Wenn das WLAN schneller ist als das LAN: Ursachen und Lösungen

von | 18.11.2024 | Netzwerk

Ihr nutzt meistens euer WLAN, der Stabilität wegen aber bei stationären Geräten auch eine kabelgebundene Verbindung? Dann seid ihr daran gewöhnt, dass beide Verbindungen meist gleich schnell sind oder das WLAN langsamer ist. Was aber, wenn plötzlich nicht das WLAN, sondern das LAN deutlich langsamer ist? Dieses scheinbar paradoxe Problem tritt häufiger auf als gedacht – und hat meist überraschend einfache Ursachen.

Warum WLAN schneller sein kann als LAN

Moderne WLAN-Standards wie Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7 erreichen theoretische Geschwindigkeiten von bis zu 9,6 Gbit/s beziehungsweise 46 Gbit/s. In der Praxis liegen reale Geschwindigkeiten bei Wi-Fi 6 oft zwischen 500 Mbit/s und 1,5 Gbit/s – deutlich mehr als bei einem 100-Mbit/s-Ethernet-Port. Wenn euer Router moderne WLAN-Technik unterstützt, aber eure LAN-Verkabelung noch auf älteren Standards basiert, kann das WLAN tatsächlich schneller sein.

Ein weiterer Faktor: Viele aktuelle Geräte sind für optimale WLAN-Performance entwickelt, während die LAN-Schnittstellen manchmal stiefmütterlich behandelt werden. Besonders bei günstigen Laptops oder Tablets mit USB-C-auf-Ethernet-Adaptern kann die kabelgebundene Verbindung zum Flaschenhals werden.

Ethernet-Standards überprüfen

Euer Netzwerk ist nur so schnell wie das langsamste Glied in der Kette. Fast Ethernet (100 Mbit/s) aus den 90ern ist immer noch weit verbreitet, während Gigabit Ethernet (1000 Mbit/s) heute Standard sein sollte. Die neuesten Standards 2.5G, 5G und 10G Ethernet kommen langsam in den Consumer-Bereich – aber nur wenn alle Komponenten mitspielen.

Prüft zunächst, welche Standards eure Hardware unterstützt. In Windows könnt ihr im Geräte-Manager unter „Netzwerkadapter“ nachsehen, welche Geschwindigkeiten euer LAN-Port theoretisch schafft. Unter macOS findet ihr diese Info in den Systemeinstellungen unter „Netzwerk“.

Kabelverbindungen systematisch prüfen

Kabelverbindungen sind im Standard entweder kaputt oder ganz, sie haben keine Schwankungen in der Geschwindigkeit, wie es bei einer WLAN-Verbindung der Fall sein kann. Die Verkabelung macht ihr einmal, die Daten gehen immer denselben Weg vom Router zu eurem Endgerät. Trotzdem gibt es Fallstricke:

  • Startet als Erstes den Router und alle Netzwerkgeräte neu, indem ihr die Stromversorgung trennt und nach 30 Sekunden wieder verbindet. Das löst oft temporäre Probleme mit der Geschwindigkeits-Aushandlung.
  • Prüft, ob alle Kabelverbindungen vom Router zum Gerät fest eingesteckt sind. Auch wenn selten die Hauptursache, können wackelige Verbindungen zu Aushandlungsproblemen führen.
  • Vermeidet Knicke in den Kabeln und achtet auf den Biegeradius. Cat-5e- und Cat-6-Kabel sind empfindlicher als gedacht – extreme Knicke können tatsächlich einzelne Adern beschädigen und die Übertragungsqualität reduzieren.
  • Überprüft die Kabelkategorie: Cat-5-Kabel schaffen maximal 100 Mbit/s, Cat-5e und Cat-6 hingegen Gigabit-Geschwindigkeiten. Cat-6a und Cat-7 sind für 10-Gigabit-Verbindungen ausgelegt.

Der vergessene Verdächtige: Der Switch

Eine Hardware wird in den meisten Fällen komplett vergessen: Der Switch. Meist legt ihr ein Netzwerkkabel vom Router an einen Ort, beispielsweise das Homeoffice. Da sich in dem Raum aber mehrere Geräte finden, müsst ihr das Netzwerk an diese verteilen. Und dafür verwendet ihr einen Netzwerkverteiler, eben den Switch.

Switches aus den 2010er Jahren unterstützen oft nur Fast Ethernet (100 Mbit/s) oder haben gemischte Ports. Wenn euer 10 Jahre alter 8-Port-Switch plötzlich der Flaschenhals ist, merkt ihr das sofort. Moderne Gigabit-Switches kosten unter 30 Euro und können euer Netzwerk-Erlebnis dramatisch verbessern.

Besonders tückisch: Managed Switches mit veralteter Firmware oder falsch konfigurierten Quality-of-Service-Einstellungen. Diese können den Datenverkehr künstlich drosseln oder bestimmte Verbindungen priorisieren – oft ohne dass ihr es merkt.

Powerline und andere Stolperfallen

Nutzt ihr Powerline-Adapter (auch dLAN genannt), um das Netzwerksignal über die Stromleitung zu übertragen? Diese praktischen Geräte können je nach Hausinstallation und Störungen durch andere Elektrogeräte erheblich in der Geschwindigkeit schwanken. Während moderne Powerline-Adapter theoretisch über 1000 Mbit/s schaffen, liegt die Realität oft bei 100-300 Mbit/s – und das nur unter optimalen Bedingungen.

Auch USB-zu-Ethernet-Adapter können zum Problem werden. Günstige Adapter nutzen oft noch USB 2.0 (theoretisch 480 Mbit/s, praktisch deutlich weniger) oder haben schlechte Chipsätze. USB 3.0- oder USB-C-Adapter mit Gigabit-Unterstützung sind die bessere Wahl.

Die Lösung: Systematisch vorgehen

Wenn ihr solche Komponenten nutzt, dann solltet ihr systematisch vorgehen: Trennt jedes Gerät auf dem Weg vom Router zu eurem Endgerät einmal vom Strom, wartet 30 Sekunden und schließt es dann neu an. Die Chancen stehen gut, dass die Geschwindigkeit eurer Internetverbindung deutlich höher ist!

Falls das nicht hilft, testet die Verbindung schrittweise: Erst direkt am Router, dann an jedem Switch oder Adapter auf dem Weg. So findet ihr schnell heraus, wo der Flaschenhals sitzt. Speedtests wie der von Ookla oder Fast.com zeigen euch sofort, ob sich was verbessert hat.

In vielen Fällen ist die Lösung simpler als gedacht: Ein Neustart der Hardware oder der Austausch eines veralteten 20-Euro-Switches kann euer Netzwerk von 100 Mbit/s auf Gigabit-Geschwindigkeiten katapultieren. Und plötzlich ist euer WLAN wieder das, was es sein sollte – eine praktische Alternative zum schnellen LAN, nicht dessen Überflieger.

Zuletzt aktualisiert am 16.02.2026