativ bietet sich der sudo-Befehl an, falls konfiguriert. Dieser ist oft sicherer, da ihr euer eigenes Passwort verwendet statt das des Zielbenutzers. Mit sudo -u benutzername befehl führt ihr Befehle als anderer Benutzer aus.

WSL2 und moderne Features

Mit WSL2 (dem aktuellen Standard) läuft ein echter Linux-Kernel in einer optimierten virtuellen Maschine. Das bedeutet: Vollständige Systemkompatiblität ohne Kompromisse. Alle Linux-Features funktionieren, inklusive Docker, Kubernetes und andere Container-Technologien.

Besonders praktisch: WSL2 integriert sich nahtlos ins Windows-Dateisystem. Ihr könnt von Linux aus auf Windows-Laufwerke zugreifen (/mnt/c/) und umgekehrt. Visual Studio Code verbindet sich direkt mit WSL-Instanzen, sodass ihr in Windows entwickeln könnt, aber der Code in der Linux-Umgebung läuft.

Mehrere Distributionen parallel nutzen

Ein großer Vorteil von WSL: Ihr könnt mehrere Linux-Distributionen parallel installieren. Ubuntu für Webentwicklung, openSUSE für System-Administration, Debian für Server-Testing – alles gleichzeitig möglich. Jede Distribution hat ihre eigenen Benutzer und Konfigurationen.

Der Wechsel zwischen Distributionen erfolgt über wsl -d distributionsname in der Windows-Eingabeaufforderung. Innerhalb jeder Distribution könnt ihr dann wie beschrieben zwischen Benutzern wechseln.

Troubleshooting und Tipps

Falls der Benutzerwechsel nicht funktioniert, prüft zunächst mit cat /etc/passwd, ob der Benutzer existiert. Mit whoami seht ihr den aktuell aktiven Benutzer.

Ein häufiger Fehler: Vergessene Passwörter. Falls ihr das Passwort eines Benutzers vergessen habt, könnt ihr es als Administrator mit passwd benutzername zurücksetzen.

Für den Rücksprung zum ursprünglichen Benutzer genügt übrigens ein einfaches exit – das beendet die aktuelle Benutzer-Session und bringt euch zur vorherigen zurück.

Fazit

Der Benutzerwechsel in WSL funktioniert genauso wie auf nativen Linux-Systemen. Mit den erweiterten Möglichkeiten von WSL2 und der nahtlosen Windows-Integration habt ihr eine vollwertige Linux-Entwicklungsumgebung, ohne auf Windows verzichten zu müssen. Perfekt für alle, die das Beste aus beiden Welten nutzen wollen.

Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026