Wir haben über 680 so genannte „Gefährder“ in Deutschland, also Menschen, die den Islam missbrauchen, um Terror zu begehen. In der Politik gibt es jetzt verstärkt den Vorschlag, diese Gefährder mit elektronischen Fußfesseln auszustatten, weil man sie nicht 24/7 observieren kann. Eine Fußfessel gibt Aufschluss darüber, wo sich jemand aufhält. Aber was sind eigentlich Fußfesseln und wie funktionieren sie?
In der Amtssprache wird so eine Fußfessel auch EAÜ genannt: Elektronische Aufenthaltsüberwachung. Die klassische Fessel – auch „Radiosystem“ genannt – ist ein Sender, der in ständigem Kontakt mit einer Basisstation steht und im Grunde lediglich den Abstand zur Basisstation ermittelt.
Verlässt der Sender den vorher definierten Bereich oder sendet nicht mehr, etwa, weil er zerstört wurde, kann die Basisstation Alarm auslösen – in der Regel über das Telefonnetz. So waren die ersten Fußfesseln ausgerüstet. Nachteil: Der Bewegungsradius ist minimal, da sich der Betroffene nur im Sendebereich der Basisstation bewegen kann und darf.
Deswegen kommen heute modernere Varianten zum Einsatz, die mit 5G-Mobilfunk und erweiterten GPS-Systemen arbeiten. Die Fessel ist mit einem hochpräzisen GPS-Empfänger ausgestattet und funkt regelmäßig das Signal per Mobilfunk an eine Zentrale. Hier kann dann festgestellt werden, ob sich der Überwachte innerhalb des vorgesehenen Areals bewegt oder nicht – und bei Bedarf Alarm ausgelöst werden.
Moderne Systeme nutzen mittlerweile auch zusätzliche Satellitenkonstellationen wie Galileo und Glonass für eine verbesserte Ortungsgenauigkeit. Die neuesten Modelle sind zudem mit KI-basierten Bewegungsmustern ausgestattet, die ungewöhnliche Aktivitäten automatisch erkennen können.
Natürlich entstehen auch detaillierte Bewegungsprofile. Mit modernen Fußfesseln kann man sogar bidirektional kommunizieren – oder mithören, was gerade gesprochen wird. Man kann auch aus der Zentrale Anweisungen geben, die der Betroffene hören muss. Solche mobilfunkgetriebenen Fesseln gibt es mittlerweile schon ab 180 EUR – ohne Betriebskosten für den Mobilfunk, die bei etwa 25-40 EUR monatlich liegen.
Wie präzise sind moderne Fußfesseln
Die Technologie hat sich erheblich weiterentwickelt: Smartphones nutzen heute nicht nur GPS, sondern auch Galileo, Glonass und BeiDou-Satelliten sowie verschiedene Informationen des 5G-Mobilfunknetzes, Wi-Fi-Positioning und sogar Bluetooth-Beacons, um den Aufenthaltsort extrem exakt zu berechnen – oft auf unter einen Meter genau.
Moderne Fußfesseln haben aufgeholt: Die neuesten Modelle nutzen Multi-GNSS-Empfänger (Global Navigation Satellite Systems) und kombinieren diese mit Mobilfunkdaten und Wi-Fi-Signalen. Das erhöht die Genauigkeit erheblich, besonders in städtischen Gebieten und Gebäuden. Zusätzlich kommen inertiale Sensoren zum Einsatz, die Bewegungen auch dann verfolgen können, wenn GPS-Signale schwach sind.
Trotzdem müssen die Überwachten keinen vollwertigen Computer mit sich herumtragen. Moderne Akkus halten mittlerweile 5-7 Tage durch, und das induktive Aufladen ist deutlich komfortabler geworden. Die Geräte sind auch wasserdicht und deutlich kleiner als frühere Generationen.
Wer überwacht das alles?
Die Überwachung erfolgt heute über ein bundesweites Netzwerk von Überwachungsstellen. Die zentrale Koordination läuft weiterhin über Bad Vilbel in Hessen, wurde aber um regionale KI-gestützte Analysezentren erweitert. Hier werden die Fußfesseln registriert und die Bewegungen in Echtzeit kontrolliert – auch ob eine Fessel nicht mehr funktionstüchtig ist.
Die moderne Software kann mittlerweile Verhaltensmuster erkennen und verdächtige Aktivitäten automatisch flaggen. Machine Learning-Algorithmen analysieren die Bewegungsdaten und können vorhersagen, ob jemand dabei ist, Verbotszonen zu betreten oder sich auffällig zu verhalten. Im Zweifel wird dann die jeweils zuständige Behörde und/oder Polizei in Sekundenschnelle informiert.
Da so ein Überwachungssystem den aktuellen Aufenthaltsort zentimetergenau kennt, lässt sich ein sehr präzises Gebiet festlegen, in dem sich der Träger bewegen darf. Das kann ein Staatsgebiet sein, ein Bundesland, eine Stadt, ein Stadtteil oder sogar einzelne Gebäude. Moderne Systeme können auch Zeitzonen definieren – also etwa nachts strengere Auflagen als tagsüber.
Verlässt er diesen vorher definierten Bereich, wird ein Alarm ausgelöst. So, als würde er einen nicht sichtbaren Zaun überklettern – deshalb wird vom „virtuellen Zaun“ oder „Geofencing“ gesprochen. Diese virtuellen Zäune können heute extrem komplex sein und sich je nach Tageszeit, Wochentag oder besonderen Ereignissen automatisch anpassen.
Was passiert bei Manipulationen?
Darauf sind moderne Fesseln deutlich besser vorbereitet als frühere Generationen. Jede Form von Manipulation wird durch mehrere Sensoren erkannt: Beschleunigungsmesser, Temperatursensoren, Lichtsensoren und sogar biometrische Sensoren, die den Hautkontakt überwachen.
Wenn sich das System nicht mehr melden kann, etwa weil der Sender zerstört wurde oder in einen Faradayschen Käfig gesteckt wird, wird sofort Alarm ausgelöst. Die Systeme melden sich heute alle 30 Sekunden bis wenige Minuten. Bei Manipulationsversuchen kann die Meldefrequenz automatisch erhöht werden.
Neueste Modelle haben sogar Backup-Kommunikationswege: Falls das Mobilfunknetz ausfällt, können sie über LoRaWAN-Netze oder Satellitenkommunikation weiterhin Signale senden. Manche verwenden auch versteckte Backup-Sender, die bei Manipulationen aktiviert werden.
Trotz Zerstörung kennt man zumindest den letzten Aufenthaltsort und kann die betroffene Person zur Fahndung ausschreiben. KI-Systeme können dann sogar vorhersagen, wohin sich jemand bewegen könnte, basierend auf den bisherigen Bewegungsmustern.
Einsatz im privaten Bereich
Mittlerweile gibt es solche Ortungssysteme auch durchaus für den privaten Bereich. Besonders für die Überwachung von Demenzkranken sind sie wertvoll geworden. Moderne Geräte sind so klein und leicht, dass sie problemlos am Handgelenk getragen oder in Kleidung eingenäht werden können.
Wenn solche Patienten einen solchen Sender tragen, lassen sie sich jederzeit orten, sollten sie zum Beispiel unkontrolliert ihre Wohnung oder das Heim verlassen. Apps können Alarm schlagen, wenn sie ein vorher definiertes Areal verlassen, und sogar Angehörige automatisch benachrichtigen.
Auch für Kinder gibt es mittlerweile elegante Lösungen: Smartwatches mit GPS-Tracking, die wie normale Kinderuhren aussehen, aber vollwertige Ortung und Kommunikation bieten. Apps wie „Life360“, „Find My Kids“ oder „GeoZilla“ sind in Deutschland sehr beliebt geworden.
Diese Systeme können viel mehr als nur orten: Sie messen Aktivität, haben SOS-Funktionen, ermöglichen Videoanrufe und können sogar bei Cybermobbing helfen, indem sie verdächtige Kontakte erkennen. Die Preise sind stark gefallen – gute Systeme gibt es bereits ab 50 EUR.
Ein wichtiger Trend: Datenschutz wird immer wichtiger. Moderne Systeme verwenden End-to-End-Verschlüsselung und speichern Daten lokal oder in europäischen Rechenzentren nach DSGVO-Standards.
Zuletzt aktualisiert am 04.04.2026



