Weg von Paypal: 5 digitale Bezahldienste ohne US-Konzerne

von | 10.02.2026 | Internet

Paypal kennt jeder, Apple Pay ist auf jedem iPhone, Google Pay auf jedem Android-Gerät. Doch alle drei haben etwas gemeinsam: Sie gehören US-Konzernen, eure Daten laufen über amerikanische Server, und ihr seid abhängig von Geschäftsentscheidungen aus dem Silicon Valley.

Wer das nicht will, hat mittlerweile Alternativen. Hier sind fünf digitale Bezahldienste, die ohne US-Unternehmen auskommen.

1. Wero – Die europäische Antwort auf Paypal

Wero ist das Prestigeprojekt europäischer Banken. Hinter dem Dienst steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von Banken aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Benelux-Ländern. Der Name setzt sich aus „wallet“ und „euro“ zusammen – Programm ist das durchaus.

So funktioniert’s: Ihr ladet die Wero-App herunter und verbindet sie direkt mit eurem Girokonto. Kein separates Guthaben-Konto wie bei Paypal nötig. Geld an Freunde senden? Kontakt aus dem Adressbuch wählen, Betrag eingeben, fertig. Das Geld ist in Echtzeit beim Empfänger – auch wenn der bei einer anderen Bank ist.

Wo funktioniert’s: Im Laden per QR-Code oder NFC, beim Online-Shopping bei teilnehmenden Händlern, für Überweisungen an andere Wero-Nutzer. Die Akzeptanz wächst stetig, große Supermarktketten und Online-Shops kommen nach und nach dazu.

Kosten: Für Privatnutzer komplett kostenlos. Händler zahlen deutlich niedrigere Gebühren als bei Kreditkarten oder Paypal.

Der Haken: Noch nicht so verbreitet wie die US-Konkurrenz. Nicht jeder Shop akzeptiert Wero, nicht jede Bank ist dabei. Aber: Das Netzwerk wächst.

Neue Zahlungsfunktion: Wie Klarna jetzt Paypal und Wero Konkurrenz machen will
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2. Giropay – Der deutsche Klassiker

Giropay gibt’s schon länger, viele kennen es vom Online-Shopping. Dahinter stehen deutsche Banken und Sparkassen. Seit 2020 ist Giropay mit Paydirekt verschmolzen – aus zwei Diensten wurde einer.

So funktioniert’s: Beim Online-Einkauf wählt ihr Giropay als Zahlungsmethode. Ihr werdet auf die Seite eurer Bank weitergeleitet, loggt euch dort ein und bestätigt die Zahlung. Das Geld geht direkt vom Girokonto ab, der Händler erhält sofort eine Zahlungsbestätigung.

Wo funktioniert’s: Hauptsächlich beim Online-Shopping. Tausende deutsche Händler akzeptieren Giropay. Im Laden oder für Geldtransfers an Freunde funktioniert’s nicht – dafür ist es nicht gedacht.

Kosten: Für euch als Käufer kostenlos. Händler zahlen Gebühren, die aber niedriger sind als bei Kreditkarten.

Der Haken: Wenig innovativ, auf Deutschland beschränkt, funktional eingeschränkt. Giropay macht seinen Job, aber nicht mehr. Für den schnellen Geldtransfer an Freunde ungeeignet.

3. Klarna – Schwedisch shoppen, später zahlen

Klarna aus Schweden ist vor allem eins: ein Rechnungskauf-Dienst. Ihr kauft ein, bezahlt aber erst später. Mittlerweile bietet Klarna aber auch klassische Sofortüberweisungen an.

So funktioniert’s: Beim Checkout wählt ihr Klarna. Je nach Shop könnt ihr sofort bezahlen, auf Rechnung kaufen oder in Raten abstottern. Klarna übernimmt die Abwicklung mit dem Händler, ihr regelt die Zahlung mit Klarna.

Wo funktioniert’s: Bei tausenden Online-Shops weltweit, mittlerweile auch in Apps und einigen physischen Geschäften. Besonders beliebt bei Mode- und Elektronik-Händlern.

Kosten: Sofortkauf und Rechnungskauf meist kostenlos. Bei Ratenzahlung fallen Zinsen an – teilweise saftig.

Der Haken: Klarna verdient Geld damit, euch zum Mehrausgeben zu verleiten. Die „Buy now, pay later“-Funktion kann schnell zur Schuldenfalle werden. Außerdem: Klarna ist zwar europäisch, aber auch hier fließen eure Daten zu einem privaten Unternehmen.

Klarna: Mangelnde Transparenz vorgeworfen
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4. Sofortüberweisung (Klarna) – Direkt vom Konto

Sofortüberweisung gehört mittlerweile auch zu Klarna (die sind fleißig am Aufkaufen). Aber funktional ist es etwas anderes: Ihr zahlt direkt per Online-Banking, ohne Umweg über Drittkonten.

So funktioniert’s: Ihr wählt Sofortüberweisung beim Bezahlen, gebt eure Online-Banking-Daten ein, bestätigt die Überweisung. Sofortüberweisung leitet die Zahlung weiter und informiert den Händler sofort. Der verschickt eure Ware, ohne auf den Geldeingang warten zu müssen.

Wo funktioniert’s: Bei zehntausenden Online-Shops in Europa. Einer der am weitesten verbreiteten Zahlungsdienste im E-Commerce.

Kosten: Für Käufer kostenlos.

Der Haken: Ihr gebt einem Drittanbieter eure Online-Banking-Zugangsdaten. Viele Banken sehen das kritisch, manche Verbraucherschützer auch. Technisch sicher, aber ein mulmiges Gefühl bleibt bei einigen.

5. Twint – Die Schweizer Lösung

Okay, die Schweiz ist nicht EU – aber europäisch ist Twint allemal. Der Dienst gehört den großen Schweizer Banken und ist in der Schweiz extrem verbreitet. Für grenznahe Regionen oder Schweiz-Reisende interessant.

So funktioniert’s: App installieren, Bankkonto oder Kreditkarte verbinden, loslegen. Geld an Freunde senden per Handynummer, im Laden bezahlen per QR-Code, Online-Shopping abwickeln. In der Schweiz könnt ihr damit sogar Parktickets und ÖV-Tickets kaufen.

Wo funktioniert’s: Praktisch überall in der Schweiz. Läden, Restaurants, Online-Shops, Automaten – Twint ist dort der Standard. Außerhalb der Schweiz kaum nutzbar.

Kosten: Für Privatnutzer kostenlos.

Der Haken: Nur in der Schweiz wirklich sinnvoll. Für deutsche Nutzer eher Nische. Aber: Zeigt, wie ein nationales Bezahlsystem erfolgreich sein kann.

Warum überhaupt weg von US-Diensten?

Berechtigte Frage. Paypal funktioniert doch prima, oder? Stimmt. Aber es gibt Gründe für Alternativen:

Datenschutz: Eure Transaktionsdaten bei europäischen Diensten unterliegen der DSGVO und bleiben in Europa. US-Dienste können von amerikanischen Behörden zur Herausgabe gezwungen werden.

Unabhängigkeit: Stellt euch vor, Paypal sperrt euer Konto. Oder ändert die Gebühren drastisch. Mit mehreren Bezahldiensten seid ihr flexibler.

Wettbewerb: Je mehr erfolgreiche Alternativen es gibt, desto weniger können einzelne Anbieter die Preise diktieren.

Europäische Souveränität: Digitale Infrastruktur in europäischer Hand – das ist keine Spinnerei, sondern strategisch klug.

Mein Fazit: Vielfalt nutzen

Ihr müsst nicht radikal von Paypal zu Wero wechseln. Aber: Probiert die Alternativen aus. Nutzt Giropay beim nächsten Online-Einkauf. Installiert Wero für Geldtransfers an Freunde. Diversifiziert eure digitalen Bezahlmethoden.

Europa kann digitale Bezahldienste. Wir müssen sie nur nutzen. Je mehr Menschen mitmachen, desto attraktiver werden die Dienste – für Händler und für uns alle.

Welche Bezahldienste nutzt ihr? Habt ihr schon Wero oder Giropay ausprobiert? Eure Erfahrungen interessieren mich!