WDR-Talker Jürgen Domian hat diese Woche nicht schlecht gestaunt: Ein langer kommentierender Beitrag von ihm über den neuen Papst und die katholische Kirche ist kurzerhand aus Facebook verschwunden. Facebook-Mitarbeiter hatten den Beitrag von Domians Facebook-Seite gelöscht, ohne ihn zu informieren. „Zensur“ sei das, meinte Domian und hat sich medienwirksam über den Eingriff beklagt. Offensichtlich sei Kritik am Papst auf Facebook nicht willkommen. Mittlerweile hat sich Facebook für die Löschung entschuldigt, das sein ein Versehen gewesen, den Beitrag aber nicht wieder online gestellt. Das musste Domian selbst machen.

Domian hat von der Sache profitiert, denn niemals hätten so viele Menschen sein Posting gelesen, wenn es nicht den Löschvorgang gegeben hätte. „Zensur“ war es trotzdem nicht, denn Zensur ist laut Definition ein staatliches Verbot, sich über Dinge zu äußern oder etwas zu veröffentlichen. Eine Zensur gibt es bei uns in Deutschland praktisch nicht, oder besser: in nur ganz wenigen Bereichen. Der Löschvorgang bei Facebook war eine Moderation. Jede Woche werden hunderttausende von Postings, Fotos, Videos oder Einträgen von Facebook-Mitarbeitern untersucht und auf die Nutzungsbedingungen hin überprüft. Was nicht passt, wird offline gestellt. Eine Art Hausrecht.

Das mag einem gefallen oder nicht – aber eine Moderation ist erforderlich. Problematisch ist, dass die Nutzungsbedingungen eines amerikanischen Unternehmens als Maßstab genommen werden, die Bedingungen, die nicht oder kaum an europäische Ansprüche angepasst werden. Nackte Haut wird konsequent entfernt – Gewalt oder rechtsradikale Äußerungen eher selten. Ein Wertekodex, den man deutschen Usern kaum vermitteln kann und der auch nicht in Ordnung ist. Domians Löschvorfall sollte daher eine Diskussion in Gang bringen. Eine Diskussion, was in öffentlichen Plattformen an Meinung erlaubt sein sollte und was nicht.