Der klassische Stadtplan ist heute eigentlich mehr oder weniger überflüssig: Schließlich gibt es praktische Karten im Internet. Die meisten verwenden Google Maps, Google Earth und Google Streetview, um sich in einem fremden Ort zu orientieren. Dabei gibt es durchaus Alternativen.

Microsofts Kartendienst Bing Maps bietet ebenfalls hervorragendes Kartenmaterial an. Im Unterschied zu Google Maps gibt es bei Microsoft vereinzelt auch Luftbildaufnahmen von größeren Städten. Hier lassen sich mühelos Häuserblöcke, Plätze, Einkaufsstraßen oder wichtige öffentliche Gebäude erkennen. Ideal, um sich eine Umgebung anzuschauen.

Microsoft macht Google Konkurrenz

Microsoft will außerdem Google Streetview Konkurrenz machen. Mit Bing Maps Streetside, ein Dienst, der ganz ähnliche Ansichten wie Streetview bieten soll. Panoramaansichten von Straßen und Plätzen, man kann sich virtuell umschauen, virtuell durch die Straßen flanieren. Diese Woche hat Microsoft damit begonnen, Aufnahmen von deutschen Städten zu machen, ab Spätsommer sollen die Aufnahmen online sein. Wer nicht möchte, dass sein Haus, seine Wohnung online zu sehen ist, kann sich online melden und das Haus wird dann laut Microsoft innerhalb von 48 Stunden verpixelt.

Microsoft erweitert seine Panoramaansichten mit Fotos, die auf flickr gespeichert sind und zum jeweiligen Straßenzug passen. Wenn nur genügend Fotos von einem Ort oder einem Gebäude verfügbar sind, entstehen automatisch interessante 3D-Ansichten. Man kann regelrecht um ein Gebäude herum gehen, es von allen Seiten betrachten. Eine Technologie, die sich Photosynth nennt und nur Microsoft bietet.

Bei OpenStreetmap können alle mitmachen

Die Onlinekarten von Google und Microsoft sind kommerzielle Angebote – es gibt aber noch eine Alternative: OpenStreetMap. Ein nicht-kommerzieller Kartendienst, den es bereits seit 2004 gibt. Die Idee des Projekts ist, eine freie Weltkarte zu schaffen, die jeder ohne Einschränkungen kostenlos nutzen darf. Das ist bei den Karten von Google und Microsoft anders, die darf man zwar auch kostenlos auf der eigenen Webseite einbinden, streng genommen darf man aber zum Beispiel keinen Ausdruck machen, zumindest darf man die Karten nicht selbst weiter wirtschaftlich verwerten. Das ist bei OpenStreetMap anders: Dieses Kartenmaterial kann jeder beliebig verwenden.

OpenStreetMap sammelt weltweit Daten über Straßen, Eisenbahnen, Flüsse, Wälder, Häuser und alles andere, was gemeinhin auf Karten zu sehen ist. Weil OpenStreetMap die Daten selbst erhebt und nicht aus existierenden Karten übernimmt, hält der Verein die Rechte daran. Die OpenStreetMap-Daten darf jeder lizenzkostenfrei einsetzen und beliebig weiterverarbeiten.

OpenStreetMap stellt nicht nur die Karten zur Verfügung

Es gibt einen weiteren Unterschied: Google und Microsoft stellen zwar online Karten zur Verfügung, nicht jedoch die zugrundeliegenden Geodaten. Man kann die Karten also nur so nutzen, wie sie angeboten werden. Will man die Karten in einem anderen Stil anzeigen oder in eigener Software verwenden, so kommt man nicht weiter. OpenStreetMap bietet auch die “rohen” Geodaten an, damit jeder sie so nutzen kann, wie er möchte.

OpenStreetMap beendet die Abhängigkeit von den Anbietern der Geodaten und setzt dem reinen Konsumieren kreative Aktivität entgegen. Durch die Zusammenarbeit der Projektmitglieder entsteht eine freie Geodatenbank, die weltweit allen Menschen zur Verfügung steht.
Die meisten Mitglieder der Community beteiligen sich durch so genanntes Mapping daran, das Kartenmaterial von OpenStreetMap zu erweitern oder zu verbessern. Mapping bedeutet, mit einem GPS-Gerät Kartendaten zu sammeln und bei OpenStreetMap einzugeben. Das machen viele sehr gerne, sie laufen oder fahren Straßen ab und zeichnen mit einem GPS-Gerät die Daten auf und übertragen sie später. Auch eine Fahrradtour kann man aufzeichnen und bei OSM hochladen.

Jeder kann mit seinem GPS-Gerät Daten sammeln

Jeder kann mitmachen, auch Postboten, die jede Straße kennen, jede Hausnummer – und so wertvollen Input liefern können, etwa wenn sich etwas in einer Straße ändert. Auf diese Weise wird das Kartenmaterial immer aktuell gehalten. Wer einen Fehler findet, kann ihn in OSM auch korrigieren. Wer programmieren kann, der kann bei OpenStreetMap auch mitmachen. Es gibt jede Menge zu tun – an der zentralen Datenbank, an den Editoren, an der Software, die die Karten zeichet, und an allen möglichen Hilfsprogrammen.

OpenStreetMap ist von der Präsentation her nicht ganz so edel wie Google Maps oder Bing Maps. Das Kartenmaterial selbst kann sich aber durchaus sehen lassen, ist teilweise sogar aktueller als das von Google oder Bing. Allerdings nicht überall: Während Städte sehr gut in OSM abgebildet sind, gilt das für ländliche Gebiete nicht immer… Auch ist nicht jedes Haus bei OSM zu finden…