Angela MerkelDa wundere sich noch jemand, dass der Staat so viele Schulden macht. Wie der Focus jetzt berichtet, kostet der wöchentliche Merkel-Podcast durchschnittlich 10.800 Euro pro Ausgabe. 10.800 Euro – das ist ein starkes Stück. Denn da fragt man sich natürlich gleich: Wieso? Ich arbeite seite 12 Jahren für das WDR Fernsehen und weiß: Fernsehen ist ein teures Medium. Aber nicht so teuer. Diese Kosten lassen nur einen Schluss zu: Da macht sich jemand ganz schön die Taschen voll.

Mit 10.800 Euro kann man jedenfalls eine ganze Menge anstellen. Auch richtig gutes Fernsehen machen. Aber ein Podcast ist natürlich nicht mal annähernd so aufwändig. Mir ist jedenfalls nicht klar, wieso einige Minuten „Talking Head“, also eine in die Kamera sprechende Kanzlerin, derart hohe Produktionskosten verschlingen soll. Die Kanzlerin selbst wird wohl auf ein Honorar verzichten. Was braucht man also? Eine Maske. 200€ pro Tag. Ein Kamerateam: 1500€ pro Tag. Licht und Ton inklusive. (Und weder Kamera, noch Maske wären einen kompletten Tag beschäftigt.) Bleiben noch die Kosten für das Digitalisieren des Videomaterials und das Einstellen ins Web. Das Ganze wird noch redaktionell betreut – gut, aber allzu viel wird sich die Kanzlerin wohl nicht „reinredigieren“ lassen. Das Manuskript muss natürlich geschrieben werden, aber wir wollen doch mal nicht hoffen, dass das mehrere Tausend Euro kostet? Und hoffentlich zahlt das nicht der Steuerzahler…

Darum wäre ich wirklich mal neugierig, wie die offizielle Argumentation lautet. Wo entstehen die Kosten? Die Downloads, angeblich 200.000 pro Woche, sind nicht der Rede wert. Da reicht ein stinknormaler Server, den man bei jedem Hoster für 100 Euro im Monat bekommt… Also, liebes Bundespresseamt: Hosen runter! Wofür wird das Geld rausgejubelt?

Merkel Podcast

PS: Ach ja, das ist auch ein lustiges Argument:

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Afrika unterwegs. Deshalb erscheint diese Woche keine Podcast.

Soso. Frau Merkel ist also unterwegs. Na und? Man kann doch locker mal die paar Minuten in eine mitgebrache Kamera sprechen und das sogar unterwegs online stellen. Wäre alles kein Hexerei. Machen Tausende von Bloggern weltweit ohne mit der Wimper zu zucken. Und vor allem: Kostenlos.

2 Kommentare
  1. Hasenpups
    Hasenpups sagte:

    Hallo Jörg, ein wirklich interessanter Bericht. Hast du das auch noch woanders publiziert oder wirst es dem Bund der Steuerzahler melden? Wie gehts jetzt weiter? Es ist doch nicht einzusehen, dass so viel Geld zum Fenster heraus geschmissen wird.

  2. Wolfgang Hollmann
    Wolfgang Hollmann sagte:

    Passt doch in unsere Raster. Ohne Leistung die Taschen füllen. Beispiele : Stromkonzerne,Mineraloelwirtschaft,Banken,Städt.GMBH’s,Politiker in der Wirtschaft, jetzt
    aktuell die Privatisierung der Bahn um nur einige Bereicherungsmöglichkeiten zu nennen.
    Nur, wer soll dem Einhalt gebieten?

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