Wer es schon mal live erlebt hat, wenn Steve Jobs über die Bühne stolziert und dem anwesenden Publikum eine neue Produktreihe präsentiert, der weiß nur zu gut: Auch Technikfans haben Emotionen, lassen sich begeistern. Der Apple-Chef muss nur ein neues Spielzeug hoch halten oder ein neues Notebook vorstellen, und schon johlt der IT-Mob vor Entzücken. Der Einschaltknopf ist jetzt nicht mehr links, sondern rechts? Wahnsinn! Die Begeisterung kennt dann keine Grenzen.

Jobs Produktvorstellungen sind legendär, sie sind Events – und für viele Apple-Jünger spannender als jedes Fussballspiel. Dabei zu sein ist eine Ehre. Steve Jobs ist zweifellos der Prototyp des Techno-Evangelisten. So werden in der IT-Industrie Personen genannt, die nur eine Aufgabe haben: Andere für die eigenen Ideen und Produkte zu begeistern. Eine Art Prediger im Hightech-Zeitalter.

Ohne eine ordentliche Portion Charisma und Überzeugung klappt das aber freilich nicht. „Man kann nur bei anderen ein Feuer entfachen, wenn man selbst für die Sache brennt“, erklärt mir ein „Technical Evangelist“ aus der Softwarebranche. Wohl wahr.

„Technical Evangelists“ sind „beseelt“. Sie können nicht anders. Es gibt sie seit einigen Jahren in den meisten größeren IT-Unternehmen, egal ob Hardware, Software oder Internet. Kaum zu glauben, aber wahr: „Technical Evangelist“ ist mittlerweile eine durchaus übliche Berufsbezeichnung, die sogar auf Visitenkarten steht.

Und was machst Du beruflich?

„Ich bin Evangelist. Prediger.“

„Wau!“

Evangelists sind Tech-Spezies, die nicht auf den Mund gefallen sind. Sie reisen durchs Land, präsentieren vor Publikum, versuchen Kunden oder Partner zu begeistern – oder eben auch schon mal Journalisten. Sie sind das Sprachrohr der IT-Unternehmen.

Eigentlich ist der Begriff „Evangelist“ eine gute Wahl, denn es macht deutlich: Auch in der IT-Welt kommt es nicht allein auf Fakten an. Es geht darum, an etwas zu glauben, sich für etwas zu begeistern – und im Idealfall, das habe ich von einem Evangelisten gelernt, macht ein Technical Evangelist sogar sein Publikum wieder zu Evangelisten, zu Überzeugungstätern, die andere bekehren wollen.

Wer wollte bestreiten, dass das vor allem Apple immer wieder gelingt? Viele Apple-Fans lassen keine Gelegenheit aus, über die Produkte mit dem Apfel-Logo zu schwärmen. Was kann einem Unternehmen besseres passieren?