Was der Skype-NSA-Skandal über Datenschutz lehrt

von | 14.10.2013 | Tipps

Gegen den Kommunikationsdienst Skype wird in Luxemburg ermittelt. Er steht unter dem Verdacht, vertrauliche Informationen an die National Security Agency (NSA) übermittelt zu haben.

Skype könnte außer strafrechtlichen Folgen sowie Sanktionen des luxemburgischen Datenschutzbeauftragten und der EU auch eine Geldstrafe erhalten, falls festgestellt wird, dass die Verbindungen zur NSA die Datenschutzgesetze von Luxemburg verletzen. Bereits seit Juni wird gegen den VoIP-Softwarefirma ermittelt, die zu Microsoft gehört.

Stimmen die Vorwürfe, tritt die Firma Seite an Seite zu Yahoo, Google und Apple als eine der Hauptfirmen, die zum NSA-Datenweitergabe beitragen. Die Firma wurde 2005 an eBay verkauft, und 2011 schließlich an Microsoft. Der mehrfache Inhaberwechsel könnte mit zur wachsenden Kooperation mit dem US-Geheimdienst geführt haben.

Von der Privacy-Revolution zum Überwachungswerkzeug

Als Skype 2003 an den Start ging, war der Dienst für seine sicheren Anrufe bekannt, da die Sprachdaten nicht über ein zentrales Netzwerk gesendet wurden. Die skandinavische Firma erwarb sich schnell den Ruf eines verlässlichen und vertrauenswürdigen Kommunikationsmittels. Eric King, der Forschungsleiter der Menschenrechtsgruppe Privacy International, kommentierte nun, dass Skype-Nutzer dem VoIP-Dienst nicht länger vertrauen sollten.

Die einzigen Verlierer sind die Nutzer. Skype hat für sich Werbung gemacht als fantastisches Werkzeug für sichere Kommunikation rund um die Welt, gab dann aber schnell dem Regierungsdruck nach. Man kann nicht länger darauf vertrauen, dass Skype die Privatsphäre seiner Nutzer schützt.

Was wir heute über Skype und Datenschutz wissen

Rückblickend betrachtet, waren diese Ermittlungen nur die Spitze des Eisbergs. Die Snowden-Enthüllungen haben gezeigt, dass Skype tatsächlich Teil des PRISM-Programms war und systematisch Nutzerdaten an US-Geheimdienste weitergegeben hat. Diese frühen Warnzeichen erwiesen sich als berechtigt.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, hat Microsoft Skype grundlegend überarbeitet. Seit 2018 nutzt Skype standardmäßig End-to-End-Verschlüsselung für private Gespräche, zumindest wenn beide Gesprächspartner diese aktivieren. Doch das Vertrauen, das damals verloren ging, ist schwer zurückzugewinnen.

Die Konkurrenz hat überholt

Während Skype mit seinem ramponiererten Ruf kämpfte, eroberten andere Dienste den Markt. Signal gilt heute als Goldstandard für verschlüsselte Kommunikation, WhatsApp führte 2016 End-to-End-Verschlüsselung für alle Nachrichten ein, und selbst Apple’s FaceTime wirbt mit Privacy-by-Design.

Die Ironie: Skype, einst Pionier der Internet-Telefonie, wurde von seiner eigenen Datenschutz-Vergangenheit eingeholt. Heute nutzen primär Unternehmen den Dienst über Microsoft Teams, während Privatnutzer längst zu anderen Plattformen gewechselt sind.

Lehren für heute

Der Skype-Fall zeigt exemplarisch, wie schnell sich die Prioritäten eines Dienstes ändern können – besonders nach Übernahmen durch große Tech-Konzerne. Was als dezentrale, abhörsichere Lösung begann, wurde zu einem zentralisierten Dienst mit direkter Anbindung an Geheimdienste.

Für euch als Nutzer bedeutet das: Schaut nicht nur auf aktuelle Datenschutzversprechen, sondern auch auf die Unternehmensgeschichte und -struktur. Open-Source-Lösungen wie Signal oder Element bieten mehr Transparenz, da ihr Code öffentlich einsehbar ist.

Europäische Alternativen im Aufwind

Nicht zuletzt wegen solcher Skandale haben europäische Messenger-Dienste Aufwind bekommen. Threema aus der Schweiz, Wire aus Deutschland oder das französische Element setzen auf Datenschutz und europäische Serverstandorte. Die DSGVO hat zusätzlich Standards gesetzt, die US-Anbieter zum Umdenken zwangen.

Der luxemburgische Datenschutzbeauftragte Gerard Lommel lehnte jeden Kommentar ab, mit Hinweis auf die laufenden Untersuchungen. Lesen Sie auch diesen (englischsprachigen) Bericht mit noch mehr Hintergründen im Guardian.

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Zuletzt aktualisiert am 21.04.2026