Die Deutschen zünden den Datenturbo: Rund 24 Millionen Haushalte und Unternehmen surften Ende 2008 über schnelle Breitbandanschlüsse im Internet. Mit einem Anteil von über 90 Prozent dominiert die DSL-Technik den Markt. Ihre Erfolgsstory begann vor zehn Jahren.

Ab April 1999 verkaufte die Telekom erstmals DSL-Anschlüsse in Deutschland – zunächst für Unternehmen. Im Juli folgten Angebote für Privatkunden, die damals für ein Paket aus Telefon- und DSL-Zugang sowie Surftarif rund 200 Mark im Monat zahlten.

Der Breitband-Wettbewerb nahm im Jahr 2000 mit dem Einstieg von Konkurrenten wie Arcor an Fahrt auf. So führte die Eschborner Gesellschaft als erstes Unternehmen im Juni 2000 eine DSL-Flatrate ein. Das Fundament für deren Siegeszug war gelegt.

Zunächst entwickelte sich die Nachfrage bei DSL, der Digital Subscriber Line oder – übersetzt – dem digitalen Kundenanschluss, verhalten. Interessenten kämpften gegen einen Tarifdschungel. Viele Unternehmen warben mit Gratis-Angeboten – versteckten die Kosten aber im Kleingedruckten ihrer Anzeigen. Die fehlende Transparenz schreckte viele Verbraucher ab.

Ab Herbst 2004 war Schluss mit den Sternchentexten. Unter dem Motto „Operation Preis“ startete Arcor Komplettpakete aus Sprach- und DSL-Anschluss sowie Flatrates fürs Telefonieren und schnelle Surfen – alles zum festen Monatspreis. Mit diesen Paketen forcierte Arcor die Entwicklung: Ab 2005 boomte Breitband – mit jährlichen Steigerungen von mehreren Millionen DSL-Kunden.

Komplettangebote gibt es heute zu einem Monatspreis von weniger als 30 Euro. Jeder zweite Haushalte ist bereits mit Hochgeschwindigkeit im weltweiten Datennetz unterwegs. Und das Tempo nimmt kontinuierlich zu: Nach Berechnungen des Marktforschungsinstitutes Dialog Consult surften Ende 2008 über 80 Prozent der Bevölkerung mit Übertragungsgeschwindigkeiten von zwei und mehr Megabit pro Sekunde.

Ohne Breitbandnetze wäre die Geschichte des Web 2.0 mit interaktiven Anwendungen, mit Youtube und Co. sowie den sozialen Netzwerken à la wer-kennt-wen unmöglich gewesen. Und in einer globalisierten Wirtschaft ist schnelle Datenkommunikation einer der zentralen Standortfaktoren, von dem die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes immer stärker abhängt.

Das hat auch die Bundesregierung erkannt. Bis zum Jahr 2014 sollen nach ihrem Willen 75 Prozent aller Deutschen ein Surf-Tempo von mindestens 50 Megabit pro Sekunde nutzen können. Die DSL-Geschichte geht in die nächste Runde.

1 Antwort
  1. Erich Fickert
    Erich Fickert sagte:

    Ihre Zahlen, Berechnungen und die Euphorie hör ich zwar auch aus politischen Kreisen, kann es aber trotzdem nicht so ganz nachvollziehen. Für mich ist DSL eher eine Bestätigung, dass die Privatisierung von Infrastrukturaufbau und -erhaltung nicht gleichberechtigt funktioniert sondern nur für die Ballungszentren. Dies würde in Falle der Privatisierung auch die Straßen- und Schienennetzinfrastruktur treffen.
    Ich lebe auf dem Land in Oberfranken und gehöre noch zu den Glücklichen, die wenigstens mit max. 400 KBit/s Breitbandrate DSL nutzen können. Von Hochgeschwindigkeit ist dabei nicht die Rede. Aus Eigeninteresse habe ich ein Ohr dafür entwickelt und es ist immer noch die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung, die nur über Telefonanschluß das Internet nutzen können. Mit ländlich meine ich Ortschaften mit mehreren hundert Einwohnern oder weniger als 2000 Einwohner.
    Erst letzten Sonntag war ich im mittelfränkischen Raum unterwegs und habe mich wieder nach meinem Lieblingsthema erkundigt. Ein Autohaus auf dem Land kann nur über den ISDN-Anschluß das Internet nutzen, der Bruder des Besitzers wohnt in der nächst größeren (Klein)Stadt Colmberg wenige Kilometer entfernt und hat dort DSL. Fragen Sie doch einmal nach einem Kabelanschluß auf dem Land. Dort steht eigentlich nur die Sattelitentechnik zur Verfügung, die aber keine Alternative für einen Internetzugang darstellt.
    Soweit zum wirklichen Leben außerhalb der Theorie. Man sollte erst einmal die erste DSL-Runde sauber beenden, bevor man die zweite Runde einläutet, bei der es auf dem Land auch nicht besser wird. Die Investition in die Infrastuktur trägt sich nur in den Ballungszentren mit vielen Nutzern und Unternehmer müssen Gewinn machen. Allein dadurch sind die Weichen klar gestellt.

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