Wer als Partei oder Politiker junge Leute ansprechen will, muss heute im Web präsent sein. Bei der Bundestagswahl haben sich die Parteien noch angestrengt, bei der NRW-Wahl spielt das Web keine allzu große Rolle. Die Vorsitzenden aller großen NRW-Parteien sind zwar mit eigenen Webseiten und auch in den sozialen Netzwerken vertreten, werden dort allerdings kaum wahrgenommen.

Ministerpräsident Rüttgers (CDU) hat rund 3’800 Freunde auf seiner Facebook-Seite, Herausforderin Kraft (SPD) bringt es auf bescheidene 3’000 Anhänger. Die Facebook-Seiten sind auch eher unspektakulär. Andere, wie die prominente Politikerin der Linken Sarah Wagenknecht, sind gar nicht bei Facebook vertreten. Auch Twitter und Co spielen im NRW-Wahlkampf bislang keine allzu große Rolle. Entsprechend gering ist das Interesse: Rüttgers hat 213 Follower auf Twitter.

Auf Youtube hingegen ist einiges los. Hier kann man etliche Videos finden, allerdings nicht von den Parteien online gestellt, sondern von den Usern. Einige nehmen Ausrutscher oder Entgleisungen des Ministerpräsidenten aufs Korn, etwa die schon berühmte Herabwürdigung der Arbeitsleistung der Rumänen.

Da viele gar nicht wissen, wer überhaupt zur Wahl steht – und wofür der jeweilige Kandidat im eigenen Wahlbezirk steht: Hier lohnt ein Besuch auf abgeordnetenwatch.de. Das nützliche Portal hat bislang Bundesparteien und Bundestag beobachtet, hat sich jetzt aber auch für den Landtag NRW geöffnet. Das Portal schaut den Politikern aus dem Land sozusagen auf die Finger, hier werden Auftritte und Entscheidungen kommentiert. Die Benutzer können die Politiker aber auch direkt kontaktieren und sehen, ob und wie sie antworten. Manche Politiker antworten schnell und effizient (oder lassen antworten), andere gar nicht. Rückschlüsse muss jeder selbst ziehen.

Das Prinzip von abgeordnetenwatch.de ist einfach: Die Wähler fragen, die Kandidaten antworten. Über die Eingabe der Postleitzahl gelangen Nutzer direkt zur Übersicht der Kandidaten in den 128 Landtagswahlkreisen. Dann die Profilseite des Bewerbers anklicken und Fragen zur Situation der Schulen und Kommunen, zur Finanzlage des Landes oder zur Arbeitsmarktsituation stellen. Alle Fragen und Antworten werden im Netz gespeichert und bleiben dort dauerhaft zugänglich. So lassen sich Wahlversprechen auch nach der Wahl noch kontrollieren und einfordern. Fragen zum Privatleben der Kandidaten sind allerdings tabu.

Wer nicht so richtig einordnen kann, wofür die einzelnen Parteien eintreten, kann auch den Wahl-O-Mat nutzen, hinter dem die Bundeszentrale für Politische Bildung steckt, also wirklich seriöse Fachkompetenz in Sachen politischer Meinungsbildung. 25 Parteien haben auf den Fragenkatalog geantwortet, die Parteiprogramme dieser Parteien sind in den Wahl-O-Mat eingeflossen.

Hat man als Besucher alle 38 Fragen beantwortet, wird die Partei ausgewiesen, für die die meisten Übereinstimmungen ermittelt wurden. Aufschlussreich: Man kann in jeder einzelnen Entscheidung sehen, ob und wie man mit den verschiedenen Parteiansichten übereinstimmt.

Ebenfalls praktisch: Das TV-Duell aus dem WDR Fernsehen gibt es noch als WebTV in der Mediathek von wdr.de, als komplette Sendung. Dasselbe gilt für die Wahlarena, in der zwei Tage später alle wichtigen Parteivertreter zusammengetroffen sind und sich nicht nur den Fragen der Moderatoren, sondern auch den Fragen der Zuschauer gestellt haben. Die Redaktion hat dort im so genannten „Faktencheck“ alles noch mal überprüft: Stimmt das, was in den Sendungen behauptet wurde, oder gibt es andere Positionen? Dazu wurden Experten aus den Bereichen Recht, Finanzen oder Bildung befragt. Es ist teilweise sehr spannend, vertiefende Informationen zu erhalten, vor allem zu den komplexen Bildungsfragen.

Natürlich gibt es am Wahlabend auf den Webseiten der ARD, auf tagesschau.de und beim WDR jede Menge aktuelle Infos, Wahlergebnisse und Diskussionen zum Wahlergebnis. Ein großes Aufgebot an Journalisten ist vor Ort, um umfassend zu berichten und schnell und zuverlässig Hochrechnungen und Ergebnisse präsentieren zu können.

Wahl-O-Mat
Abgeordnetenwatch NRW
Wahlarena in der Mediathek
Das TV-Duell Rüttgers/Kraft
Schwerpunkt Landtagswahl NRW auf wdr.de