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Wolfgang Grupp hält Twitterer für Idioten

06.05.2010 | Von Jörg Schieb

Tipps

Es gibt den schönen Ausdruck „Internetausdrucker“. Ich mag den Begriff, denn er ist witzig – und beschreibt wunderbar eine ganz bestimmte Spezie von Menschen, die mit dem Internet wirklich so rein gar nichts anfangen können und sich Webseiten ausdrucken, um sie zu lesen. E-Mails sowieso. Es soll noch den ein oder anderen Chefredakteur gegeben haben, der tatsächlich so verfahren ist.

Wolfgang Grupp ist ohne jeden Zweifel ein Internetausdrucker. Nein, Wolfgang Grupp ist nicht etwa mein Nachbar, sondern der Chef des deutschen Bekleidungshersteller Trigema. Man kennt den Mann, immer ordentlich gekleidet mit Schlips, Anzug und Einstecktuch, einer, der gerne in Talkshows zu Gast ist und für den deutschen Mittelstand redet – und sich für deutsche Arbeitsplätze einsetzt. Das ist löblich und bringt – bei aller ansonstigen Steifheit – natürlich Pluspunkte. Dass Grupp nicht unbedingt ein moderner Mensch ist, konnte man sich denken.

Aber jetzt hat er nicht nur belegt, dass er nicht modern ist, sondern auch, dass er kein glückliches Händchen für Fomulierungen hat. Denn Grupp hat über alle hergezogen, die das Internet nutzen oder gar Twitter. Grupp wörtlich in einem Interview: „Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten. Haben die Menschen eigentlich nichts Besseres zu tun, als über belanglosen Kram zu schreiben? Wen interessiert das?“

Qualitativ ähnlich hochwertig hat sich auch der längst vergessene TV-Star Johannes B. Kerner schon mal über Twitter geäußert. E-Mails lasse sich Grupp von seiner Sekretärin ausdrucken, erzählt er weiter. Das glaube ich gerne. Deshalb kann ich, ganz Idiot, hier eigentlich über ihn schreiben, was ich will. Lesen wird er es wohl kaum, es sei denn, seine Sekretärin druckt es ihm aus…

Die Logik des Herrn Grupp ist bestechend simpel, und man hört und liest sie immer wieder. Der Werteverfall, ja, ja. Früher habe man noch Bücher gelesen und sich gebildet – ja gibt es denn keine Bücher mehr? Klar, denn heute hängen die Menschen, das weiß Grupp genau, stundenlang vor dem PC und „verblöden“. Ohne Internet wäre die Welt laut Grupp eine bessere. Klar, dass das Internet meint, es wäre genau umgekehrt: Die Welt wäre ohne Grupp eine bessere. Aber so weit muss man nun wirklich nicht gehen.




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7 Kommentare to “Wolfgang Grupp hält Twitterer für Idioten”

  1. Jörg Schieb meint:

    @harald: alles richtig. 🙂

  2. Harald Lehmal meint:

    Mal abgesehen davon, dass es wahrscheinlich kaum einen interessiert, ob Sie irgendwann einmal Herrn Kerner mochten oder auch nicht, sollten Sie vielleicht mal Ihren eigenen post „Facebook trifft Realität (Video)“, zu sehen unter http://www.schieb.de/709322, nicht einfach nur als witzigen Film ansehen, sondern mal ernsthaft darüber nachdenken. Wer nämlich ausser plattem Comedy-Lachen auch noch den Inhalt versteht, dem sind Wertungen, wie die der Herren Grupp und Kerner, wahrscheinlich gar nicht so unverständlich. Und in Bezug auf Ihr Unverständnis für das Ausdrucken irgendwelcher digitalen Inhalte, sei hier nur darauf hingewiesen, dass das papierlose Büro selbst heute noch bei vielen Fachleuten auf berechtigte Skepsis stösst. Ausserdem, und darauf hat ja auch Salida hingewiesen, gibt es tatsächlich noch Menschen, die nicht den ganzen Tag lang surfen. Einige müssen sich ja um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern.

  3. Jörg Schieb meint:

    @salida: Neid? Nein, wieso denn? 🙂 Mal abgesehen davon, dass ich relativ viel Fernsehen mache (WDR, ARD, Phoenix, ZDF…), ist es für mich unerheblich, ob jemand öfter oder seltener zu sehen ist. Kerner hat seine besten Zeiten hinter sich, das ist glaube ich unbestreitbar. Beim ZDF mochte ich ihn schon nicht, da war er aber noch erfolgreich. Bei SAT1 ist das definitiv und nachweisbar nicht mehr so. Ist er erfolgreicher als ich (im Fernsehen)? Natürlich, aber das bedeutet wohl kaum, dass man den Abstieg nicht kommentieren dürfte. 🙂

  4. salida meint:

    Hello, woher nimmt J. Schieb seine Weisheit, dass Johannes B. Kerner ein längst vergessener TV-Star sei? Kerner und auch Grupp habe ich öfter im Fernsehen bei Talkshows gesehen, Kerner als Gastgeber, Grupp als Teilnehmer, J. Schieb noch nie, ist das etwa Neid wg. fehlenden TV-Präsenz? Dass etliche Menschen ohne Internet und Twitter auskommen ist für mich o.k., dass im Internet Meinungen ausgedrückt werden können die der Betroffene evtl. niemals erfährt ist für mich eher bedauerlich als ein Segen und dass ein Unternehmer wie Grupp E-Mails von seiner Sekretärin ausdrucken lässt ist meiner Ansicht nach normal, soll er etwa einen Laptop mit sich herumschleppen wie die Freaks die im Park auf der Bank sitzen und im Internet surfen? Die Kritik von J. Schieb finde ich schwach, als ob sich für einen Kommentar oder eine Äußerung keine besseren Themen anbieten.

  5. Gilhorn meint:

    Internet ist bestimmt eine gute Erungenschaft, der Informationsgehalt des Netzes ist ja schier unerschöpflich. Allerdings ist mir bis heute, wie Herrn Grupp, der Sinn und Zweck von Twitter verschlossen geblieben.

  6. Frank meint:

    Dass beim Twittern der größte Teil nur belangloses Bla Bla ist, wird wohl kaum einer bestreiten. Deswegen sind nicht gleich alle die Twittern Idioten und umgekehrt auch nicht.

    Dass wir unter einer immer größeren Reitzüberflutung leiden und es immer schwerer wird nützliche Informationen von Müll zu unterscheiden, haben leider auch die meisten Iternetnutzer bereits selbst erfahren müssen.

    Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Menschen nach anderen Werten suchen. Ich hoffe, dass dabei nicht nur „Früher war alles besser“ rauskommt.

  7. Hollywooth meint:

    Vermutlich ein Mann, von dem man sagen kann, Gott weiß Alles, Grupp jedoch Alles besser…………Halt ein Übermensch!