Position 54 am heutigen Freitag im Bundesrat hat eine wahrlich Gähnreflex auslösende Überschrift.

Man muss sie schon zwei, drei Mal lesen, um überhaupt eine Ahnung zu bekommen, worum es gehen könnte. Denn in der Top-Liste steht: „Zweite Verordnung zur Änderung der Frequenzbereichs zuweisungsplanverordnung“.

Der Stammesdialekt von Beamten und Ministerialen ist nunmal ein bisschen merkwürdig.

Immerhin kann man im online bereitgestellten PDF nachlesen, was genau damit gemeint ist – und was geplant. Die Lektüre lohnt sich vor allem für Menschen, die in so genannten „ländlichen Gebieten“ leben.

Auf dem Land hat man zwar keine Parkplatzsorgen und auch die Mieten mögen niedriger sein als in der Stadt, aber eins ist richtig schwer zu bekommen: eine flotte DSL-Leitung. Rund 5500 Kommunen sind aktuellen Schätzungen zufolge in Deutschland immer noch ein weißter Fleck auf der nationalen DSL-Karte. Millionen Menschen wagen von 16 MBit/Sekunde nicht mal zu träumen.

Ländliche Gebiete für DSL zu erschließen, rechnet sich für die Kommunikationsriesen in der Regel nicht – und die Kleinen können es sich nicht leisten. Das soll sich nun ändern. Der Bund will einen großen Teil der Kosten übernehmen, die dadurch entstehen, dass die Frequenzen 790 bis 862 Megahertz freigemacht werden. Diese Frequenzen werden derzeit anderweitig genutzt, vor allem von Kultur- und Bildungseinrichtungen (etwa durch drahtlose Mikrofone), aber auch vom Militär. Kosten fallen an, weil Sende- und Empfangsanlagen ausgetauscht werden müssen, um andere Frequenzbänder zu nutzen. Diese Kosten sollen in einem angemessenen Umfang getragen werden.

Anfang kommenden Jahres könnten die dann freigewordenen Frequenzen versteigert werden. Damit ließen sich dann ländliche Gebiete kostengünstiger ans schnelle Internet anbinden als durch das Verbuddeln von Kabeln und das Aufstellen entsprechend vieler Vermittlungsstellen. Geplant ist, das bis Ende 2010 zu erreichen.

Das scheint ehrlich gesagt auch dringend nötig. Denn in einem Land, das sich Bildung, Fortschritt und Hightech auf die Fahnen schreibt, ist es ein unhaltbarer Zustand, dass im Jahr 2009 immer noch nicht jeder DSL bekommen kann, der DSL haben will.

3 Kommentare
  1. bassist
    bassist sagte:

    na super, dann kann ich mit mehr als 384 kBit/s surfen, aber unsere band muss alle drahtlosmikro- und gitarrensender neu kaufen?!? das lohnt sich doch so richtig — leider nur fuer die, die mit frequenzen und geraeten geschaefte machen. die „endverbraucher“ duerfen sich mal wieder ans bezahlen machen…

  2. Harald
    Harald sagte:

    Klasse, ich warte schon seit ewig – auf dem Land – etwas schnelleres als ISDN zu bekommen. Von daher ist diese Lösung ja ganz nett, ABER hat jemand von da oben eigentlich auch an die Betreiber eben dieser Drahtlosangagen gedacht? N-E-I-N. Ich hab‘ mehrere im Einsatz und kann sie nun für teures geld neu anschaffen.
    Na klasse und das nun dafür, dass ich vielleicht mal in den nächsten Jahren! ein bisschen schneller – und doch begrenzt (von wegen Flatrate) surfen darf.
    Ich sage, baut endlich UMTS aus. Hat genug gekostet, und ist auch net teurer als diese neuen Funk-Lösungen, aber ich darf dann wenigstens meine teuren Anlagen auch weiterhin betreiben.

  3. Stefan
    Stefan sagte:

    Wieso redet man bei funklösungen eigentlich von DSL!
    Funk und dsl sind sowas von überhaupt nicht miteinander vergleichbar.
    DSL ist breitband internet ohne Einschränkungen,funk dagegen hat massive Einschränkungen,zum einen wird nach einem gewissen volumen die Bandbreite massiv gedrosselt,sodass man höchstens noch ne notleitung hat,aber ganz sicher keine breitbandflatrate.

    Zum zweiten ist das internet nicht benutzbar da dienste wie skype auch dort sicher blockiert werden.
    Womit das was das internet ausmacht wegfällt.

    Für 10 leute mag das über ne kurze Distanz funktionieren,aber ob sich das dann noch für den betreiber lohnt?
    Ich hab da meine zweifel.

    Für mich klingt das eher nach ner verbesserten variante von mobilfunk,und nicht nach etwas das man mit dsl vergleichen kann.

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