Der Schäuble Blocker, Titelthema in der CHIPEs gab Zeiten, da war es in Deutschland nicht nur verboten, sondern auch undenkbar, allzu viele persönliche Daten zentral zu speichern. Regierung und Behörden waren stets bemüht, die Daten zu dezentralisieren. Hier ein paar Daten, dort ein paar Daten – sie zusammenzuführen, war kaum denkbar und eben verboten. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei. Unter dem Standardargument „Sicherheit“ und „Terrorabwehr“ wird nun selbst ein zentrales Melderegister gefordert, in dem mindestens 27 persönliche Daten über jeden Deutschen gespeichert werden sollen, einige Politiker fordern sogar 60 Daten, darunter E-Mail-Adresse, Passnummer und biometrische Daten.

George Orwell, ich hör Dir trapsen. Auf eine kleine Anfrage der FDP antwortet das Innenministerium, warum so eine zentrale Meldestelle unverzichtbar und unheimlich praktisch ist. Datenschützer hingegen kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, denn was in den letzten zwei, drei Jahren alles erwogen und teilweise umgesetzt wurde, übertrifft die ärgsten Befürchtungen.

Wenn man bedenkt, wie oft in letzter Zeit behördlich erfasste Daten „verschwunden“ sind oder geklaut wurden, zuletzt mehrmals in Großbritannien, dann lässt das nichts Gutes erwarten. Ich halte diese ungebremste Datensammelwut für ernsthaft bedenklich.

6 Kommentare
  1. Chris
    Chris sagte:

    Diejenigen, die sich über die Pläne aufregen sollten mal kurz die Luft anhalten und nachdenken, wie bereitwillig sie sich Pay-Back-und sonstige „Kunden“-Karten aufschwatzen lassen. Da kann man ja was sparen. Dass die Adressen knallhart vermarktet (verkauft) werden, will keiner wahrhaben. Wie gerne gibt man im Internet Daten von sich selbst preis (Foren, Chat, etc.) und regt sich dann über staatliche Sammelwut der Daten auf? Schon mal nach Amerika geflogen? Regt sich da jemand drüber auf, wenn man einen Fingerabdruck nimmt, die Augen gescannt werden? Mal gefragt, was mit den Daten in Amerika passiert?
    Also, erst mal an die eigene Nase packen und reflektieren, wie man mit seinen eigenen Daten umgeht. Und dann wie L.H. sich mal kritisch mit dem Thema auseinandersetzen.

  2. Sven
    Sven sagte:

    „Meine Frage: Woher nehmen die Analysten diese Aussagen?“
    Meine Antwort: Indem sie Menschen befragen, die gerade aus dem Wahllokal kommen. Dort wird abgefragt, was man aktuell gewählt hat, was man bei der vorherigen Wahl gewählt hat, wie alt man ist etc. Repräsentative Umfragen erlauben solche Hochrechnungen, ganz einfach.

  3. Holly
    Holly sagte:

    Demnächst brauchen wir nicht mehr zum wählen gehen, da unsere gespeicherten Daten gleich für das Wahlergebnis ausreichen.Man sieht das ja auch bereits an den Wahlanalysen, die mich immer wieder überraschen, welche Altersgruppe welche Partei wählte und auch wer bei der letzten Wahl SPD wählte und nun Linke mit Angabe der Berufsgruppen u.s.w.Welche Alersgruppe wen gewählt hat wird auch berichtet.Meine Frage: Woher nehmen die Analysten diese Aussagen? Holly

  4. L.H.
    L.H. sagte:

    Schön wie die Emotionen bei dem Thema immer wieder hochkommen. Was viele hier vergessen, ist das wir doch schon längst einen solchen „transparenten“ Deutschen haben. Ständig werden über uns irgendwo irgendwelche Daten gesammelt und aufbewahrt. Der entscheidende Schritt – und logische Folgerung ist doch jetzt nur noch diese Daten zusammen zu führen.
    Meiner Meinung nach kommen diese Proteste leider viel zu spät. 27 persönliche Daten sind garnichts, mit etwas aufwand findet die jeder über seinen aktuellen Chatpartner, Online-Spiel Partner, Telefonpartner etc. heraus.
    Das ganze ist halt ein lästiges Übel unserer Zeit. Wer gemtülich im Netz surfen, mit Menschen in aller Welt kommunizieren will oder durch Treuekundenkarten billiger einkaufen will gibt seine Informationen ja sowieso schon frei. Also warum noch drüber aufregen? Sinn würde es jetzt machen sich sinnvoll mit dem Thema auseinander zu setzen, indem in Zukunft darauf achtet, wie man mit seinen Informationen und Charakterdaten umgeht. Stichwort: Medienkompetenz^^

  5. Patrick Möller
    Patrick Möller sagte:

    Ich kann ihnen, Herr Schulze, nur zustimmen und frage mich, auf dem Mist der Empfehlungen welcher Experten solche „Unternehmungen“ hervorkommen. Sind das wirklich noch Experten? Und sind unsere Politiker, die solchen Beschlüssen zustimmen tatsächlich noch in der Lage zu erkennen, welches Ausmass solche Beschlüsse haben, wo sie sich ja schon so glänzend mit dem Internet auskennen.

    Na gut, wenn wir denn unbedingt ein zentrales Melderegister aufbauen müssen, das es Terroristen, Dieben, Spammern und Möchtegern-Hilfssherifs einfacher macht sich an unsere Daten zu vergehen…

    Guten morgen schöne neue Welt. Ich habe mir heute früh ordentlich die Zähne geputzt und mich gewaschen. Meine frühmorgendliche Verfehlung die Zahnpastatube nach deren Gebrauch wieder einmal offen im Bad zurückzulassen wird von dem frisch von der Regierung in meinem Bad installierten Auge registriert und irgendwo zwischen all den anderen Daten von mir festgehalten. Dass mir ständig der linke Schnürsenkel aufgeht hat die Kamera ebenfalls bereits registriert. Ausserdem fällt dem Operator am anderen Ende der Überwachungsleitung auf, dass ich heute nicht wie sonst 3 Orangen zu einem frischgepressten Saft umarbeite sondern vier.

    Alles hat seine Botschaft. Man muss sie nur zu deuten wissen. Der Operator deutet sie halt auf seine Weise. Er selbst hatte heute früh nur 2 Orangen, weil er laut seinem Register gestern vergessen hatte neue zu besorgen. Wenn morgen der Strafzettel wegen übermäßigen Orangenkonsums kommt, wird das alles seine Richtigkeit haben. Darüber Nachdenken muss ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr, denn damit läge ich überhaupt nicht mehr im Trend. Wer denkt denn heutzutage noch?

  6. Peter Schulze
    Peter Schulze sagte:

    Brauchen wir eine Meldestelle,ich Glaube nicht.
    Hatten wir nicht schon solch einen Staat.(DDR)
    Bekommen wir bald einen Chip verordnet.

Kommentare sind deaktiviert.