Wer regelmäßig bei AliExpress, Temu, Shein oder direkt aus China bestellt, sollte jetzt aufhorchen: Die EU plant eine deutliche Verschärfung der Zollregeln. Ab Juli 2026 soll die bisherige 150-Euro-Grenze für Zollabgaben bei Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern fallen. Heißt im Klartext: Auch günstige Päckchen könnten teurer werden.
Der Grund ist nicht schwer zu erraten. Die Paketflut aus Fernost überfordert Zollbehörden, schadet europäischen Händlern und sorgt für massenhaft Produkte, die EU-Standards oft nicht erfüllen. Ich erkläre euch, was sich konkret ändert, wen das trifft und mit welchen Strategien ihr trotzdem clever einkauft.
Welche Zollregeln ändern sich ab Juli konkret?
Bisher gilt: Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern bis zu einem Warenwert von 150 Euro sind zollfrei. Erst darüber fallen Zollgebühren an. Die Einfuhrumsatzsteuer (in Deutschland 19 Prozent) wird hingegen schon ab dem ersten Cent fällig – diese Regel gilt bereits seit 2021.
Nach den geplanten EU-Reformen soll die 150-Euro-Zollfreigrenze entfallen. Damit würden auch kleine Päckchen aus China, den USA oder Großbritannien grundsätzlich zollpflichtig. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass dadurch viele Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern teurer werden dürften.
Zusätzlich diskutiert die EU eine Bearbeitungsgebühr für jedes einzelne Päckchen. Hintergrund: Allein 2024 sollen laut Berichten Milliarden Kleinpakete in die EU gelangt sein – ein Großteil davon aus China. Die Behörden kommen mit der Kontrolle schlicht nicht mehr hinterher.
Wichtig zu wissen: Die genaue Ausgestaltung steht noch nicht endgültig fest. Der Zeitplan und konkrete Schwellenwerte können sich im Gesetzgebungsverfahren noch verschieben. Klar ist aber die Richtung – günstiger wird es für Käufer nicht.
Warum werden die Zollregeln jetzt verschärft?
Die Gründe für die Reform sind vielfältig. Plattformen wie Temu und Shein überschwemmen den europäischen Markt mit extrem günstigen Produkten. Viele davon entsprechen nicht den EU-Sicherheits- oder Umweltstandards. Verbraucherschützer warnen seit Längerem vor Schadstoffen in Spielzeug, Elektronik oder Kosmetik aus solchen Quellen.
Hinzu kommt ein knallharter Wettbewerbsnachteil für europäische Händler. Wer hier verkauft, muss Mehrwertsteuer abführen, Produktsicherheit garantieren und Verbraucherrechte einhalten. Anbieter außerhalb der EU umgehen das oft – legal oder illegal.
Auch der Umweltaspekt spielt eine Rolle. Millionen Einzelsendungen per Luftfracht aus Asien verursachen enorme CO2-Emissionen. Die neue Regelung soll diesen Wildwuchs eindämmen und faire Bedingungen schaffen.
Was kosten AliExpress-Bestellungen ab Juli wirklich?
Ein Rechenbeispiel: Bestellt ihr heute ein Gadget für 30 Euro bei AliExpress, zahlt ihr darauf bereits die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent – also rund 5,70 Euro extra. Viele Plattformen ziehen das im sogenannten IOSS-Verfahren direkt beim Kauf ein. Ihr merkt davon oft wenig, weil es im Endpreis steckt.
Nach der Reform könnten zusätzlich Zollgebühren und mögliche Bearbeitungspauschalen dazukommen. Der Preisvorteil gegenüber europäischen Händlern schrumpft damit deutlich. Für kleine Beträge unter 20 Euro lohnt sich der China-Import dann womöglich gar nicht mehr.
Besonders ärgerlich: Wenn Pakete vom Zoll festgehalten werden, fallen oft zusätzliche Gebühren beim Paketdienst an. DHL etwa berechnet eine Servicepauschale für die Zollabwicklung. Diese Kosten kommen zur eigentlichen Steuer noch obendrauf.
Wie könnt ihr beim Import-Shopping Zoll sparen?
Auch wenn günstige Schnäppchen aus Fernost teurer werden – ganz vorbei ist das Sparen nicht. Mit ein paar Strategien holt ihr weiter gute Preise raus:
- EU-Lager nutzen: Viele asiatische Händler unterhalten mittlerweile Lager innerhalb der EU. Achtet beim Kauf auf den Versandort. Wird aus Deutschland, Polen oder Tschechien geliefert, entfallen Zoll und Importgebühren.
- Preise ehrlich vergleichen: Rechnet bei Nicht-EU-Bestellungen immer 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer plus mögliche künftige Zollgebühren ein. Oft sind deutsche Händler dann gar nicht mehr teurer.
- Sammelbestellungen vermeiden: Bei hohen Warenwerten schlagen Zollabgaben stärker zu. Kleinere Einzelbestellungen können günstiger bleiben – bis die Regeln greifen.
- IOSS-Händler bevorzugen: Anbieter, die das Import-One-Stop-Shop-Verfahren nutzen, ziehen die Steuer direkt ein. Ihr habt keine Überraschungen beim Paketboten.
- Auf Produktsicherheit achten: Elektronik braucht das CE-Zeichen, Spielzeug entsprechende Prüfsiegel. Fehlt das, kann der Zoll die Ware komplett einbehalten.
Ein weiterer Tipp: Prüft vor der Bestellung die Bewertungen und das Impressum. Seriöse Händler geben klare Auskunft über Versandort, Rückgaberecht und Steuerabwicklung. Bei dubiosen Shops ohne diese Angaben besser die Finger weglassen.
Checkliste: Was müsst ihr vor Juli beachten?
Die Reform der Zollregeln ist überfällig – das sehen auch viele Verbraucherschützer so. Faire Wettbewerbsbedingungen, bessere Produktsicherheit und weniger Umweltbelastung sind starke Argumente. Für Schnäppchenjäger bedeutet das aber: Die Zeit der ultrabilligen China-Importe neigt sich dem Ende zu.
Mein Rat: Nutzt die kommenden Monate, um eure Einkaufsgewohnheiten zu überdenken. Wer bisher reflexartig bei Temu oder AliExpress geklickt hat, sollte häufiger den Preisvergleich mit europäischen Händlern machen. Oft ist der Unterschied kleiner als gedacht – und ihr habt bessere Garantieansprüche, kürzere Lieferzeiten und mehr Sicherheit.
Beobachtet außerdem die weitere Entwicklung. Die genauen Modalitäten der neuen Zollregeln werden in den kommenden Monaten konkretisiert. Die Verbraucherzentrale informiert laufend über Änderungen und gibt praktische Hinweise. Wer hier am Ball bleibt, vermeidet böse Überraschungen am Paketschalter.