Mit Selfie-Stick auf dem Mars

von | 31.05.2015 | Tipps

Schönen Ort besucht oder leckeres Essen vor der Nase? Viele zücken da ihr Smartphone und machen eine Aufnahme. Das Selfie erinnert einen nicht nur selbst an den Moment, sondern zeigt in den sozialen Netzwerken auch allen anderen, was gerade Sache ist. Der französische Künstler Julien Mauve ist fasziniert von dem Phänomen – und hat wunderbare Bilder erstellt, die augenzwinkernd den Selfie-Wahn auf die Schippe nehmen.

Sie sind mittlerweile überall zu sehen: Leute, die mit Selfie-Stange in der Hand bewaffnet durch die bildschöne Innenstadt schlurfen oder durchs Museum laufen – und nichts Besseres zu tun haben, als Selfies zu machen. Bevorzugt mit Selfie-Stange. Was vor zehn Jahren noch neu und trendig war, ist heute völlig normal geworden. Inzwischen sind die Selfie-Sticks sogar in vielen Museen verboten – zu groß war die Gefahr für wertvolle Kunstwerke.

Der französische Künstler Julien Mauve hat den Trend aufs Korn genommen. Er hat Bilder kreiert, die anmutig wirken: Wir sehen Astronauten auf dem Mars. Mal halten sich zwei bei der Hand und genießen den Ausblick – wie ein Liebespaar. Mal nehmen sie mit dem Tablet die Berglandschaft auf oder machen sogar mit einer Selfie-Stange eine Aufnahme.

Bilder von Julien Mauve

(c) Julien Mauve

Das sieht derart echt aus, dass man ins Grübeln kommen darf. Denn wir halten es schon für derart selbstverständlich, dass wir das auch Astronauten auf einem fernen Planeten zutrauen. Warum auch nicht? Die echten Astronauten sind heute regelrechte Social-Media-Stars geworden. ESA-Astronaut Alexander Gerst hat Millionen Follower auf Instagram, und die NASA nutzt TikTok für spektakuläre Weltraum-Content.

Selfie-Kultur erreicht neue Dimensionen

Was Mauve 2015 als satirische Kunst kreierte, ist heute fast Realität geworden. Die Artemis-Mission plant nicht nur die Rückkehr zum Mond, sondern auch eine umfassende Dokumentation der Reise. Hochauflösende Kameras, 360-Grad-Aufnahmen und sogar Virtual-Reality-Streams sind geplant. Die ersten Mars-Touristen werden garantiert Selfies machen – wenn auch hoffentlich etwas professioneller als mit dem Selfie-Stick.

Von analog zu digital zu KI

Die Selfie-Kultur hat sich seit den Anfangstagen dramatisch weiterentwickelt. Während früher einfache Smartphone-Kameras reichten, nutzen heute viele Creator professionelle Gimbals, Drohnen für Luftaufnahmen und sogar KI-gestützte Kamera-Apps. Instagram und TikTok haben eigene AR-Filter entwickelt, die aus jedem noch so langweiligen Selfie ein kleines Kunstwerk machen können.

Besonders interessant: KI kann mittlerweile so realistische Bilder generieren, dass Mauves Mars-Selfies heute problemlos als „echte“ NASA-Aufnahmen durchgehen könnten. Tools wie Midjourney oder DALL-E erstellen in Sekunden fotorealistische Astronauten-Selfies, die kaum noch von echten Fotos zu unterscheiden sind.

Die dunkle Seite der Selfie-Obsession

Was harmlos als künstlerische Kritik begann, hat inzwischen ernste Dimensionen erreicht. „Selfie-Tod“ ist zu einem realen Phänomen geworden – Menschen stürzen von Klippen oder werden von Zügen erfasst, nur um das perfekte Bild zu bekommen. Psychologen warnen vor der Selfie-Sucht und deren Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, besonders bei Jugendlichen.

Ausblick: Selfies im Weltall

Mauves visionäre Bilder wirken heute prophetisch. SpaceX plant bereits Weltraum-Tourismus, und die ersten zivilen Mars-Missionen sind für die 2030er Jahre angesetzt. Wenn es soweit ist, werden die ersten Mars-Selfies garantiert viral gehen – und Mauves Kunstwerk als frühe Vorahnung in die Geschichte eingehen.

Die wirklich gelungenen Bilder von Julien Mauve sind zwar immer noch Montagen, aber die Grenze zwischen Kunst und Realität verschwimmt zusehends. In einer Zeit, in der jeder Moment dokumentiert und geteilt wird, stellt sich die Frage: Erleben wir noch die Realität oder nur noch unsere kuratierte Version davon? Mauves Mars-Astronauten geben darauf eine melancholisch-schöne Antwort.

Zuletzt aktualisiert am 14.04.2026