Von Phubbing und fettigen Fingern auf dem Smartphone

von | 14.06.2015 | Tipps

Wenn man selbst in Gesellschaft und/oder beim Essen zum Smartphone greift, nennen das die Amerikaner Phubbing: Eine besonders ungehobelte Art und Weise, die modernen Medien in sein Leben zu lassen. Dieses Phänomen ist nicht nur geblieben, sondern hat sich durch TikTok, Instagram Reels und die permanente Notification-Flut sogar noch verstärkt. Was einst als reine Unhöflichkeit galt, ist heute zum gesellschaftlichen Normalzustand geworden.

Auch ich greife gerne und regelmäßig zu meinem Smartphone. Wenn andere Menschen in meiner Nähe sind, erst recht Menschen, die ich kenne, dann unterlasse ich das. Doch viele Leute können ihre Finger einfach nicht vom Smartphone lassen. Selbst beim Essen tappen sie aufs Display. Für diese Unart haben die Amerikaner bereits den Begriff Phubbing geprägt.

Studien zeigen mittlerweile: Phubbing ist zur echten Beziehungskrise geworden. 89% der Befragten in einer aktuellen Untersuchung gaben an, dass ihr Partner mindestens einmal täglich zum Handy greift, während sie miteinander sprechen. Restaurants berichten von Gästen, die ihre Mahlzeit kalt werden lassen, weil sie zu beschäftigt mit ihren Bildschirmen sind.

Mit fettigen Fingern auf dem Display rumwischen? Das sorgt natürlich für noch schlimmere Schlieren auf dem Glas als sonst ohnehin schon. Das gilt natürlich erst recht für den Fall, wenn man bei einer Fastfood-Kette den Hunger bekämpft. Dann sind die Finger unweigerlich fettiger als sonst. Moderne Smartphones haben zwar oleophobe Beschichtungen, aber auch die kommen gegen Pommes-Fett und Burger-Soße nicht an.

kfc traytyper

KFC hatte sich damals für diese Spezies etwas Besonderes einfallen lassen: Ein ungewöhnliches Zubehör für die effektivere Smartphone-Nutzung. Die Fastfood-Kette legte in einigen Filialen auf Wunsch anstatt des üblichen mit Werbung bedruckten Papiers ein 0,4 Millimeter dünnes Keyboard aufs Servicetablett, ein TrayType, das – man glaubt es kaum – in Deutschland entwickelt wurde.

Das Keyboard ließ sich per Bluetooth mit dem eigenen Smartphone oder Tablet verbinden – und dann konnte man sein Mobilgerät benutzen, ohne Schlieren auf dem Display zu hinterlassen. (Nur zum Koppeln von Tastatur und Mobilgerät musste man noch mal ans Display. Wer regelmäßig bei dem Hähnchen-Frittierer futterte, musste das freilich nur einmal machen.)

KFC macht Werbung für seine Nerd-Tastatur

Moderne Lösungen für digitale Manieren

Heute, fast ein Jahrzehnt später, hat sich das Phubbing-Problem nicht gelöst – im Gegenteil. Social Media Plattformen haben ihre Algorithmen perfektioniert, um uns noch stärker an die Bildschirme zu fesseln. TikTok kann stundenlang fesseln, Instagram Stories wollen permanent gecheckt werden, und WhatsApp-Nachrichten scheinen wichtiger als das Gespräch am Tisch.

Dabei gibt es mittlerweile elegantere Lösungen als die KFC-Tastatur: Smartphones mit verbesserter Sprachsteuerung, smartere Notification-Filter und Apps, die bewusst digitale Auszeiten fördern. Apple’s „Screen Time“ und Googles „Digital Wellbeing“ versuchen zumindest, uns zu zeigen, wie exzessiv unsere Handy-Nutzung wirklich ist.

Viele Restaurants haben übrigens einen anderen Weg gewählt: Sie bieten „Phone-free zones“ oder kleine Boxen am Tisch, in die alle Gäste ihre Handys legen – wer zuerst zum Handy greift, zahlt die Rechnung für alle.

Die Hygiene-Revolution am Touchscreen

Covid-19 hat unser Bewusstsein für Handy-Hygiene zusätzlich geschärft. Studien zeigen, dass Smartphone-Displays bis zu zehnmal mehr Bakterien beherbergen als ein Toilettensitz. Antimikrobielle Bildschirmprotektoren sind zum Millionengeschäft geworden, ebenso wie UV-Sterilisatoren für Handys.

Die Ironie: Während wir uns Sorgen um Bakterien machen, vergessen wir völlig die sozialen „Keime“, die das ständige Handy-Starren in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen anrichtet. Phubbing bleibt das größere Problem – auch wenn fettige Finger auf dem Display weiterhin nerven.

Zuletzt aktualisiert am 14.04.2026