Manchmal ist es schon ein bisschen beunruhigend: Da sucht man in einer Suchmaschine seines Vertrauens nach einer schicken Bodenlampe, durchforstet den empfohlenen Onlineshop – und noch Tage später bekommt man auf ganz anderen Webseiten Werbebildchen der Lampe zu sehen. Immer wieder. Genauso geht es einem, wenn man nach Hotels in einer Stadt sucht, nach einer Musik-CD, einem Film, einer neuen Handtasche…

Das Web kriegt irgendwie alles mit, egal wo man ist und wofür man sich interessiert. Doch jetzt regt sich Widerstand gegen so viel Neugierde. Da kaum einer weiß, welche Daten eigentlich gesammelt werden, hat die britische Tageszeitung “Guardian” gemeinsam mit der Mozilla-Foundation – denen haben wir den Firefox-Browser zu verdanken – ein Projekt gestartet. Ziel: Herauszufinden, was Onlineanbieter im Internet alles über uns erforschen. Tracking the Trackers ist das Projekt überschrieben, die Verfolger verfolgen.

Es werden jede Menge Daten gesammelt – aber welche?

Es ist kein Geheimnis, dass Webseiten und vor allem Unternehmen der Werbewirtschaft im Internet eine Menge Daten sammeln, die Nutzungsgewohnheiten und Interessen der Datensurfer auskundschaften und zum Beispiel für passende Werbung nutzen. Die meisten Datensurfer stört das nicht mal besonders, manches dient sogar dem Komfort beim Surfen. Allerdings treiben es manche Datensammler doch etwas weit im Web, sie nutzen alle sich bietenden Möglichkeiten, um Daten zu sammeln – in der Regel mit Hilfe so genannter “Cookies”, die zwar durchaus nützlich sein können, aber – in den falschen Händen und intensiv genutzt – auch missbraucht werden können.

Die Zeitung möchte den Schleier der Unkenntnis lüften, will konkret rausfinden, welche Daten gesammelt werden, wie die Datensammler die Daten verknüpfen und was später mit ihnen passiert… Die Onlinedienste geben über so etwas in der Regel keine Auskunft. Darum wird genau hingeschaut, mit welchen Methoden die Onlinedienst und Webseiten vorgehen. Da werden zwar auch Daten gesammelt – aber hier macht wenigstens jeder freiwillig mit. Je mehr Menschen sich an diesem Projekt beteiligen, umso schneller gibt es Ergebnisse – und umso besser sind sie.

Plugin Collusion sammelt Daten

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann ein Zusatzprogramm (Plugin) für den Firefox-Browser laden und installieren. Das Collusion genannte Add-On beobachtet penibel die Cookies, die der Benutzer bei seiner Surftour erhält. Das Miniprogramm registriert, welche Cookies eine Webseite erzeugt, welche Daten darin gespeichert und wie oft diese Daten abgefragt werden. Das Add-On führt penibel Buch über alles.

Das allein wäre noch nicht aussagekräftig, aber wenn Tausende von Usern auf diese Art und Weise Daten sammeln, entsteht ein konkretes Bild. Darum werden die User gebeten, ihre mit dem Add-On gesammelten Daten zu “spenden”, für das Projekt zur Verfügung zu stellen. In aller Regel reicht ein einziger Surf-Tag aus, um erkenntnisreiche Informationen zu erhalten.

Weil einige Anbieter, vor allem die Großen der Branche wie Google, Microsoft, Yahoo oder Facebook auf vielen Webseiten präsent sind, etwa in Form von Werbebannern oder “Mag ich”-Buttons, ist die Datensammelfreude bei diesen Anbietern besonders groß. Das gilt aber auch für Werbenetzwerke und andere Anbieter. Das Projekt geht all dem auf den Grund.

Das Projekt steht erst am Anfang. Es ist eine große Datenbank geplant, die Projektmacher wollen genau katalogisieren, wer die Großen der Branche sind, wer wie intensiv Daten speichert und hortet und was mit den Daten passiert. Da können spannende und interessante Erkenntnisse bei herauskommen.

Cookies: eigentlich nützlich, aber auch Kontrolle möglich

Cookies sind ein ganz wesentlicher Baustein, wenn es darum geht, Datensurfer zu überwachen und Profile anzulegen. Dabei sollen Cookies eigentlich das Surfen komfortabler machen. Cookies ermöglichen zum Beispiel, dass man sich nur einmal bei einer Webseite anmelden muss und dann den ganzen Tag (oder länger) angemeldet bleibt. Bequem. Wer gerne online einkauft, profitiert davon, dass die Onlineshops sich in Cookies merken, welche Waren man in den Warenkorb gelegt hat. Es gibt viele solcher Beispiele – dafür sind Cookies eigentlich erfunden worden.

Technisch gesehen sind Cookies sind kleine Textdaten, die Webseiten auf der Festplatte des Benutzers speichern. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, dafür sorgt normalerweise der Browser, egal welchen man benutzt. Der Browser speichert die Daten und stellt sie den Webseiten bei Bedarf auch wieder zur Verfügung, etwa, wenn man einen Tag später eine Webseite wieder ansteuert. Dann liefert de Browser zum Beispiel die Login-Daten, und die Webseite weiß, mit wem sie es zu tun hat. Das alles passiert lautlos und blitzschnell, man bekommt als Benutzer normalerweise nichts davon mit.

Moderne Browser bieten eine Menge Möglichkeiten. Sie zeigen einem nicht nur auf Wunsch, welche Webseite welche Cookies angelegt und welche Informationen gespeichert wurden, man kann die Cookies und Daten auch jederzeit löschen. Außerdem ist es möglich, Cookies gezielt abzulehnen oder nur nach Nachfrage zu speichern. Dann lässt man das Cookie-Speichern auf vertrauenswürdigen, seriösen Webseiten zu und unterbindet sie auf allen anderen Seiten. Das reduziert das Datenaufkommen bei Datensammlern erheblich.