Kampf gegen Airbnb: Warum Paris die Regeln verschärft hat

von | 12.02.2019 | Internet

Viele buchen über Portale wie Airbnb Zimmer, Wohnungen oder sogar Häuser – für die Ferien. Für ein paar Tage Arbeitsaufenthalt. Aber vor allem in Metropolen hat das enorme Nebeneffekte: Es stehen weniger Wohnungen für Einheimische zur Verfügung. Der Wohnraum wird knapper, die Mieten steigen. Paris kämpft weiterhin gegen diese Entwicklung – und verschärft die Regeln massiv.

Anne Hidalgo war als Oberbürgermeisterin von Paris eine der ersten, die 2019 gegen Airbnb vorgegangen ist. Ihr damaliger Kampf mit der Klage über 12,5 Millionen Euro war nur der Anfang. Heute, 2026, ist die Situation noch verschärfter – und Paris hat nachgelegt.

2024 wurden während der Olympischen Spiele in Paris strenge Auflagen für Kurzzeitvermietungen durchgesetzt. Seitdem dürfen Wohnungen in den zentralen Arrondissements nur noch maximal 90 Tage pro Jahr vermietet werden – früher waren es 120 Tage. Zudem müssen alle Angebote bei der Stadt registriert werden, was mit einer Gebühr von 300 Euro verbunden ist.

Airbnb passt sich widerwillig an

Der Druck hat gewirkt: Airbnb arbeitet mittlerweile mit französischen Behörden zusammen und blockiert automatisch Buchungen für Wohnungen, die ihre 90-Tage-Grenze erreicht haben. Das war ein harter Kampf – 2019 weigerte sich der Konzern noch kategorisch.

Trotzdem bleibt das Problem bestehen. Denn findige Vermieter nutzen inzwischen mehrere Plattformen gleichzeitig: Neben Airbnb auch Booking.com, Vrbo oder lokale Anbieter wie Sejourning. Die 90-Tage-Regel wird so elegant umgangen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Paris stehen laut einer Studie der Stadtentwicklungsbehörde etwa 80.000 Wohnungen dauerhaft als Ferienwohnungen zur Verfügung. Das entspricht rund 3,5 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. In begehrten Vierteln wie dem Marais oder Saint-Germain ist jede zehnte Wohnung eine Ferienunterkunft.

Andere Städte ziehen nach

Paris steht nicht allein da. Barcelona hat 2021 komplett neue Lizenzen für Ferienwohnungen gestoppt. Amsterdam begrenzt seit 2022 Airbnb-Aufenthalte auf maximal drei Nächte. Venedig führte bereits 2023 eine Tourismussteuer von 10 Euro pro Tag für Kurzzeitaufenthalte ein.

In Deutschland reagieren Städte unterschiedlich: München hat eine Genehmigungspflicht eingeführt, Berlin limitiert Ferienwohnungen auf 90 Tage pro Jahr. Hamburg geht noch weiter und verbietet in bestimmten Stadtteilen die gewerbliche Kurzzeitvermietung komplett.

Die EU-Kommission arbeitet aktuell an einer einheitlichen Regelung für Kurzzeitvermietungsplattformen. Ab 2027 sollen alle Anbieter verpflichtet werden, Daten über ihre Vermieter und Buchungen an lokale Behörden weiterzugeben.

Strukturen zerstören als Prinzip

„Wo ist das Problem?“, fragen immer noch viele, die mit Begeisterung bei Airbnb buchen – und so Teil des Problems sind. Denn die Plattformen sorgen dafür, dass Eigentümer ihre Wohnungen an Touristen vermieten statt an Einheimische. Weil es schlicht mehr Geld bringt.

Ein Beispiel aus Paris: Eine 50-Quadratmeter-Wohnung im 11. Arrondissement bringt als normale Mietwohnung etwa 1.200 Euro im Monat. Als Ferienwohnung für durchschnittlich 120 Euro pro Nacht sind bei 70-prozentiger Auslastung über 2.500 Euro monatlich möglich.

Das Ergebnis: Wohnungsknappheit, steigende Mieten, Verdrängung von Einheimischen. In manchen Pariser Vierteln sind die Mieten seit 2019 um über 20 Prozent gestiegen. Junge Paare und Familien können sich das Leben in der Innenstadt nicht mehr leisten.

Dazu kommt die Belastung für Anwohner: Ständig wechselnde Nachbarn, Lärm zu allen Tageszeiten, Partytourismus. Viele langjährige Bewohner fühlen sich in ihrer eigenen Stadt wie Fremde.

Neue Technologien verschärfen das Problem

Inzwischen nutzen professionelle Vermieter KI-gestützte Tools zur Preisoptimierung und automatisierten Gästeverwaltung. Start-ups wie Beyond Pricing oder Wheelhouse analysieren Nachfrage und Konkurrenz in Echtzeit. Das macht Ferienwohnungen noch profitabler.

Gleichzeitig entstehen immer neue Plattformen. Nach dem chinesischen Xiaozhu etabliert sich gerade das skandinavische Nornir in Europa. Für Städte wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten.

Ausblick: Regulation oder Kapitulation

Die Zukunft wird zeigen, wer diesen Kampf gewinnt: Städte, die bezahlbaren Wohnraum für ihre Bürger erhalten wollen, oder Plattform-Kapitalismus, der aus allem Profit schlagen will.

Paris zeigt: Konsequente Regulierung wirkt. Seit 2024 ist die Zahl illegaler Ferienwohnungen um 30 Prozent gesunken. Andere Städte sollten diesem Vorbild folgen – bevor es zu spät ist. Denn wenn Einheimische verdrängt werden, verlieren Städte ihre Seele.

Wer als Tourist trotzdem über solche Plattformen bucht, sollte sich bewusst sein: Ihr trägt zu diesem Problem bei. Manchmal ist das klassische Hotel die bessere Wahl – für alle.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026