Die Regierung ist fest entschlossen, etwas gegen Kinderpornografie zu unternehmen. Das Vorhaben an sich kann nur jeder begrüßen, denn es ist furchtbar, was Kindern angetan wird und was im Internet kursiert (allerdings nicht nur hier). Der Plan, Internetseiten sperren zu lassen, die Kinderpornografie enthalten oder verteilen, scheint auf der Hand zu liegen und äußerst sinnvoll zu sein.

Zumindest aus Laiensicht ist das so – und Politiker sind nunmal technische Laien.

In Wahrheit bringt es aber eher wenig. Das Sperren von Internetadressen kann das Problem bestenfalls etwas eindämmen, aber keineswegs beseitigen. Denn zum einen werden niemals alle Server bekannt sein, die pornografisches Material enthalten. Das wird ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, das hohen Personalaufwand verursacht. Zum anderen lassen sich Sperren jeder Art locker umgehen, zumindest in einer freien Gesellschaft.

Ein Teil der Pornokonsumenten lässt sich so vielleicht von ihrem Vorhaben abbringen, ich fürchte aber, auf Dauer nur sehr wenige. Denn natürlich wird sich schnell rumsprechen, wie man über Umwege dann doch auf die Pornoseiten kommt. Über Proxy-Server im Ausland zum Beispiel. Und dann hinterlassen die Konsumenten nicht mal mehr Spuren im Inland und sind dann sogar schwieriger von den Strafverfolgungsbehörden zu verfolgen als heute.

Darüber hinaus gibt es ein weiteres Problem: Webseiten sperren zu lassen ist in einem Land wie China, das aufgrund von Internet-Zensur weltweit und dauerhaft in der Kritik steht, ziemlich einfach. Denn in China ist das Internet zentral organisiert. Es gibt keine üppige Auswahl an Providern, der Datenverkehr ist strikt kontrolliert. Das ist in einer freien Gesellschaft anders. Das muss sogar anders sein. Das bedeutet aber gleichzeitig: Es ist nahezu unmöglich, alle Provider stets auf demselben Stand zu halten.

Und selbst wenn das gelänge, gibt es ein weiteres Problem, und darauf kommen viele IT-Experten vollkommen zu Recht zu sprechen: Sind einmal die technischen Vorkehrungen für Kontrolle und Reglementierung vorhanden, entstehen schnell weitere Begehrlichkeiten. Dann wird die Musikindustrie verlangen, dass Webseiten im Ausland gesperrt werden. Dann die Filmindustrie. Dann die Regierung. Dann die Parteien. Irgendwann ein Bürgermeister, ein Promi, ein Fußballspieler. Das wird eine Erosion auslösen – und das eigentlich so freie Internet ist dann überhaupt nicht mehr frei.

Die Erfahrung lehrt, dass es so kommen wird. Man erinnere sich nur daran, dass zum Beispiel die Stationen zur Überwachung der Autobahnmaut auch schon zweckentfremdet wurden.

Ich frage mich, aber ich bin kein Jurist, wieso man nicht einfach die Konsumenten viel stärker verfolgt und ihre Straftaten streng ahndet? Wenn jeder, der solche “Angebote” nutzt, mit eher hoher Wahrscheinlichkeit auffliegt (und nicht, wie heute, fast immer ungeschoren davon kommt), wird der Konsum viel eher zurückgehen. Wer als Gesetzgeber Sperren verfügen kann, der könnte die Provider theoretisch auch verpflichten, jeden anzuzeigen, der Angebote auf der Sperrliste nutzt. Klar, das würde einen hohen Personalaufwand bedeuten – aber hätte eine viel höhere Wirkung.

2 Kommentare
  1. Peter
    Peter sagte:

    Stimme Longtime voll zu. Es ist noch nicht lange her, dass Homosexuelle strafrechtlich verfolgt wurden. Es gibt Menschen (dazu gehören auch Politiker), die selbst Filme von David Hamilton (http://de.wikipedia.org/wiki/David_Hamilton#Filmografie) als KiPo einstufen und die Darstellung von Minderjährigen in Unterwäsche anrüchig finden (Mode, Kataloge). Diese fordern immer lauter neue Gesetze zur Reglementierung.
    Pädophilie wird gleichgesetzt mit Sex. Gewalt gegen Kinder. Es ist jedoch in der Psychiatrie, der klinischen Psychologie und der Sexualwissenschaft ausschließlich die primäre erotisch-sexuelle Neigung zu Personen vor der Pubertät im Sinne der Geschlechtsreifung (lt. Wikipedia). Es gab schon immer und gibt zigtausende Menschen mit einer solchen heimlichen Neigung und sicher viele, die es nicht wissen.

    Freiheit muss für alle gelten und darf nicht grundlos eingeschränkt werden. Dagegen ist jede Handlung gegenüber eine/n Andere/n gegen dessen Willen zu verurteilen. Ähnlich ist es zu sehen bei Handlungen, die für eine Person auf längere Sicht nachteilige Auswirkungen haben könnten.

    Das Thema ist kompliziert und zu sehr tabuisiert, um normal darüber zu schreiben, zu diskutieren etc. Und das darf in einer freiheitlich orientierten Gesellschaft nicht sein. Das es anders geht zeigen u.a. die Japaner. die geradezu besessen sind vom Lolita-Kult.

    Und noch eine Frage müsste geklärt werden: Was sollen pädophil orientierte Menschen eigentlich noch schauen dürfen / können, wenn alles kriminalisiert ist?

    Ich, als seit früher Jugend liberal denkender Mensch, würde mir mehr Sachlichkeit wünschen – auch zum Schutz von Kindern.
    In anderen – schon von Longtime angesprochenen Bereichen wie Homosexualität, Rassendiskriminierung etc. hat es auch funktioniert und niemandem geschadet.

  2. Longtime-User
    Longtime-User sagte:

    Ich surfe seit 18 Jahren, auch Pornoseiten. In dieser Zeit habe ich noch keine einzige Kinderporno Seite gesehen. Nur immer Werbungslinks mit Lolitas und so weiter. Diese Seiten werden nach den Klicks bezahlt. Damit machen die Geld. Ausser normalen Bildern (in Unterwäsche ist für mich normal) habe ich noch nichts anderes gesehen. Auch nackte Kinder sind noch nicht gleich Porno. Ich bin überzeugt, daß die angeblichen Kinderpornos von staatlichen Stellen selbst bereit gestellt werden, um die totale Überwachung durch kranke Hirne zu rechtfertigen. Verfassung und Grundgesetz sollen ausgehebelt werden. Mit Hysterie ist das die einzige Möglichkeit. Andererseits kann man damit auch ganz leicht von den kriminellen Machenschaften maßgeblicher Stellen ablenken. Schwule, Neger, Ausländer und Juden darf man nicht mehr verfolgen, also mußte ein künstliches Ersatz-Feindbild her. Daran kann sich Gutmensch dann aufgeilen. Körperliche Gewalt gegen Mitmenschen regt dagegen kaum wirklich auf, das ist wirklich erschreckend.

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