Mitmach-Wörterbuch für die Gebärdensprache

von | 03.12.2017 | Surftipp

Die Gebärdensprache ist wie eine Fremdesprache – jeder kann sie lernen. Videos helfen dabei, sich mit Gehörlosen zu verständigen.

Wer eine Sprache lernen möchte, benutzt dafür unter anderem Wörterbücher. Doch was ist, wenn man nicht Spanisch oder Chinesisch lernen möchte, sondern die deutsche Gebärdensprache, um sich mit gehörlosen Menschen zu unterhalten? Was mit klassischen Wörterbüchern aus Papier nur sehr schwierig machbar ist, lässt sich dank Internet mittlerweile sehr komfortabel lösen.

Bodo Tasche, Sohn gehörloser Eltern, hat das Gebärdensprache-Wörterbuch SignDict ins Leben gerufen. Inzwischen finden Nutzer dort für weit über 15.000 Begriffe entsprechende Videos, auf denen die passenden Gebärden gezeigt werden. Und weitere kommen ständig hinzu. Denn SignDict hat eine große Besonderheit: Jeder kann mitmachen und neue oder Varianten bereits bestehender Gebärden beitragen.

Technische Revolution macht’s möglich

Die moderne Browser-Technologie macht es heute kinderleicht, Gebärdenvideos aufzunehmen und beizusteuern. Egal ob Chrome, Firefox, Safari oder Edge – alle aktuellen Browser unterstützen die direkte Videoaufnahme über die integrierte Webcam. Die ist ohnehin in praktisch allen Notebooks, Tablets und Smartphones eingebaut. Wie genau die Aufnahme funktioniert, erklärt eine ausführliche Anleitung auf der Webseite.

Besonders praktisch: Die Videos werden automatisch in hoher Qualität komprimiert und optimiert, sodass sie schnell laden und scharf dargestellt werden. Das ist wichtig, denn bei Gebärden kommt es auf jede Handbewegung und jeden Gesichtsausdruck an.

Community macht den Unterschied

Die schnelle und einfache Möglichkeit, Gebärden für SignDict beizusteuern, lässt das Wörterbuch kontinuierlich wachsen. Die Community aus gehörlosen und hörenden Menschen trägt täglich neue Inhalte bei und sorgt für Qualitätskontrolle. Dabei entstehen oft mehrere Varianten für denselben Begriff – das spiegelt die lebendige Realität der Gebärdensprache wider, die regionale Unterschiede kennt, genau wie gesprochene Sprachen auch.

Inzwischen gibt es auch thematisch sortierte Listen von Begriffen, die zusammengehören. So lassen sich etwa auf einen Schlag Zahlen, Länder, Farben, Berufe oder Emotionen nachschlagen und lernen, wie man diese in der deutschen Gebärdensprache darstellt. Besonders hilfreich sind die Alltagsbegriffe, die für erste Gespräche wichtig sind.

Künstliche Intelligenz hilft beim Lernen

Seit 2024 setzt SignDict auch auf KI-Unterstützung. Ein intelligentes System erkennt ähnliche Gebärden und schlägt verwandte Begriffe vor. Das hilft nicht nur beim Lernen, sondern auch dabei, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Gebärden zu verstehen. Die KI kann sogar die Handhaltung analysieren und Feedback geben, ob eine selbst ausgeführte Gebärde korrekt ist.

Zusätzlich gibt es seit Kurzem eine Smartphone-App, die auch offline funktioniert. Ihr könnt die wichtigsten Gebärden herunterladen und habt sie dann immer griffbereit – praktisch für spontane Begegnungen oder wenn das Internet mal streikt.

Barrierefreiheit im digitalen Zeitalter

SignDict zeigt eindrucksvoll, wie digitale Technologie Barrieren abbauen kann. Die Plattform ist selbst vollständig barrierefrei gestaltet: Alle Videos haben Untertitel, die Navigation funktioniert auch mit Tastatur oder Screenreader, und die Oberfläche passt sich verschiedenen Bedürfnissen an.

Das Projekt hat inzwischen auch internationale Aufmerksamkeit erhalten. Ähnliche Initiativen in anderen Ländern orientieren sich am deutschen Vorbild. SignDict arbeitet bereits an einer europäischen Version, die verschiedene nationale Gebärdensprachen vergleichen und verknüpfen soll.

Mehr als nur ein Wörterbuch

Heute ist SignDict längst mehr als nur ein digitales Nachschlagewerk. Die Plattform bietet strukturierte Lernkurse für Anfänger, regelmäßige Online-Gebärdenstunden und eine lebendige Community, in der sich Lernende austauschen können. Lokale Gebärdensprach-Schulen nutzen SignDict als Unterrichtsmaterial, und Unternehmen setzen es ein, um ihre Mitarbeiter für die Kommunikation mit gehörlosen Kunden oder Kollegen zu schulen.

Damit bildet SignDict ein tolles interaktives Nachschlagewerk für alle, die Gebärdensprache lernen möchten oder müssen. Es zeigt, wie digitale Innovation echte gesellschaftliche Teilhabe fördern kann – und dass die besten Lösungen oft aus persönlicher Betroffenheit entstehen.

https://signdict.org

 

Zuletzt aktualisiert am 31.03.2026