Eigentlich ist die CES, die „Consumer Electronics Show“ in Las Vegas, die Freitag zu Ende gegangen ist, eine Fachmesse für Hightech und Unterhaltungselektronik. Doch dieses Jahr waren recht viele Vertreter der Autoindustrie vor Ort, auch von deutschen Autoherstellern. Denn es gab einiges zu erzählen: Autohersteller flirten mit dem Internet, einige sind sogar eine Allianz mit dem Internetkonzern Google eingegangen. Das Internet kommt auf die Straße – und ins Auto.

  • Google drängt ins Auto. Was genau wurde auf der CES vorgestellt?

Google hat gemeinsam mit einigen Autoherstellern wie Audi, General Motors, Honda, Hyundai und Chip-Hersteller nVidia die so genannte „Open Automotive Alliance“ gegründet. Eine Zweckgemeinschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, das mobile Betriebssystem Android ins Auto zu holen. Es geht nicht einfach nur darum, das Internet ins Auto zu holen, das wäre ein bisschen wenig, sondern darum, gemeinsam Technologien und auch Apps zu entwickeln, die im Auto Sinn machen.

Mobile Geräte wie Smartphones, Tablets, aber auch Datenbrillen wie Google Glass oder Smartwatches sollen Kontakt mit dem Auto aufnehmen können, um Daten auszutauschen, etwa um die Musikanlage im Auto zu steuern, aber auch, um Daten mit dem Navigationssystem auszutauschen. Noch in diesem Jahr wollen die Hersteller erste Autos vorstellen, die mit der neuen Technologie ausgestattet sind.

  • Aber welche Lösungen, welche Apps wären denn da konkret denkbar?

Es wären Apps denkbar, wie mit dem Navigationssystem im Auto kommunizieren. Warum nicht Adressen, die im Smartphone gespeichert sind, ans Navi im Auto übertragen? Warum nicht gespeicherte Termine koordinieren? Wenn im Smartphone ein Termin eingetragen ist und auch eine Adresse hinterlegt, könnte das Navi quasi automatisch das Ziel übernehmen.

Aber auch andere Lösungen sind denkbar und im Gespräch. Die Datenbrille Google Glass zum Beispiel könnte dazu genutzt werden, das geparkte Auto wiederzufinden: In der Brille erscheinen konkrete Hinweise, in welche Richtung man gehen muss. Eine durchaus interessante Sache in einer fremden Stadt. Aber warum nicht auch mit Smartphone oder Smartwatch den Bordcomputer bedienen – oder die Standheizung oder Klimaanlage bedienen, oder das Autoradio? Vereinzelt gibt es das alles schon, aber das soll jetzt gebündelt werden und verstärkt kommen.

 

 

  • Google ist nicht der einzige IT-Riese, den es ins Auto drängt. Auch Apple hat die Fahrzeugindustrie für sich entdeckt. Ein Konkurrenzkampf?

Absolut: Apple hat vergangenen Sommer ebenfalls damit begonnen, sein Betriebssystem iOS ins Auto zu holen, „iOS in the Car“ genannt. Partner hier sind unter anderem BMW, Daimler, Jaguar und Ferrari. Man soll schon sehr bald mit seinen Apple-Geräten verschiedene Funktionen im Auto steuern können, etwa die Musik, das Navigationssystem, das Telefon und mehr. Eintreffende Nachrichten oder E-Mails werden vorgelesen. Karten lassen sich im Display im Auto anzeigen etc. Schon die nächste Version iOS 7.1 enthält erste Hinweise, dass Funktionen fürs Auto enthalten sein werden. Es beginnt nun also ein Wettkampf um die Vorherrschaft im Auto.

  • Was bedeutet die Entwicklung denn für DAB+, dem digitalen Radio?

DAB+ bietet ja vor allem Radiosender in digitaler Qualität an, was vor allem Vorteile für die Klangqualität bietet. Über DAB+ lassen sich prinzipiell aber auch Daten und Informationen übertragen, selbst das Übertragen von Internet-Datendiensten ist über DAB+ machbar. Die neu geplanten Systeme sind also durchaus eine Konkurrenz, auch wenn sie eine ganz andere Basis und ein anderes Ziel haben. Grundsätzlich lassen sich mit den neu geplanten Systemen Internet-Radiostationen abspielen, sofern eine entsprechende Internetversorgung vorhanden ist. Internet-Radio ist auch digital. Und Daten lassen sich natürlich besonders einfach übertragen. Für DAB+ dürfte es daher noch etwas schwerer werden, sich durchzusetzen. Nicht, weil die neuen Systeme besser wären, sondern weil sie mehr Möglichkeiten bieten und die Autohersteller sich garantiert nicht um mehrere Systeme gleichzeitig bemühen werden.

audices