2010 ist das Jahr des Touchscreens. Es wird mehr Handys mit Touchscreen geben, aber auch Bildschirme auf Schreibtischen, die sich per Touchscreen bedienen lassen. Außerdem kommt eine neue Gerätegattung auf den Markt, der Tablet-PC. Apple plant ein Gerät ohne Tastatur, eine Art riesiges iPhone. Im Internet kursieren erste Studien. Auch Microsoft tüftelt an einem Tablet-PC, den “Courier”. Eine Art elektronisches Notizbuch, das man vor sich auf den Tisch legt, per Fingertipp bedient oder mit dem Griffel auf der Oberfläche schreibt, ebenfalls ohne Tastatur. Andere Hersteller arbeiten an vergleichbaren Geräten.

Smartphones werden immer schlauer, können immer mehr. Noch im Januar soll wohl das erste Google-Handy auf den Markt kommen, das “Nexus One”. Nicht einfach ein Handy mit Google-Betriebssystem, davon gibt es bereits einige, sondern ein Handy von Google. Auch von Apple wird in diesem Jahr ein neues iPhone erwartet, das noch mehr kann als das bisherige Modell.

Führende Handyhersteller und Mobilfunk-Provider setzen zunehmend auf soziale Netzwerke, sie bauen immer mehr Funktionen aus Facebook und Co. direkt in die Handys ein, damit Handybenutzer auch unterwegs auf ihr Profil zugreifen und sich mit Freunden austauschen können.

Trend: Weniger tippen – mehr Fotos machen

Computerbenutzer werden künftig weniger tippen, dafür mehr mit Bildern arbeiten. Google hat vor einigen Tagen einen neuen Dienst vorgestellt, einen Bildersuchdienst namens Google goggles. Der funktioniert derzeit zwar nur mit Handys, die mit dem Google-Betriebssystem Android arbeiten, aber künftig sollen auch alle anderen Google goggles nutzen können.

Das Prinzip: Der User sendet Bilder an Google – und bekommt Informationen zurück über das, was im Foto zu sehen ost, über das Buch, die Band, die CD, das Gebäude. Der Service steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wird aber zweifellos in nächster Zeit ausgebaut. Bildanalyse ist sehr aufwändig und braucht leistungsfähige Rechner, aber so allmählich sind wir so weit, dass Computer das beherrschen und schnell genug Ergebnisse liefern können.

Gesichtserkennung und Augmented Reality

Auch Gesichserkennung verlässt langsam, aber allmählich den Laborstatus. In Programmen wie Google Picasa kann man bereits seine eigenen Fotoalben durchsuchen lassen – und identische Gesichter aufspüren, etwa alle Fotos, auf denen eine bestimmte Person zu sehen ist. Das wird ausgebaut. Denkbar sind Gesichtersuchen in sozialen Netzwerken und sogar Suchmaschinen, mit den entsprechenden Folgen, was Daten- und vor allem Persönlichkeitsschutz anbelangt. Da dürfen wir uns auf interessante Diskussionen einstellen.

Ein weiterer interesssanter Trend ist Augmented Reality. Mit modernen, leistungsfähigen Handys lassen sich virtuelle und echte Realität “verschmelzen”. Man nimmt mit dem Handy den Platz auf, auf dem man steht (etwa bei einer Reise), und das Handy zeigt einem, wo die nächste U-Bahn-Station ist, im Live-Bild des Handys! Oder man bekommt Informationen über das Gebäude, das man sich gerade durch die Handykamera anschaut… Schon sind erste Spiele in der Vorbereitung, die echte und virtuelle Wirklichkeit geschickt miteinander verknüpfen.

Soziale Netzwerke im Aufwind – Datenschutz im Windschatten?

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken wird in diesem Jahr weiter zunehmen, die Menschen strömen derzeit in Scharen in die sozialen Netzwerke. Damit verbunden sind bekannte Probleme wie mangelnde Datensicherheit und unzureichend geschützte Persönlichkeitsrechte.

Auch Cloud Computing, ein weiterer Trend, der sich in 2010 zweifellos fortzsetzen wird, ist vielen Datenschützern ein Dorn im Auge. Bei Cloud Computing landen Daten und Programme nicht auf der eigenen Festplatte, sondern irgendwo im Netz. Vorteil: Man kann von überall und jederzeit darauf zugreifen, mit jedem Gerät. Nachteil: Oft nicht ausreichender Datenschutz, viele haben mulmiges Gefühl, weil man nicht wissen kann, wo die Daten konkret gespeichert werden – und ob und wie sicher die Daten dort sind.

Der elektronische Personalausweis kommt

Aber auch, wer sich nicht ganz freiwillig mit PCs, Software und Internet beschäftigt oder sogar ganz bewusst davon Abstand hält, kommt an Dingen wie den E-Personalausweis nicht vorbei. Nach den Reisepässen sollen ab 2010 auch die Personalausweise mit biometrischen Kennzeichen versehen werden, ein Ausweis im Scheckkartenformat und integriertem RFID-Chip, der das Dokument aus der Distanz lesbar macht. Das erfreut keineswegs alle, denn biometrische Daten in Ausweisen könnten auch von Dritten ausgelesen und missbraucht werden.

Vorteil der neuen Ausweise: Man kann sie auch dazu verwenden, um sich im Netz auszuweisen. Für die einen ist der neue Ausweis ein Fortschritt, der unter anderem verbesserte Internetsicherheit beim Handel verspricht und die Fahndung vereinfacht, für die anderen ist der neue Ausweis ein regelrechter Albtraum in einer zunehmend vernetzten Gesellschaft, sie befürchten den gläsernen Bürger. Fest steht: Ab Spätherbst 2010 ist der neue Ausweis für alle verbindlich.