Trump benennt KI in „Super Intelligence“ um: Er streicht das falsche Wort

von | 23.09.2026 | Tipps

Vor der UN-Vollversammlung hat Donald Trump verkündet: Künstliche Intelligenz heißt in US-Regierungsdokumenten ab sofort „Super Intelligence“. Klingt nach einer Randnotiz, ist aber mehr. Denn der neue Name verschärft genau das Problem, das schon im alten steckt. Ich ordne ein, was dahintersteckt und warum Worte bei KI so viel Macht haben.

Was Trump gesagt hat

Es war einer dieser Momente, bei denen man kurz stutzt. Am 22. September stand Donald Trump am grünen Marmorpult der Vereinten Nationen und erklärte: Ab sofort würden alle Dokumente der USA „und hoffentlich die der ganzen Welt“ den „viel treffenderen Begriff ‚Super‘ statt ‚Artificial‘“ verwenden. Seine Begründung: Das Wort „künstlich“ lasse die Technik nach Fake klingen, „und sie ist nicht fake“. Gleich hinterher kam ein für Trump ungewohnt bescheidener Satz: „Mal sehen, ob ich dazu die Macht habe.“

Ganz spontan kam die Idee nicht. In den Tagen vor der Rede hatte Trump seine Anhänger auf Truth Social und X gleich dreimal abstimmen lassen. Zur Auswahl standen anfangs „Superior Intelligence“, „Extreme Intelligence“ und „Supreme Intelligence“. Am Ende setzte sich „Super Intelligence“ mit 65 Prozent durch. Die Namensfrage entschied also ein Online-Voting.

Die Umbenennung reiht sich ein in eine ganze Serie: Aus dem Golf von Mexiko wurde für die US-Regierung der „Golf von Amerika“, aus dem Verteidigungsministerium das „Kriegsministerium“. Sogar im eigenen Lager gab es diesmal Kritik. Der konservative Kommentator Matt Walsh nannte den Vorstoß „bizarr dystopisch“.

Roboterrechner erhält Aufkleber „Artificial Super“ in Werkstatt
Ein besorgter Rechenroboter wird zum „Artificial Super“ aufgewertet. Zwischen den Jahren 1956 und 2026 leuchtet die Zukunft der KI auf.

Die eigentliche Botschaft: Vollgas, keine Bremse

Wichtiger als der Name war, was Trump in derselben Rede sonst noch über KI sagte. Die USA würden die Technik „nicht zügeln“, sondern nur fördern. Internationale Kontrolle lehnte er als „globalistisches Programm“ ab. Warnungen vor KI-Risiken verglich er mit dem, was er den „Klima-Hoax“ nennt. Und er fasste seine Strategie in einem Satz zusammen: „Wer KI gewinnt, gewinnt.“

Das Timing ist bemerkenswert. Nur vier Tage vorher hatte KI-Pionier und Nobelpreisträger Geoffrey Hinton in einem Briefing vor US-Senatoren gewarnt: Dem Kongress bleibe „vielleicht ein Jahr, aber nicht viel mehr“, um KI zu regulieren. Seine Begründung: KI sei inzwischen an dem Punkt, an dem sie bessere KI entwerfe. Am selben Tag scheiterte im Senat ein Gesetz, das Not-Aus-Schalter für fortgeschrittene KI-Modelle vorschreiben sollte.

Das Problem steckt nicht im „künstlich“

Jetzt zum Kern. Trump stört sich am Wort „künstlich“. Dabei ist das der ehrlichste Teil des Begriffs. Ja, die Technik ist künstlich. Sie ist von Menschen gebaut, läuft auf Rechenzentren und wurde mit Milliarden Texten trainiert. Daran ist nichts Anrüchiges.

Das eigentliche Problem war schon immer die „Intelligenz“. Der Begriff stammt aus dem Jahr 1956. Damals lud der Informatiker John McCarthy zu einer Sommerkonferenz ans Dartmouth College und nannte das neue Forschungsfeld „Artificial Intelligence“. Das war auch ein Marketing-Coup: Der Name klang nach großem Aufbruch und hob das Feld von der damals verbreiteten Kybernetik ab. Seitdem trägt die ganze Disziplin ein Versprechen im Namen, das sie bis heute nicht einlöst.

Denn Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini denken nicht. Sie rechnen. Sie berechnen, welches Wort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit als nächstes passt. Das tun sie so gut, dass das Ergebnis klug wirkt. Aber hinter der Antwort steckt kein Verstehen, kein Wissen um die Welt und keine Absicht. Es ist Statistik in gigantischem Maßstab. Beeindruckend, nützlich, oft verblüffend, aber eben Mustererkennung und kein Geist.

Trump schwächt diesen Etikettenschwindel nicht ab. Er verstärkt ihn. Das ehrliche „künstlich“ fliegt raus, die fragwürdige „Intelligenz“ bleibt stehen und bekommt noch ein „Super“ davor.

„Superintelligenz“ ist schon vergeben

Dazu kommt ein zweites Problem. „Superintelligenz“ ist kein freies Wort, das man beliebig verteilen kann. In der Forschung hat es eine klare Bedeutung. Der Philosoph Nick Bostrom hat es 2014 mit seinem gleichnamigen Buch bekannt gemacht. Gemeint ist ein System, das den Menschen in praktisch allen Bereichen weit übertrifft. So etwas gibt es heute nicht. Es ist eine Zukunftsvorstellung und für viele Fachleute ein Albtraum.

Genau deshalb wird über dieses Wort gerade heftig gestritten. Im Oktober 2025 forderten mehr als 800 Prominente in einem offenen Brief ein Verbot der Entwicklung von Superintelligenz, darunter KI-Pioniere wie Hinton und Yoshua Bengio, Apple-Mitgründer Steve Wozniak und sogar Trumps früherer Berater Steve Bannon. Anfang September 2026 kündigten Senator Bernie Sanders und der Abgeordnete Greg Casar ein Gesetz an, das Superintelligenz in den USA verbieten soll. Wer sie trotzdem baut, dem drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Jetzt stellt euch das Chaos vor: Die US-Regierung nennt künftig jeden Chatbot „Superintelligenz“. Gleichzeitig liegt im Kongress ein Gesetz, das Superintelligenz verbieten will. Beide meinen völlig verschiedene Dinge. Das Wort verliert seine Bedeutung, und Warnungen vor echten Risiken klingen plötzlich lächerlich. Wenn alles „super intelligent“ ist, fällt es schwer, ernsthaft über Systeme zu sprechen, die es irgendwann tatsächlich sein könnten.

Trump spricht die Sprache der Tech-Konzerne

Ganz neu ist der Begriff in der Tech-Welt übrigens nicht. Die großen Konzerne verwenden ihn längst als Werbebotschaft. Meta hat 2025 eigens die „Meta Superintelligence Labs“ gegründet, Mark Zuckerberg verspricht jedem Menschen eine „persönliche Superintelligenz“. OpenAI-Chef Sam Altman schreibt, die Menschheit stehe kurz vor der Superintelligenz. Wer Milliarden an Investorengeld einsammeln will, braucht große Worte.

Trump übernimmt diese Sprache nun offiziell. Für die Branche ist das ein Geschenk: Was vorher Marketing war, steht bald in Regierungsdokumenten.

Warum Worte hier so wichtig sind

Man könnte das alles als Wortklauberei abtun. Ist es aber nicht. Begriffe prägen, wie wir über Technik denken und wie sehr wir ihr vertrauen.

Das zeigte schon in den 1960er-Jahren der Informatiker Joseph Weizenbaum. Er baute ELIZA, ein simples Programm, das Gesprächspartner nachahmte, indem es deren Sätze umformulierte. Zu seinem Entsetzen schütteten Menschen dem Programm ihr Herz aus und schrieben ihm echtes Verständnis zu. Dieser „ELIZA-Effekt“ ist heute stärker denn je.

Wer glaubt, eine Maschine sei „super intelligent“, prüft weniger nach. Er übernimmt Antworten ungefiltert, auch wenn sie frei erfunden sind. Und er gibt Entscheidungen ab, die er besser selbst treffen sollte. Ein nüchterner Blick auf KI schützt vor genau diesen Fehlern.

Mein Fazit

KI ist ein starkes Werkzeug. Ich nutze sie täglich und bin oft begeistert, was sie kann. Aber sie ist eine Rechenmaschine, kein Orakel und schon gar keine Superintelligenz. Wenn wir einen neuen Begriff bräuchten, dann einen ehrlicheren, nicht einen noch größeren.

Also lasst euch vom neuen Etikett nicht blenden. Die Technik hinter „Super Intelligence“ ist exakt dieselbe wie gestern. Sie rechnet. Denken müsst ihr weiterhin selbst.

Jörg Schieb
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