Google drückt derzeit mächtig auf die Tube: Der Suchdienst wird ständig erweitert, der hauseigene Browser Chrome im Blitztempo aufgepeppt und viele der zahlreichen Google-Dienste (Mail, Picasa, Docs, Calendar, Wave und viele andere) ständig um neue Funktionen ergänzt. Man könnte den Eindruck bekommen, Googles Entwickler schliefen niemals.

Und nun das: Wie der in der Regel gut unterrichtete Onlinedienst techcrunch mitteilt, soll in der kommenden Woche für die meisten völlig überraschend Googles Betriebssystem Chrome OS fertig werden – und auf den Markt kommen.

Damit hatte wirklich kaum jemand gerechnet. Aber offensichtlich hat es Google wohl geschafft, sein Betriebssystem klammheimlich fertigzustellen – jedenfalls ohne großes Mediengetöse.

Chrome OS basiert auf den gleichnamigen Browser und ist sehr spärlich ausgestattet, dafür aber kostenlos zu haben (wie Linux). Anders als andere Betriebssysteme setzt Chrome OS voll und ganz aufs Internet. Wer Google kennt, den wundert das nicht: Auf Anwendungen jeder Art auf dem Computer selbst wird konsequent verzichtet, schließlich lässt sich heute alles direkt im Web erledigen, egal ob man Mails austauschen, Fotos bearbeiten, Texte schreiben, Zahlenkolonnen verarbeiten, Termine verwalten oder Blogs schreiben will.

Denn für alles hat Google entsprechende Onlinedienste im Angebot: Google Documents statt Microsoft Word oder Excel, Picasa statt iPhoto, Gmail statt Outlook und Google Calendar statt iCal. So will Google die Benutzer noch enger an seine Onlinedienste binden.

Google wird mit seinem Betriebssystem sicher nicht gleich Windows und Mac OS X verdrängen – aber durchaus bedrängen. Als erstes werden wohl kostengünstige Netbooks, die es schon ab 300 Euro zu kaufen gibt und derzeit sehr beliebt sind, mit Google Chrome OS ausgestattet werden. Das spart Kosten und Ressourcen.

Allerdings mangelt es derzeit offensichtlich noch an Gerätetreibern. Bedeutet: Viele Geräte oder Hardwarebausteine (Drucker, Laufwerke, Mäuse, Bildschirme…) werden von Chrome OS noch nicht unterstützt. Auf den meisten PCs wird Chrome OS daher noch gar nicht laufen.

Die Hersteller müssen erst entsprechende Software schreiben, damit Google Chrome OS damit klar kommt. Allein schon deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass Chrome OS gleich aus dem Stand die Betriebssystemwelt ins Wanken bringt. Doch viele Hardwarehersteller haben hinter vorgehaltener Hand ihre Unterstützung zugesagt: Sie wollen Gerätetreiber entwickeln.

Ein kleines Beben wird es aber schon geben, sollte Chrome OS tatsächlich diese Woche zum Download bereit stehen. Zusätzliche Konkurrenz für Windows, Mac OS X und Linux – das kann nur gut sein. Vielfalt ist immer gut. Auswahl sowieso.