Die Art und Weise, wie wir Musik hören, verändert sich gerade mal wieder. Anstatt einzelne Musikstücke oder Alben zu kaufen, ob auf CD oder als Download, setzen immer mehr Musikfans auf Musik-Streaming. Hier zahlt man einen fixen Betrag von fünf bis zehn Euro im Monat und kann dafür auf eine gigantische Musikbibliothek zurückgreifen: Über 16 Millionen Songs, aktuelle wie bekannte, aus allen nur denkbaren Musik-Genre und von allen namhaften Labels stehen zur Auswahl – und alle können beliebig oft angehört werden, ohne irgend eine Einschränkung.

Gigantische Auswahl und keine Downloads

Das Prinzip des Musik-Streamings: Der Kunde bezahlt für das Recht, Musik zu hören, nicht für die Musik selbst. Man lädt also in der Regel keine Musik herunter und speichert sie auch nicht als MP3 auf der Festplatte oder im Player, sondern hört die Musik direkt – eben als Stream. So lange man Kunde oder Benutzer eines Streamingdienstes ist, steht das gesamte Repertoire des Anbieters zur Verfügung – endet das Abo oder die Mitgliedschaft, ist auch die Musik futsch.

Da die Preise mit 5 bis 10 Euro pro Monat recht überschaubar sind und vielen auch fair erscheinen, entscheiden sich immer mehr Menschen für das Streamingmodell. Komfortabler und einfacher kann man wirklich nicht an so viel Musik kommen, legal, in digitaler Qualität (meist 256 Kbit/Sekunde). Weil immer mehr Labels und Künstler mitmachen, wächst das Angebot an Musiktiteln kontinuierlich.

Auch unterwegs auf Tablets oder Smartphones Musik hören

Kaum jemand möchte Musik nur am PC hören. Deshalb unterstützen die Anbieter von Musik-Streaming auch andere Geräte wie Tablets und Smartphones. Selbst auf eine Stereoanlage lässt sich Musik streamen, technisch ist das heute kein Problem mehr. Weil es aber auf einem Smartphone mit der Internetversorgung problematisch werden kann, zum einen wegen der Abdeckung mit Mobilfunk, zum anderen wegen der damit verbundenen Kosten oder der Deckelung des Datenvolumens, lassen sich in den Premium-Tarifen der Streamingdienste Musiktitel auch aufs Gerät laden. Sie liegen dort dann lokal vor und müssen nicht live aus dem Netz geladen werden.

Auch eine Form von Download – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Die so geladene Musik kann nur mit dem Player des jeweiligen Anbieter abgespielt werden – und das auch nur zeitlich begrenzt. Sollte das Abo gekündigt werden, lässt sich auch die Musik nicht mehr abspielen, spätestens also nach etwa vier Wochen.

Auch kostenloser Musikgenuss möglich

Das Angebot an Streamingdiensten nimmt derzeit in Deutschland rasant zu. Das liegt daran, dass sich Gema und Onlinedienste endlich auf eine Vergütung einigen konnten. Diese Vereinbarung ermöglicht Musik-Streaming erst. Nach Simfy, Rdio und Deezer ist vor kurzem auch Spotify in Deutschland gestartet. Auch hier stehen 16 Millionen Songs zur Auswahl. User können sogar sehen, welche Musik ihre Freunde gerade hören. Das wird nicht nur in Facebook angezeigt, sondern auch in der Player-Software. Moderne Streaming-Dienste spielen nicht einfach nur Musik ab –sie machen Musik zu einem Erlebnis, zu einem Event, ganz wie man möchte.

Über zehn Millionen User hat Spotify weltweit, rund drei Millionen zahlen für den Dienst. Musik ist anscheinend doch eine Ware, die sich gut verkaufen lässt – wenn man es richtig macht. Aber auch die 70%, die nicht für die Musik zahlen, zahlen letztlich doch. Denn sie bekommen Werbung präsentiert, auf der Webseite, während des Musikhörens. In Form von Radiospots. Das muss sein – denn Streaming-Dienste müssen für jeden gespielten Song 0,6 Cent bezahlen. Den Musiklabels ist es egal, woher das Geld kommt.

Musikindustrie verdient gut mit neuen Onlineangeboten

Für die Musikindustrie lohnt sich das: Über 200 Millionen Euro hat Spotify der Musikindustrie seit 2008 an Lizenzen überwiesen. Tendenz: Steigend. Der Kombination aus Musik-Streaming und Musik-Download gehört die Zukunft. Manche Songs oder Alben möchte man dauerhaft besitzen, die kauft man, für alles andere eignet sich der Musik-Stream.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die meisten Mobilfunkanbieter beschränken ihre Flatrates für mobilen Datenfunk auf 200 oder 500 MByte im Monat, danach wird von UMTS-Tempo auf 64 KBit/Sekunde gedrosselt. Und mit einer solchen Bandbreite kann man unterwegs aber kaum Musik hören. Es scheint also dringend geboten, die Volumenkontingente der Flatrates zu erhöhen. Sonst macht Musik-Streaming zumindest unterwegs keinen Spaß.

2 Kommentare
  1. Michael Buntru
    Michael Buntru sagte:

    „Musikindustrie verdient gut mit neuen Onlineangeboten“. 0,6 Cent pro Abruf ist ja wirklich ’ne Sauerei. Da muss der Künstler ja nur 583 Leute 3 Minuten lang mit seiner Musik unterhalten und schon kann er sich wieder einen Latte für dreifuffzich reinziehen.

    So gesehen sind dann aber 19,95 EUR pro Abruf für Ihre ebooks (Achtung:Sparpaket!) ja wohl mehr als übertrieben.

  2. Jürgen Michaelis
    Jürgen Michaelis sagte:

    Nun, ich finde es immer noch ein Genuß, wenn man zur Musik auch was in den Händen halten kann, wie ein Cover.
    Finde, das einfache anhören von runtergeladen Musikstücken ist zwar gut gemeint, aber ist für ein Musikliebhaber doch irgendwie so unpersönlich und wirkt kalt.
    Da wünscht man sich doch den alten Zeiten der Schallplatten und CD’s zurück.

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