Was ist auf einem Bild zu sehen? Menschen können diese Frage blitzschnell beantworten – Computer bislang so gut wie überhaupt nicht, egal wie leistungsfähig sie sind. Das ist ein Problem, denn während Suchmaschinen heute leicht herausfinden, welche Wörter in einem Text oder auf einer Webseite vorkommen, sind Bilder für die Suchdienste nur eine undefinierte Anhäufung von Pixeln. Ob ein Bild ein Auto, einen Hund oder einen Sonnenuntergang zeigt – oder sogar alles gleichzeitig –, können Computer nicht beurteilen.

Trotzdem bieten viele Suchmaschinen eine Bildersuche an. Die funktioniert allerdings meist nicht besonders gut, denn die Bilder werden mangels Möglichkeit bislang nicht nach ihren tatsächlichen Bildinhalten indexiert. Stattdessen ziehen die Suchdienste die Dateinamen der Bilder heran und orientieren sich an den Texten rund ums Bild. Die Logik dahinter: Wenn in der Bildschreibung des HTML-Codes „Haus“ verzeichnet ist, zeigt das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Haus und kein Auto.

Aber eben nicht mit Gewissheit. Deshalb hat Luis von Ahn, ein auf „Human Computation“ spezialisierter Wissenschaftler von der Carnegie Mellon University ein Verfahren entwickelt, wie Bildinhalte zuverlässig erfasst und Suchmaschinen zur Verfügung gestellt werden können. Von Ahns Trick: Er lässt Menschen den Bildinhalt beschreiben. Sie werden dafür allerdings nicht bezahlt, sondern nehmen vielmehr an einem Spiel teil.

Beim „ESP Game“, das jeder unter http://www.espgame.com im Internet spielen kann, werden jeweils zwei Spieler zufällig ausgewählt, die dann miteinander spielen. Beide Spieler bekommen dasselbe Bild gezeigt, ein beliebiges Bild aus dem Pool des Internet. Beide sollen eingeben, was sie auf dem Bild sehen. Je schneller beide dasselbe Wort eintippen, umso besser. Für Tempo gibt es Punkte. Auf diese Weise sind die Spieler motiviert, passende Begriffe einzugeben.

Je öfter ein Bild bewertet wird, desto mehr qualifizierte Begriffe liegen vor. Deshalb erscheinen meist auch „Tabuwörter“, die dem Bild bereits zuverlässig zugeordnet sind – und die die Spieler vermeiden müssen. Zeigt ein Bild eine Frau, die einen Hund ausführt, und die Spieler zuvor haben sich auf „Hund“ geeinigt, kann dieses Wort nicht erneut eingegeben werden. So kommen stets neue Wörter dazu.

Weil Menschen gerne spielen, auch und besonders online, funktioniert das System hervorragend. Mehr als 18 Millionen Bilder haben Spieler des ESP Games bereits beschrieben, kostenlos. Einige Spieler haben 10 Stunden am Stück gespielt. Ihr Ziel: Auf der Bestenliste ganz oben zu stehen. Der Suchdienst Google hat das Prinzip von Ahns nun übernommen: In den USA können Spieler den Google Image Labler besuchen und hier Bilder beschreiben. Auf diese Weise will Google die Zuverlässigkeit seiner Bildersuche dramatisch verbessern – mit Hilfe fleißiger Freiwilliger.