Blogs hin, Blogs her: Das amerikanische Time Magazine ist immer noch eine der einflussreichsten und angesehensten Publikationen der Welt. Jedes Jahr wird die „Person des Jahres“ gekürt – und alle sind gespannt, wer es aufs Cover schafft.

Aber Time kürt nicht nur Sieger und Erfolgstypen, sondern legt auch schon mal gerne den Finger in die Wunde. So hat das Magazin nun die zehn größten technischen Flops des Jahrzehnts beim Namen genannt. Youtube gehört laut Meinung der Redaktion dazu.

Da darf man staunen. Wurde Youtube nicht für 1,65 Milliarden Dollar von Google gekauft? Hat Youtube nicht die Welt des Fernsehens auf den Kopf gestellt und die Sehgewohnheiten einer ganzen Generation verändert? Besuchen nicht 100 Millionen Amerikaner pro Monat (!) die Plattform, um sich Videos anzuschauen? Werden nicht jeden Tag Millionen Videos angeschaut und unzählige neue bei Youtube hochgeladen?

Klare Antwort: Ja. Stimmt alles. Youtube ist eine Marke, ist allen Konkurrenten in Sachen Bekanntheit, Verbreitung und „Awareness“, also Wahrnehmung, voraus. Allerdings wurden trotzdem eine Menge Ziele verfehlt. Der Betrieb von Youtube kostet geschätzte 1,3 Millionen Dollar – am Tag! Die Werbeeinnahmen sind um 20 Prozent zurückgegangen. Es will eben kaum jemand im Umfeld von Katzenvideos und Privatfilmchen für seine Produkte werben.

Google fährt mit jedem Tag mehr Verlust ein. Credit Suisse taxiert den Verlust von Youtube für dieses Jahr auf 470 Millionen Dollar – und das macht die Plattform dann doch zu einem Flop. Zu einem ungeheuren Flop.

Das kann dem einzelnen User, der sich auf Youtube mit Filmchen versorgt, natürlich erst mal herzlich wurscht sein. Aber nur erst mal. Denn auf Dauer kann das auch ein Unternehmen wie Google nicht stemmen, ein Projekt, das Jahr für Jahr eine halbe Milliarde Dollar Verlust einfährt. Irgendwann wird sich Youtube rechnen müssen, oder der Dienst wird eingestellt.

So gesehen ist die Times-Liste eine kleines Vorbeben. Mal sehen, was noch kommt.

Was die anderen zehn größten Flops sind? Nun: Wenig überraschend gehört Windows Vista dazu. Aber auch der PC-Hersteller Gateway (den es nicht mehr gibt), die glücklose HD-DVD, Microsofts MP3-Player Zune (den es in Europa gar nicht gibt) sowie einige andere technische Geräte.

Ist die Liste korrekt, vollständig, gerecht? Natürlich nicht. Aber sie regt zur Diskussion an. Viele Produkte in der Liste sind längst beerdigt und Geschichte. Youtube nicht. Und das muss den Betreibern zu Denken geben.