Am 15. September 1997 ist die Suchmaschine Google offiziell ans Netz gegangen. Unter der auch heute noch bekannten und üblichen Adresse www.google.com. Seit fast 30 Jahren also können wir alle „googeln“. Vorher war die von Larry Page und Sergey Brin an der Stanford University entwickelte Suchmaschine nur Eingeweihten zugänglich, die mit dem Projekt zu tun hatten.
Die meisten von uns googeln täglich – und sind dankbar für die präsentierten Resultate. Rund 87 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland gehen an Google. Alle Achtung. Man kann es auch so sehen: Die User stimmen täglich mit den Fingern ab. Sie könnten ja auch eine andere Suchmaschine ansteuern. Genug Alternativen gibt es jedenfalls. Tun sie aber nicht.
Wir haben also alle selbst dazu beigetragen, dass aus der einstigen kleinen Suchmaschine von zwei Studenten innerhalb von nur drei Jahrzehnten einer der mächtigsten Konzerne der Welt geworden ist. Und einer der reichsten.

Ich übertreibe nicht: Die Marke Google ist mittlerweile über 2 Billionen Dollar wert – nach Apple und Microsoft das wertvollste Unternehmen der Welt. Und das, weil Google längst mehr ist als nur eine Suchmaschine. Google ist ein KI-Gigant. Ein Cloud-Computing-Imperium. Ein Hardware-Produzent. Ein Smartphone-Bauer.
Anbieter des erfolgreichsten mobilen Betriebssystems der Welt. Ein Werbenetzwerk und Vermarkter. Entwickler autonomer Fahrzeuge über Waymo. Hersteller von Smart Home Geräten – selbst in der Medizin, Quantencomputing und der KI-Forschung mischt der Konzern mit. Fast überall hat Google heute seine Finger drin. Besonders dort, wo die Zukunft entschieden wird.
Interessant sind für Google vor allem all jene Bereiche, in denen Daten anfallen und künstliche Intelligenz trainiert werden kann. Niemand kann so effizient und effektiv Daten erheben, speichern und mit KI auswerten wie Google. Da Daten und KI-Expertise die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts sind, macht das Google nicht nur zu einem der wertvollsten, sondern auch zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt.

Besonders beeindruckend ist Googles Fortschritt bei künstlicher Intelligenz. Mit Gemini Ultra hat Google OpenAIs ChatGPT nicht nur eingeholt, sondern teilweise überholt. Das KI-System kann Texte schreiben, Codes programmieren, Bilder analysieren und komplexe Probleme lösen. Gleichzeitig ist Gemini tief in alle Google-Dienste integriert – von der Suche über Gmail bis hin zu YouTube.
Niemand, wirklich niemand weiß, über welche „Schätze“ Google verfügt, welche Datenberge der Konzern angehäuft hat – und mit welchen KI-Systemen diese ausgewertet werden. Und vor allem: Was mit den Daten passiert. Heute. Und in Zukunft. Da Google in nahezu jeden Bereich unseres Lebens vordringt, weiß Google immer mehr über uns. Weil unser Smartphone uns verrät. Und der Browser in unserem Rechner. Der vernetzte Rauchmelder. Das YouTube-Konto. Der Online-Kartendienst. Der Sprachassistent, mit dem wir sprechen, zu Hause oder unterwegs, erst recht. Google ist überall – und oft merken wir es nicht einmal.
Dazu kommt: Google sammelt nicht nur Daten, sondern kann diese mit fortschrittlichster KI analysieren. Muster erkennen, Vorhersagen treffen, Verhalten prognostizieren. Das macht Google zu einem Unternehmen, das uns möglicherweise besser kennt, als wir uns selbst kennen.
Wenn man sich das mal vor Augen führt, bekommt man es mit der Angst zu tun. Die Möglichkeiten scheinen unendlich – und obwohl die EU mit der DSGVO und dem Digital Services Act regulatorische Fortschritte gemacht hat, hinkt die Gesetzgebung der technischen Entwicklung hinterher.

Google hat sich zwar das ursprüngliche Motto „Don’t be evil“ mittlerweile abgeschafft und durch „Do the right thing“ ersetzt. Aber was „das Richtige“ ist, definiert immer noch Google selbst. US-Konzerne machen ihre eigenen Regeln. Und alle müssen oder sollen danach spielen.
Immerhin: Es gibt Bewegung. Suchmaschinen-Alternativen wie DuckDuckGo, Startpage oder das deutsche Ecosia gewinnen an Popularität. Im KI-Bereich entstehen europäische Alternativen. Und die EU arbeitet an einem AI Act, der KI-Systeme regulieren soll.
Wir können uns freuen, dass es seit fast 30 Jahren die Suchmaschine Google gibt. Was daraus geworden ist, gibt nicht unbedingt Anlass zur ungeteilten Freude, sondern zur erheblichen Sorge. Wird Zeit, dass wir daraus Konsequenzen ziehen. Wir als Nutzer sollten genauer darauf achten, welche Dienste wir nutzen – und wem wir welche Daten anvertrauen.
Und die Politik, die endlich Schluss damit machen muss, dass Tech-Giganten ihre eigenen Regeln aufstellen. Wir brauchen mehr Rechte – damit wir endlich selbst bestimmen können, was Onlinekonzerne über uns wissen dürfen und was sie im Zweifel auch wieder vergessen müssen. Also einen Datenschutz, der mit der KI-Revolution Schritt hält.
Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026
