So viel Überraschung ist bei Microsoft selten: Freitag erst hat das Unternehmen Journalisten zu einer Veranstaltung eingeladen – aber nicht gesagt, wo genau und worum es geht. Jetzt ist es raus: Microsoft macht Apple zwar mit einem eigenen Tablet Konkurrenz. Das „Surface“ genannte Gerät ist ein mit Windows 8 arbeitender Flachrechner, der auf dasselbe Marktsegment zielt wie Apples iPad. Nun ist der Surface nicht der erste angekündigte Tablet-PC, auf dem Windows 8 läuft, allerdings der erste, der direkt von Microsoft kommt. Richtig gelesen: Microsoft baut und verkauft den Surface selbst, stellt die Hardware selbst her und verkauft sie auch.

Zwei Modelle hat Microsoft-Chef Steve Ballmer angekündigt: Das kleinere von beiden ist mit einem Mobilprozessor von nVidia ausgestattet und verfügt über ein Display mit 1280×720 Pixel (10,6 Zoll Diagonale) in HD-Auflösung. Anders als Apple hat Microsoft das wahlweise mit 32 oder 64 GByte Arbeitsspeicher ausgestattete Gerät mit einigen Anschlüssen versehen, unter anderem USB 2.0, Micro-HDMI und microSD-Steckplatz für Speicherkarten. Gewicht des Tablets: rund 680 Gramm und ist 9,3 Millimeter dick.

Wer mehr Power will, greift zum größeren Modell, das „Surface for Windows 8 Pro“ heißen soll. Hier werkelt ein Intel-Core-i5-Prozessor im Inneren, gesteuert von Windows 8 Pro mit 64 oder 128 GByte Arbeitsspeicher. Das Display bietet wie beim kleineren Modell volle HD-Auflösung. Auch die Anschlüsse sind standesgemäß: USB 3.0 statt USB 2.0 integriert, ein microSDXC-Steckplatz und ein MiniDisplayPort sind ebenfalls eingebaut.

Der Surface ist kein reiner Flachrechner, sondern kann wie ein Notebook bedient werden. Dazu verfügt der Tablet von Microsoft über einen Standfuß, den man ausklappen kann – super praktisch, weil das gerät so mühelos auf den Tisch gestellt werden kann. Die im Gerät eingebauten Webcam nimmt selbst dann ein gutes Bild auf, wenn man davor sitzt.

Microsofts Surface kann mit Tastatur bedient werden: Die „Touch Cover“ genannte Schutzhülle kann, wie das Smart Cover beim iPad, magnetisch am Gerät befestigt werden, um das Display zu schützen. Doch in der bunten Hülle ist auch eine Touchscreen-Tastatur integriert. Klappt man die Hülle auf, lässt sich das Gerät dank Standfuß aufstellen und die Schutzhülle liegt wie eine superflache Tastatur davor. Schon kann man tippen. Ob man aus Versehen die Oberfläche berührt oder wirklich tippt, soll ein ebenfalls eingebauter Beschleunigungssensor erkennen. Wer es klassischer mag, kauft einen „Type Cover“, eine Schutzhülle mit echter Tastatur, die man drücken kann.

Das Gehäuse der Geräte ist aus einem speziellen Material, das Microsoft „VaporMG“ nennt. Das Besondere an dieser Magnesiumlegierung: VaporMG wird in eine Form gegossen und kann daher geformt werden wie Kunststoff. Das erlaubt, besonders dünne Gehäuse zu bauen, die gleichzeitig stabil sind – jede beliebige Form ist außerdem möglich.

Verfügbar sind die Geräte allerdings erst, wenn Windows 8 auf den Markt kommt, also frühestens im Spätsommer, wahrscheinlich erst im Herbst. Das macht Apple anders: Angekündigte Geräte sind einen Tag später im Shop zu haben. Wo Microsoft die Geräte verkaufen will und was sie genau kosten sollen, steht ebenfalls noch nicht fest.

Ist der Surface eine Konkurrenz zum iPad? Ich finde, das sieht ganz danach aus. Es sind definitiv schöne und innovative Ideen dabei, die Microsofts Surface zu mehr machen als einen plumpen Klon des iPad. Jetzt ist die Frage, wie teuer das Gerät werden wird – und ob es Microsoft gelingt, die Hardware gut und flächendeckend zu verkaufen. Das Werbevideo, das Microsoft hergestellt hat, ist jedenfalls auch gut gemacht und weckt Emotionen.