Internetbenutzer wissen nur zu gut: Unerwünschte Werbepost (Spam) verstopft die elektronischen Briefkästen. Während in den USA bereits 80 Prozent aller verschickten E-Mails der Kategorie Spam angehören sollen, schätzen Experten den Anteil in Deutschland auf wenigstens 50 Prozent. Darum haben sich bereits im vergangenen Jahr führende Internetprovider aus Deutschland auf dem 1. Anti-Spam-Kongress zu einer „Anti Spam Task Force“ (ASTF) zusammen geschlossen. Ihr Ziel: Müllpost möglichst effektiv einzudämmen.

Juristische Mittel greifen kaum. Längst ist Spam in den meisten Ländern verboten, auch in Deutschland. Doch nur selten lassen sich die Verursacher der Müllpost aufspüren. Spam-Versender fälschen Absenderkennungen und missbrauchen immer öfter geknackte Server oder sogar PCs ahnungsloser Internetbenutzer, um ihre Reklame ins Intenret zu pumpen.

Darum müssen Methoden her, die Spam wirkungsvoll verhindern. Das ist auch das Ziel der „Anti Spam Technical Alliance“ (ASTA), ein Zusammenschluss großer Netzprovider wie AOL, Yahoo, Microsoft und Earthlink.

Immer öfter werden Privat-PCs für Spam-Versand missbraucht

Die Zweckgemeinschaft will technische Maßnahmen ergreifen, den Postverkehr im Netz strenger zu überwachen. Eine Möglichkeit: Auffällige Rechner unverzüglich vom Netz zu trennen, sobald innerhalb einer kurzen Zeitspanne ungewöhnlich viele E-Mails ins Netz gepumpt werden. Laut eigenen Angaben sperrt AOL in solchen Fällen bereits den Zugang. Wenn ein privater PC mehrere Hundert E-Mails verschickt, sollte das in der Tat jeden Provider alarmieren.

Solche Maßnahmen sind durchaus sinnvoll. Denn mittlerweile kommen bereits 30 Prozent der ins Netz eingespeisten Spam-Nachrichten von privaten PCs. Spam-Versender missbrauchen so genannte „Zombie-PCs“ für den Reklameversand. Rechner, die vorher mit Würmern wie Sober infiziert wurden oder sich Trojaner wie Randex eingefangen haben. Mit dieser Methode gelangt zum Beispiel vor allem Spam mit rechtem Gedankengut ins Netz.

Die Absenderkennung lässt sich kinderleicht fälschen

Größtes Problem: Spam-Versendern haben leichtes Spiel. Sie können E-Mail-Adressen nach Herzenslust fälschen, denn im Absenderfeld lässt sich nahezu alles eintragen. Nur wenige Provider zwingen ihre Kunden, eine bestimmte Adresse zu benutzen. Die ASTA-Mitglieder haben deshalb verschiedene Verfahren entwickelt, mit denen sich die Authentizität eines Absenders ermitteln lässt. Die Idee: Wenn sich jeder E-Mail-Versender „ausweisen“ müsste, würde das den Versand von Spam deutlich erschweren. Noch wird über das beste Verfahren diskutiert, aber erste Ansätze zeichnen sich ab.

Einen ganz anderen Weg der Spam-Vermeidung beschreitet die in Luxemburg ansässige Softwarefirma „All about it“. „Spammer haben bei uns keine Chance, weil wir nur Post von bekannten, vertrauenswürdigen Absendern akzeptieren“, erklärt Erfinder Helmut Haag. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Filter klingt, ist technisch doch etwas ganz anderes: Das „Spamkiss“ getaufte System überprüft noch vor Eintreffen des Mail-Inhalts, ob die Nachricht überhaupt erwünscht ist. Vorteil: Deutlich weniger Datenverkehr.

Spamkiss verhindert zuverlässig Reklamepost

„Der Trick ist, dass sich jeder Absender beim ersten E-Mail-Kontakt mit Hilfe eines so genannten Tokens ausweisen muss“, verrät Haag. Eine Art geheimes Passwort, das der Absender in die E-Mail-Adresse einbauen muss – und das sich jederzeit ändern kann. Wenn der Server einen Absender erst mal kennt, kann er sich das Passwort künftig sparen. Wie ein guter Pförtner, der beim ersten Mal nach dem Ausweis fragt – und bei späteren Besuchen schon weiß, wen er da durchwinkt.

Spam-Versender haben so keine Chance. Sie werden kaum den Aufwand betreiben, um an die nötigen Passwörter heranzukommen. Und selbst wenn: Der Empfänger könnte das Passwort jederzeit ändern. Die kostenlose Software Spamkiss muss auf dem Server installiert werden, also beim Provider oder in der Firma. Auf dem Privat-PC funktioniert das leider nicht. Aber immerhin: Es zeichnen sich verschiedene viel versprechende Technologien ab, die Spam-Versand künftig deutlich erschweren dürften. Das wird auch Zeit.