Stell dir vor, du gibst eine einzige Anweisung – und ein ganzes Team aus spezialisierten KI-Assistenten macht sich parallel an die Arbeit. Genau das verspricht „Perplexity Computer“, das brandneue Feature des KI-Suchmaschinen-Unternehmens Perplexity AI. Klingt beeindruckend? Ist es auch. Aber schauen wir uns mal genauer an, was dahintersteckt.
Was genau ist Perplexity Computer?
Perplexity Computer ist im Kern ein Dirigent für KI-Modelle. Du beschreibst, was du haben willst – und das System erledigt den Rest. Es zerlegt deine Aufgabe in viele kleine Teilaufgaben, erstellt dafür jeweils spezialisierte „Sub-Agenten“ und lässt sie parallel in der Cloud arbeiten. Während die Agenten im Hintergrund werkeln, kannst du dich anderen Dingen widmen. Sobald alles fertig ist, wirst du benachrichtigt.
Das Besondere: Perplexity Computer nutzt nicht ein einziges KI-Modell, sondern orchestriert gleich 19 verschiedene Modelle unterschiedlicher Hersteller. Die Idee dahinter ist einfach: Kein einzelnes Modell ist in allem das Beste. Also nimmt man für jede Aufgabe das jeweils stärkste.
So sieht die Aufgabenverteilung aus: Claude Opus 4.6 von Anthropic übernimmt die zentrale Steuerung und Programmieraufgaben. Googles Gemini wird für tiefgehende Recherchen eingesetzt. Grok von xAI erledigt schnelle, kleinere Aufgaben. ChatGPT 5.2 von OpenAI kommt zum Einsatz, wenn besonders viel Kontext verarbeitet werden muss. Und für Bilder und Videos gibt es Nano Banana und Veo 3.1. Als Nutzer kannst du sogar selbst festlegen, welches Modell welche Teilaufgabe übernimmt.
Konkrete Beispiele: Was kann das in der Praxis?
Damit es nicht abstrakt bleibt, hier ein paar Szenarien, die zeigen, was Perplexity Computer in der Praxis leisten kann.
Du planst einen Social-Media-Auftritt und brauchst Kurzvideos? Perplexity Computer kann automatisch Videos aus dem Netz herunterladen, sie zu kurzen Clips zusammenschneiden und mit Untertiteln versehen. Du gibst das Ziel vor, die KI-Agenten erledigen Recherche, Schnitt und Text.
Du möchtest eine umfangreiche Marktanalyse erstellen? Das System recherchiert parallel in verschiedenen Quellen, erstellt Dokumente, verarbeitet Daten und fasst alles in einem Ergebnis zusammen. Ein Agent sucht Zahlen, ein anderer schreibt den Bericht, ein dritter erstellt die Grafiken.
Du überwachst Auktionen auf eBay oder einer anderen Plattform? Perplexity Computer kann Auktionsseiten im Auge behalten und dich per Slack, Gmail oder Microsoft Teams benachrichtigen, sobald ein neues Gebot eingeht. Denn das System lässt sich an über 400 externe Dienste anbinden – von Dropbox über Notion bis Outlook.
Das alles passiert nicht auf deinem Rechner, sondern in einer abgesicherten Cloud-Umgebung. Jede Aufgabe läuft in einer eigenen Sandbox. Du kannst sogar mehrere „Computer“ parallel laufen lassen, die an unterschiedlichen Projekten arbeiten. Und wenn ein Agent auf ein Problem stößt, erstellt er eigenständig weitere Unter-Agenten – und fragt dich nur dann, wenn er wirklich nicht weiterkommt.

Wo liegt die große Stärke?
Die eigentliche Innovation ist die Multi-Modell-Orchestrierung. Bisher mussten technikaffine Nutzer selbst zwischen verschiedenen KI-Tools hin- und herspringen: Claude für Code, ChatGPT für Texte, Midjourney für Bilder. Perplexity Computer bündelt das alles in einem System und verteilt die Arbeit intelligent. Du musst dich nicht mehr darum kümmern, welches Modell wofür am besten ist. Das erledigt der Orchestrator für dich.
Dazu kommt die asynchrone Arbeitsweise. Du gibst morgens eine komplexe Aufgabe auf und gehst deinem Alltag nach. Am Nachmittag liegt das Ergebnis vor. Perplexity spricht sogar davon, dass Computer über Stunden oder sogar Monate hinweg an Projekten arbeiten kann, ohne dass du ständig eingreifen musst.
Was kostet der Spaß – und warum?
Hier kommt der Haken: Perplexity Computer ist aktuell nur für Abonnenten des „Max“-Tarifs verfügbar. Der kostet 200 US-Dollar pro Monat. Das ist ein stolzer Preis, aber es kommt noch etwas dazu.
Erstmals führt Perplexity eine verbrauchsbasierte Abrechnung ein. Max-Nutzer erhalten 10.000 Credits pro Monat. Zum Start gibt es einmalig 20.000 Bonus-Credits obendrauf, die allerdings nach 30 Tagen verfallen. Sind die Credits aufgebraucht, muss nachgekauft werden.
Warum diese Kosten? Die Antwort ist technischer Natur, aber leicht zu verstehen: Wenn 19 verschiedene KI-Modelle gleichzeitig arbeiten und ständig untereinander kommunizieren, entsteht enormer Rechenaufwand. Jeder Sub-Agent verbraucht sogenannte „Tokens“ – das sind die Recheneinheiten, in denen KI-Nutzung gemessen wird. Und da Perplexity hier Modelle von Anthropic, Google, OpenAI und xAI einsetzt, fallen bei jedem dieser Anbieter Kosten an, die Perplexity an die Nutzer weitergibt. Die Flatrate-Zeiten sind bei dieser Art von KI-Nutzung vorbei.
Immerhin: Du kannst Ausgabenlimits festlegen und selbst steuern, welche Modelle für welche Aufgaben eingesetzt werden – teurere Modelle für wichtige Aufgaben, günstigere für einfache. Eine Ausweitung auf die günstigeren Pro- und Enterprise-Tarife hat Perplexity bereits angekündigt.
Perplexity Computer vs. OpenClaw: Zwei völlig verschiedene Ansätze
Wer die KI-Szene verfolgt, kennt OpenClaw – den viralen Open-Source-Agenten des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger, der mittlerweile bei OpenAI arbeitet. Auf den ersten Blick klingen beide Systeme ähnlich: autonome KI-Agenten, die Aufgaben selbstständig erledigen. Doch die Unterschiede sind fundamental.
OpenClaw läuft lokal auf deinem eigenen Rechner. Es hat vollen Zugriff auf dein System – Dateien, Browser, E-Mails, Messenger. Das macht es extrem mächtig, aber auch riskant. Sicherheitsexperten warnen vor der „tödlichen Trifecta“: ein Agent mit Zugriff auf private Daten, der extern kommunizieren und durch fremde Inhalte beeinflusst werden kann. Ein Nutzer berichtete, dass OpenClaw „durchdrehte“ und hunderte Nachrichten über iMessage verschickte.
Perplexity Computer geht den entgegengesetzten Weg. Es läuft ausschließlich in der Cloud, in einer abgesicherten Sandbox-Umgebung. Es hat keinen Zugriff auf dein lokales System. Die Verbindung zu externen Diensten erfolgt nur über kontrollierte Konnektoren mit klaren Berechtigungen. Das ist deutlich sicherer, schränkt aber auch die Möglichkeiten ein.
Dazu kommt: OpenClaw ist Open Source und kostenlos, setzt aber technisches Wissen voraus. Installation über die Kommandozeile, Konfiguration von Modellen und Messengern – das ist nichts für Einsteiger. Perplexity Computer hingegen funktioniert direkt im Browser, ohne Installation, ohne technische Vorkenntnisse. Du tippst rein, was du willst, und die KI macht den Rest.
Kurz gesagt: OpenClaw ist das Schweizer Taschenmesser für Technik-Enthusiasten, die volle Kontrolle wollen und das Risiko in Kauf nehmen. Perplexity Computer ist der professionelle Dienstleister für alle, die Ergebnisse wollen, ohne sich mit der Technik dahinter zu beschäftigen – aber dafür bezahlen müssen.
Mein Fazit
Perplexity Computer ist ein beeindruckender Schritt in Richtung einer neuen Art von KI-Nutzung. Die Idee, verschiedene Spezialisten-Modelle automatisch zu koordinieren, ist clever und zukunftsweisend. Für Power-User und Unternehmen, die komplexe Workflows automatisieren wollen, kann sich das schnell lohnen.
Aber: 200 Dollar im Monat plus verbrauchsabhängige Kosten – das ist kein Schnäppchen. Und ob die KI-Agenten in der Praxis wirklich so zuverlässig arbeiten wie versprochen, muss sich erst noch zeigen. Agentenbasierte Systeme haben bislang immer wieder mit Zuverlässigkeitsproblemen zu kämpfen.
Trotzdem: Wer heute schon mehrere KI-Tools parallel nutzt und sich ständig zwischen ChatGPT, Claude, Gemini und diversen anderen Diensten hin- und herbewegt, für den könnte Perplexity Computer genau das richtige Werkzeug sein. Es macht die KI-Welt ein Stück einfacher – wenn auch nicht günstiger.