Das World Wide Web: Für die meisten Internetbenutzer eine äußerst spannende Sache. Eine scheinbar unerschöpfliche Quelle an Informationen, Bildern, Videos, Musik, Spiele, Software etc. Kurz: Informativ, unterhaltsam, abwechslungsreich. Sich im WWW zu Recht zu finden ist zum Glück ziemlich einfach: Schnell die Suchmaschine des Vertrauens befragt – und ein paar Mausklicks später erscheint auch schon das Gewünschte auf dem Bildschirm.

Dafür ist das World Wide Web auch da. Doch viele gehen einen Schritt weiter und schauen nicht nur, was der Browser präsentiert, sondern kopieren ungeniert alles, wad ihnen unter den Mauscursor kommt. Sie speichern Texte. Bilder. Videos und Layouts auf der Festplatte, bauen die Komponenten in eigene Webseiten ein oder erwecken sogar den Eindruck, das virtuelle Diebesgut wäre von ihnen. Das World Wide Web als rund um die Uhr verfügbarer Selbstbedienungsladen.

Umsonst im Netz bedeutet eben nicht: frei verfügbar

Eins lernen Internetbenutzer recht schnell: Das aller meiste im Web ist kostenlos zu haben. Nur Weniges wird gegen Gebühr angeboten – auch wenn sich das allmählich ändert. Da könnte beim ein oder anderen tatsächlich der Eindruck entstehen: Was gratis im Browser erscheint, das kann nicht nur kostenlos angeschaut werden, sondern ist insgesamt frei verfügbar.

Ein fataler Trugschluss. Urheberrechte bleiben nämlich bestehen und gelten auch im Netz, selbst wenn im Internet das meiste gratis zur Verfügung steht. Texte, Fotos, Filme, Skizzen, Grafiken, Layout, ja selbst Linksammlungen: Alles ist durch das Urheberrecht geschützt und darf eben nicht einfach so kopiert werden. Für den eigenen Bedarf etwas auf die Festplatte zu kopieren ist in Ordnung. Doch eine Vervielfältigung, etwa auf der eigenen Homepage oder in anderen öffentlichen Bereichen des Webs, ist definitiv nicht gestattet. Manch einen wird das zweifellos erstaunen und einige noch nicht mal besonders jucken. Aber so sind die Fakten.

Methode Copy and Paste: Einfach Kopieren und Einfügen

Beispiel: Texte. Immer wieder ist zu beobachten, dass Internetbenutzer nicht nur ein, zwei Sätze kopieren, die sie irgendwo im WWW entdecken, sondern gleich regelrechte Passagen, manchmal sogar komplette Artikel. Sie kopieren die Texte und verwenden sie in Diskussionsforen oder auf der eigenen Webseite, ganz so, als wären es ihre eigenen Gedanken – Copy and Paste. Ein klarer Fall von Plagiat. Es sei denn, der Urheber hätte die Genehmigung dazu erteilt. Nach dem Motto: Kann frei kopiert werden.

Manche plagt immerhin das schlechte Gewissen – und notieren unter die Copy-and-Paste-Passage eine Quellangabe. Oder verlinken großmütig auf die Homepage, wo sie den Text her haben. Aber das reicht nicht. Texte sind geschützt und bleiben es auch im Internet. Computerbenutzer dürfen bestenfalls zitieren. Einige wenige Sätze – mehr nicht. Sie müssen die Quelle angeben und sollten höflicherweise auch auf die Homepage verlinken, wo der Text herkommt. Ganze Absätze oder gar komplette Texte zu kopieren, wie es immer wieder im Web zu beobachten ist, das fällt eindeutig nicht unter das Zitatrecht.

Auch Fotos, Musik und Videos geschützt

Bei Software, Fotos, Bildern, Musik und Videos entscheiden die meisten vielleicht noch intuitiv richtig: „Darf man nicht einfach so kopieren“, denken sie sich. Denn spätestens seit der Diskussion um Raubkopien und Tauschbörsen, egal ob in Sachen Musik oder Kinofilme, müsste eigentlich jedem klar sein: Alles geschützt. Wer trotzdem kopiert, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern macht sich strafbar und kann zu Schadenersatzforderungen herangezogen werden.

Da spielt es keine Rolle, ob der Urheber nun ein großes Musiklabel oder Filmstudio ist – oder „nur“ ein Privatmann. Was Privatleute, Firmen oder Medien auf ihren Webseiten ins Netz stellen, ist zur Lektüre oder zum direkten Konsum geeignet, darf aber nicht ohne vorherige Genehmigung weiter verwendet werden, weder in Gänze, noch in Auszügen. Auch Zeichnungen und Skizzen sind geschützt.

Auch Privatleute werden beklaut: Layouts und Linksammlungen

Im World Wide Web ist wirklich nichts sicher. Viele kopieren sogar ungeniert das Layout fremder Webseiten. Nicht nur Konzept und Aufbau, sondern nicht selten sogar auch die dazu gehörenden Grafiken. Aber auch das ist Diebstahl. Auch Layouts sind geschützt. Nur explizit kostenlos ins Netz gestellte Layouts, die speziell für die weitere Verwendung gedacht sind oder Beispiel-Layouts, mit denen Webeditoren ausgeliefert werden, dürfen frei verwendet werden.

Selbst Linksammlungen stellen eine eigene „Leistung“ dar und dürfen deshalb nicht einfach so übernommen oder kopiert werden. Im Grunde ist alles, womit andere Mühe hatten oder wo Arbeit investiert wurde, tabu. Wer etwas kopieren oder verwenden möchte, sollte deshalb grundsätzlich vorher fragen. Außer bei Projekten der OpenSource-Gemeinde. Solche Programme sind ausdrücklich für die Allgemeinheit gedacht und dürfen frei weiter gegeben werden. So sieht es das Konzept vor. Aber das steht dann auch ausdrücklich in den Lizenzbestimmungen bzw. Erläuterungen zur Verwendung. Die man, sicher ist sicher, besser immer lesen sollte.