Wo schlägt man heute nach? Richtig: Am Computer. Die einen schieben die CD oder DVD eines namhaften Lexikon-Herstellers in Laufwerk, die anderen schauen lieber im Internet nach. Vor allem das Online-Lexikon Wikipedia macht von sich Reden – und wird von immer mehr Menschen als Informationsquelle genutzt. Das Problem: Hier kann jeder Beiträge einstellen. Ein demokratisches Lexikon sozusagen. Das soll sich jetzt aber ändern.

Das Konzept des wirklich populären Online-Lexikons Wikipedia, zu erreichen unter http://www.wikipedia.de, ist eigentlich ziemlich simpel: Hier kann man nicht nur kostenlos nachschlagen, sondern sein Wissen auch weitergeben. Jeder kann bei Wikipedia einen Artikel schreiben – oder einen bestehenden Artikel erweitern oder korrigieren.

Motto: Einer für alle und alle für einen. Das Problem ist nur: Schreibt jemand Unsinn ins Wikipedia-Lexikon, ist das auch gleich öffentlich verfügbar gemachtes Wissen. Schlägt jemand bei Wikipedia nach und verlässt sich auf die dort angebotenen Informationen, kann das ganz schön ärgerlich werden.

Früher oder später wird ein anderer fachkundiger Wikipedianer den Fehler wahrscheinlich finden – und hoffentlich korrigieren. Die Frage ist nur: Wann? So manche Falschinformation ist tage-, wenn nicht wochenlang bei Wikipedia online.

Doch damit nicht genug. Immer öfter kommt es vor, dass Wikipedia gezielt manipuliert wird. Da werden Personen diffamiert, Lebensläufe verändert oder Bewertungen korrigiert. Bei uns in Deutschland zum Beispiel während der Bundestagswahl bei prominenten Politikern geschehen. Vor einigen Tagen wurde in der amerikanischen Wikipedia-Ausgabe der prominente US-Journalist John Seigenthaler in Wikipedia diffamiert und verleumdet.

Dem 78-Jährigen wurde doch glatt in einem Wikipedia-Artikel unterstellt, in den Mord an US-Präsident John F. Kennedy verstrickt gewesen zu sein. USA Today und CNN berichteten darüber – und Wikipedia geriet erstmals wirklich ins Kreuzfeuer der Kritik.

Weil wirklich jeder bei Wikipedia Texte ändern kann, lässt sich noch nicht einmal nachvollziehen, wer solche verleumderischen Behauptungen ins Onlinelexikon stellt. Ein Unding. Darum hat zumindest die amerikanische Wikipedia-Gemeinde reagiert. Ab sofort dürfen nur noch registrierte Wikipedia-Nutzer Beiträge erstellen und bearbeiten, nicht registrierte sind ausgeschlossen.

Was nicht bedeutet, dass das Problem damit beseitigt wäre. Schließlich ist so eine Anmeldung bei Wikipedia schnell erledigt und auch weitgehend anonym, also keine wirklich Hürde. Aber: Das Thema Qualitätskontrolle, das Kritiker schon länger anmahnen, wird nun offensichtlich auch bei Wikipedia endlich ernst genommen. Selbst der verleumderische Beitrag über den US-Journalisten John Seigenthaler wurde mehrfach überarbeitet. Allerdings wurden lediglich Rechtschreibfehler korrigiert.

Auch Wikipedia-Beiträge über andere Prominente wie zum Beispiel Microsoft-Gründer Bill Gates enthalten viele wertende, teilweise verzerrende Informationen und Formulierungen. Was im Grunde noch nicht mal erstaunlich ist, denn die Netzgemeinde gibt sich gerne kritisch. Sie neigt außerdem dazu, die Dinge gerne nur von einer Seite zu sehen und verschließt sich Gegenargumenten. Das lässt sich tagtäglich in einschlägigen Foren beobachten. Findet so etwas aber in einem Onlinelexikon Einzug, ist zumindest die Frage erlaubt, wie seriös, glaubwürdig und zuverlässig der Nachschlagebereich ist.

Darum braucht Wikipedia dringend ein verlässliches Qualitätsmanagement. Anders geht es nicht. Vielleicht ist der erste Schritt jetzt getan. Zu hoffen wär’s,

http://www.wikipedia.de