Was sagt es über die größte Messe für Unterhaltungselektronik in Deutschland aus, wenn die Abschlussrede eines amerikanischen IT-Managers zu einem der größten Ereignisse wird? Zumindes, dass Google-Chef Eric Schmidt die IFA ernst genug nimmt, um sich dort hin zu bemühen und seine Visionen kundzutun. Immerhin.

Eric Schmidt: Er hat eine ganze Menge in Berlin gesagt. Vor allem hat er eine persönlichere Suche angekündigt. Das kommt wenig überraschend, denn angesichts explodierender Inhalte im Web und im Internet muss die Suche besser werden, soll man noch relevante Treffer bekommen. Doch besser bedeutet auch anders. Und anders bedeutet: Google muss seine User besser kennenlernen. Google will wissen, wofür wir uns interessieren, wo wir wohnen, was wir arbeiten, was wir lesen, was sie im Fernsehen anschauen, welche Schauspieler wir mögen, welche Partei wir wählen – nein, der letzte Punkt war nicht ernst gemeint. Oder doch?

Fest steht: Je mehr eine Suchmaschine wie Google vom Benutzer weiß, umso bessere Treffer lassen sich präsentieren. Das ist ohne Zweifel richtig. Jemand, der einen Apple Mac benutzt und Tiger oder Leopard eingibt, hat wahrscheinlich andere Suchtreffer im Auge als ein Großwildjäger.

Doch um seine Benutzer besser zu kennen, muss und will Google alles Mögliche auswerten: Wonach früher gesucht wurde, worum es in den E-Mails geht, die man austauscht, oder in den Dokumenten, die man bei Google Docs und Tabellen speichert. Selbst welche Webseiten mit Chrom ansteuert, kann eine Rolle spielen. Aus Sicht von Google wirklich verständlich, denn wenn es um bessere Suchergebnisse geht, sind solche Daten wirklich hilfreich.

Allerdings muss allen klar sein, die sich auf bessere Suchergebnisse freuen, dass Google dann noch mehr Daten über den einzelnen anhäuft als bislang. Das wird gerade hier in Deutschland für Diskussionen sorgen – und auch Protest. Natürlich wird Google diverse Optionen anbieten, damit jeder User frei entscheiden kann, ob er das möchte, dass Google Profile anlegt. Die Frage ist, wie verständlich und transparent diese Einstellmöglichkeiten sind.

Ich bin angesichts solcher Funktionen immer hin und her gerissen, das muss ich ehrlich zugeben. Denn natürlich ist es klasse, wenn Google einen kennt und optimale Suchergebnisse präsentiert. Auf der anderen Seite entsteht schon ein mulmliges Gefühl, wenn auf einem Server das halbe Leben in analysierter Form gespeichert ist, wenn jede Suchanfrage der letzten Jahre nachgeguckt oder die Themen der Google-Mail-E-Mails nachgeschlagen werden kann.

Eric Schmidt machte den Eindruck, als könne er diese Diskussion mühelos aushalten. Muss er auch, wenn er seine Ziele ernsthaft verfolgen will – eben, in Zukunft bessere, präzsir passende Suchtreffer präsentieren zu wollen.

1 Antwort
  1. Jürgen
    Jürgen sagte:

    Ich benutze aus Datenschutz-Überzeugung Google nicht mehr. Meine Alternativen: ixquick, scroogle, seltener auch bing. Ich vermeide auch andere Google-Dienste, z.B. Mail. Mit dem „Qualitätsverlust“ lebe ich nicht schlechter.

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