Wer sich jemals in einem actionreichen Computer- oder Videospiel behaupten musste, ob Rennsimulation, virtueller Boxkampf oder Egoshooter, der weiß nur zu gut: So ein Wettkampf vor der Mattscheibe treibt nicht nur den Adrenalinpegel nach oben, und zwar mächtig, sondern kann auch richtig anstrengend sein. Manch einer sinkt nach dem erlösenden „Game over“ erst mal erschöpft in die Sofakissen und kühlt sein Gemüt mit einem Getränk.

eSport: Das wettbewerbsmäßige Spielen von Computerspielen

Es ist (fast) wie bei einem richtigen Wettkampf: Kräftemessen, Leidenschaft, Freude und Enttäuschung am Ende – sogar ein bisschen körperliche Anstrengung ist dabei. Darum hat sich für das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- oder Videospielen längst der Begriff „eSport“ etabliert, elektronischer Sport. Kritiker finden zwar, das habe rein gar nichts mit „richtigem“ Sport zu tun. Aber auch ein Formel-1-Rennwagen wird streng genommen nicht mit der eigenen Muskelkraft bewegt, sondern mit dem Gaspedal – und eben mit mentaler Kraft, weshalb bei Formel 1 dann doch mittlerweile von Sport die Rede ist. Warum also nicht auch bei Videospielen, wo es auf ganz ähnliche Dinge ankommt?

Profispieler reisen um die ganze Welt – und kassieren Preisgelder

eSport liegt jedenfalls voll im Trend. Immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, können sich für Computer- und Videospiele begeistern. Sie spielen entweder selbst – oder schauen anderen beim Spielen zu, die das besonders gut können. Beliebtestes Spiel überhaupt: Das umstrittene „Counter Strike“. Hier treten Teams gegeneinander an: Jeder Spieler sitzt vor einem vernetzten Computer, verständigt sich per Headset (quasi Sprechfunk) mit seinen Teamkollegen und jagt in den virtuellen Kulissen das jeweils andere Team. Andere populäre Spiele in der eSport-Szene sind StarCraft, WarCraft III, Quake III und Quake IV. Besonders zimperlich geht es bei diesen Spielen zwar nicht gerade zu, doch stehen grundsätzlich Geschicklichkeit, Tempo, strategisches Denken und Teamgeist im Vordergrund.

Profispieler verdienen ihren Lebensunterhalt mit Spielen

Kaum zu glauben, aber wahr: Es gibt längst Profispieler, die ihren Lebensunterhalt mit Spielen verdienen. Sie reisen um die halbe Welt, treten zu öffentlichen Schaukämpfen an und versuchen dort, die ausgelobten Preisgelder zu ergattern. Auf besonders hochkarätigen Veranstaltungen winken dem Sieger nicht ein paar hundert Euro, sondern ohne weiteres mehrere 100.000 Euro. Solche Profis trainieren hart: Sie sitzen Tag für Tag mehrere Stunden am Rechner, um Taktiken auszuprobieren, sie trainieren ihre Fingerfertigkeit und Reaktion. Wer viel Talent hat, kann es in der Profiliga schaffen. In Asien werden einzelne Spielerprofis verehrt wie hierzulande Beckham und Co. Wenn die Gamerprofis am Flughafen aus dem Flugzeug steigen, kreischt vor allem die weibliche Jugend vor Begeisterung. eSport ist also kein Phänomen, das nur die männliche Jugend erreicht.

Verherrlichen diese Spiele nicht Gewalt?

Viele öffentliche Wettkämpfe, etwa LAN-Partys, sind heute mindestens so gut besucht wie reguläre Sportveranstaltungen: Da sitzen Heerscharen von Fans auf den Tribünen und jubeln ihren Idolen zu. Sie schauen gebannt auf die Großbildleinwände, begeistern sich für taktisches Geschick, Reaktionsschnelligkeit und Coolness in brenzligen Situationen. Für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Aber wer die Spielregeln von American Football, Baseball oder Cricket nicht kennt, vermag auch nicht zu verstehen, warum die Menge bei einem Spielzug gerade tobt, jubelt oder flucht. Bei eSports ist das ganz ähnlich.

Eins fällt allerdings auf: Es kommen vornehmlich Games aus der Kategorie „Ballerspiele“ zum Einsatz, nicht etwa Rennspiele, Sportspiele oder Geschicklichkeitsspiele – obwohl das auf den ersten Blick sportlicher wäre. Das Warum ist schnell beantwortet: Bei Spielen wie Counter Strike, StarCraft, WarCraft oder Quake geht es vor allem darum, Strategien zu entwickeln und den Gegner auszutricksen, gleichzeitig sind aber Tempo, Koordination und eine schnelle Reaktion nötig. Komplexe Regelwerke gibt es obendrein. Erfolg und Misserfolg lässt sich bei diesem Spielgenre schnell und leicht erkennen. Das macht solche Spiele so reizvoll für eSportler.

Jugendschutz beim eSport

In den USA sowie in vielen Ländern Südostasiens, vor allem in Südkorea, ist eSport unter Jugendlichen mindestens so populär wie „normaler“ Sport. Auch in Bulgarien genießt eSport ein hohes Ansehen. Da werden Wettkämpfe im Fernsehen übertragen, das gibt es namhafte Sponsoren. In Deutschland hat eSports noch einen vergleichsweise schweren Stand – trotzdem wird eSports auch hierzulande immer beliebter. Veranstalter von großen Events wie die „Electronic Sports League“ betonen, dass Jugendschutz eine bei Veranstaltungen eine große Rolle spielt. Das bedeutet: Minderjährige dürfen nur solche Spiele spielen, die für ihre Altersstufe auch geeignet sind. Die ESL, die viele der großen Veranstaltungen organisiert und verantwortet, hat sogar einen eigenen Jugendschutzbeauftragten, der sich darum kümmert, dass der Jugendschutz eingehalten wird.