„Wir sind die Bürger“: Gegen-Initiative in Sachen Urheber-Recht

Über das Urheberrecht wird im Augenblick hitzig diskutiert. Die einen finden, es sollte alles so bleiben wie es ist. Viele denken jedoch, das Urheberrecht müsse dringend überarbeitet werden, einige wenige wollen es sogar ganz abschaffen. Im Aufruf „Wir sind Urheber“, eine Aktion, die online und in der ZEIT lanciert wurde, setzen sich 1500 deutsche Künstler vehement für den Fortbestand des Urheberechts ein, darunter Schauspieler Mario Adorf oder Autorin Charlotte Roche.

Die Aktion Wir sind Urheber ist für viele ein Aufreger. Denn hier wird der Eindruck erweckt, als solle das Urheberrecht abgeschafft werden. Das wollen nur einige wenige, allerdings mehren sich die Stimmen, die eine Novellierung des Urheberrechts fordern. Denn die neuen digitalen Medien, vor allem das Internet, verändern die Art und Weise, wie wir Inhalte nutzen und vervielfältigen, radikal.

Texte, Fotos, Bilder, Musik, Filme – gibt es heute alles im Internet und lässt sich blitzschnell und ohne qualitative Einbußen vervielfältigen. Es liegt auf der Hand, dass das Urheberrecht an die aktuellen Bedingungen angepasst werden muss, sowohl was Rechte wie Pflichten betrifft. Nachdem 1500 prominente Künstler mit „Wir sind Urheber“ die Debatte angefeuert haben, hat sich spontan eine Initiative Wir sind die Bürger gegründet, unter www.wir-sind-buerger.de kann man sich das auch im Web anschauen.

So wie die Künstler ihr Interesse an einem möglichst strikten Urheberrecht deutlich machen, versucht nun die Initiative „Wir sind die Bürger“ den anderen Argumenten eine Stimme zu geben. Die Debatte wird nun also öffentlich geführt, in und über die Medien, vor allem im Internet. Das ist nicht der schlechteste Ort dafür.

Konkrete Forderungen der Initiative „Wir sind die Bürger“

Dass die Urheber sich dafür einsetzen, dass ihre Rechte nicht beschnitten werden, kann man sich vorstellen. Die Initiatoren von „Wir sind Bürger“ sind erkennbar um eine sachliche Debatte bemüht und werfen Argumente in die Waagschale. Die Initiatoren erklären vor allem, wieso so dringend Handlungsbedarf besteht. Denn durch das Internet stellten sich plötzlich urheberrechtliche Fragen für alle von uns – auch für Laien.

Wie viel Text darf man zitieren, ohne das Urheberrecht zu verletzen? Darf man zu seinem Lieblingslied singen oder tanzen und das Video dazu im Internet veröffentlichen? Darf man eine berühmte Filmszene nachsprechen oder im eigenen Sinn interpretieren (parodieren)? Ist eine bestimmte Art der Nutzung mit dem Kauf von CD, Buch oder Datei bereits abgegolten?

Gegen Three-Strike-Modell und Vorratsdatenspeicherung

„Wir Bürgerinnen und Bürgern sind mit den Regeln überfordert, wenn wir im Internet kreativ werden. Gleichzeitig sind kulturschaffende Profis zu Recht darüber empört, dass ihre Werke ohne Bezahlung verwendet werden. Das sind versöhnlich klingende Worte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sollten so ausgestaltet werden, dass die Interessen der Urheber gewahrt bleiben – und dass gleichzeitig möglichst viele Menschen diese Regeln als gerecht empfinden und sich daran halten.

Nur so kann die Akzeptanz für den Wert urheberrechtlich geschützter Inhalte gesteigert werden! Es gibt aber auch Dinge, die die Initiatoren verhindern wollen, etwa das Three-Strike-Modell: Wer mehrfach wg. Urheberrechtsverstöße erwischt wird, soll vom Internet ausgeschlossen werden beispielsweise. Außerdem sind die Initiatoren auch gegen die anlasslose Überwachung und Speicherung des Internetverkehrs, um Urheberrechtsverstöße überhaupt erst aufzuspüren (Vorratsdatenspeicherung). Auch überhöhte Streitwerte bei Abmahnungen, um Exempel zu statuieren, sollen der Vergangenheit angehören. Über 6000 Personen habe diese Liste bereits unterschrieben – und täglich werden es mehr.

Unsachlich: Daten von Prominenten veröffentlicht – als Strafaktion

Doch die Auseinandersetzung findet nicht nur auf einer sachlichen Ebene statt, sondern auch auf einer unsachlichen. So wie es aussieht, hat die Hackertruppe Anonymous Adressen und Kontaktdaten einiger Künstler, die „Wir sind Urheber“ unterstützen, im Netz öffentlich gemacht – als Strafaktion. Die Adressliste wurde auf der Datentauschplattform Pastebin veröffentlicht. Sie enthält als Einleitung den relativ knappen Kommentar: „fuck your copyright blah blah blah“. Danach werden die Adressen samt Telefonnummern von 52 Künstlern aufgelistet, darunter die von Charlotte Roche oder Günter Wallraff.

Nach der ersten Aufregung hat man aber festgestellt: Es wurden keine geheimen Informationen veröffentlicht, sondern nur Daten, die ohnehin über öffentlich zugängliche Kanäle zu erhalten sind, etwa Telefonbücher. Einige Adressen hat man auch den Datenbanken der Denic entnommen, das ist die zentrale Meldestelle für .de-Internetadressen. Wenn ein Promi hier eine Domain hat, kann man in der Regel auch die vollständige Postadresse nachschlagen.

Während die Initiatoren von „Wir sind die Bürger“ noch um eine ernsthafte Debatte bemüht sind, kann man das von „Wir sind Filesharer“ nicht sagen. Hier wird öffentlich gefordert, alles zu kopieren was man kopieren kann. Auf der Webseite kann man nachlesen: „Wir cracken. Wir rippen. Wir encoden. Wir tauschen. Wir kopieren. Wir sind Filesharer! Wir scheißen auf euer Urheberrecht. Wir scheißen auf eure Gesetze. Wir scheißen auf euer geistiges Eigentum.“ Ein respektvoller Umgang sieht anders aus.

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