Man sieht sie überall: Menschen, die ihre Smartphones zücken und Fotoaufnahmen machen. Menschen, Plätze, Häuser, Inneneinrichtungen, das gerade servierte Essen – heute wird alles fotografiert. Es könnte künftig noch mehr werden, denn jetzt kann man mit seinen Schappschüssen sogar Geld verdienen. Dann nämlich, wenn man Fotos macht, die jemand anders gerade haben will, und diese Fotos zur Verfügung stellt.

Die Idee ist eigentlich ziemlich genial. Angenommen, jemand will wissen, ob die Lobby in einem Hotel wirklich so schick ist, wie die Webseite verspricht. Oder man will wissen, ob das Restaurant, das man sich gerade ausgesucht hat, wirklich so gemütlich eingerichtet ist wie die Freunde erzählen. Oder ob man wirklich 20 Leute in den Konferenzraum bekommt… Dann kann man jetzt jemanden beauftragen, mal ein paar Fotos von genau diesem Ort zu machen, genau jetzt, in diesem Augenblick.

Möglichst aktuelle Bilder von Plätzen in aller Welt

Crowdmug heißt das Projekt, das jetzt in den USA gestartet ist. Die Macher haben konkrete Vorstellungen, was der Dienst bringen soll: Wer ausgehen will und zum Beispiel wissen möchte, ob bereits was los ist vor Ort, kann sich ein aktuelles Foto von der Bar oder der Loungeecke schicken lassen. Gibt es im Lieblingsrestaurant noch Plätze? Kein Problem: Einfach eine Anfrage an Crowdmug schicken und sich die Ergebnisse anschauen. Das können übrigens nicht nur Fotos sein, sondern auch Videos.

httpv://www.youtube.com/watch?v=1EyckZiHv5g

Smartphone-Besitzer werden gewissermaßen zu Paparazzi, zu Auftragsfotografen, die Fotos machen und online stellen, die andere haben wollen. Crowdmug ist eine schlau ausgedachte Börse zum Austausch von Fotos und Videos mit Geolokalisierung, Bilder mit Ortsangaben. Wer ein Foto Auftraggeber können einen Fotowunsch ausschreiben. Alle Crowdmug-User in der Nähe des gewünschten Ortes können sich dann anschließend ein Taschengeld verdienen, wenn sie die gewünschten Bilder und/oder Videos aufnehmen.
So funktioniert Crowdmug

Crowdmug kann derzeit nur in den USA genutzt werden, soll aber auch bald nach Europa kommen. Basis ist die kostenlos erhältliche Crowdmug-App. Wer ein Foto oder ein Video von einem Ort haben will, der stellt seine Anfrage über die App online, gibt genau an, was er sehen will: Die Außenfassade vom Hotel zum Beispiel, die Ecke in der Lobby, den Tresen von der Bar, die Toilette im Restaurant vielleicht, sitzt gerade jemand an der langen Fensterseite im Diner? Je konkreter die Angabe, umso besser. Ist ein Foto oder ein Video erwünscht?

Danach geht der Auftrag an die öffentliche Pinnwand. Jeder, der ein Smartphone in der Tasche hat und bei Crowdmug angemeldet ist, bekommt den Auftrag zu sehen. Durch die Ortungsfunktion weiß die App ziemlich genau, welche aktuellen Aufträge in Frage kommen, Fotoaufträge für die nähere Umgebung. Diese Aufträge werden angezeigt, und dann kann man sich entscheiden, ob man mitmachen möchte oder nicht.

Wenn man mitmachen möchte, zückt man sein Smartphone, macht die gewünschten Fotos oder Videos und lädt sie hoch. Der Auftraggeber kann die Bilder oder Filme dann wenig später bestaunen, im Idealfall schon wenige Sekunden oder Minuten später, und auf diese Weise fast live sehen, wie es gerade vor Ort aussieht. Das ist auch der eigentliche Gedanke dahinter: Möglichst zeitnah möglichst aktuelle Bilder von einem Ort, von einer Situation zu bekommen.

Wieso setzt Crowdmug auf Bezahlung?

Die Crowdmug-Erfinder sind der Ansicht, Geld sei immer noch die beste Motivationshilfe für die Massen. Der Markt reguliert den Preis. An öffentlichen, belebten Plätzen, wo viele Menschen unterwegs sind, wird der Preis für ein Foto recht niedrig ausfallen, weil ja viele den Auftrag annehmen können und sowieso schon da sind. An entlegenen Plätzen sieht das anders aus – aber dann hätte der Auftraggeber auch geringere Chancen, ein Foto zu bekommen, eben weil niemand vor Ort ist. Durch Bezahlung kann man ggf. jemanden motivieren, einen kleinen Umweg zu machen, für das Crowdmug-Foto oder Video.

Ein übliches Problem von Crowd-Anwendungen ist: Sie funktionieren nur dann gut, wenn möglichst viele Menschen mitmachen, denn nur, wenn auf der einen Seite viele Leute Fotos haben wollen und auf der anderen Seite viele Leute Fotos machen, lohnt es sich, den Marktplatz zu nutzen. Anderenfalls sind beide enttäuscht: Die Leute, die Fotoaufträge einstellen und nie ein Ergebnis sehen und alle, die gerne Fotos machen wollen, aber keine Aufträge bekommen. Durch die Bezahloption soll der Anreiz erhöht werden, mitzumachen. Doch niemand ist gezwungen, Geld zu bezahlen für Fotos.

1 Antwort
  1. Dan sagte:

    Tolle Sache, habe davon noch nichts gehört, danke für den Hinweis!

    Da werde ich gleich mal recherchieren, wie das in Euroland gehen könnte.

    Allerdings habe ich einige rechtliche Bedenken wegen Property Release und Model Release.

    Auf jeden Fall interessant! GO LOCAL, GO MOBILE!

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