Diese Woche hat uns der Onlinekonzern Google mal wieder mit einer Nachricht überrascht: Für 3,2 Milliarden Dollar übernimmt der Konzern Nest Labs, einen Hersteller von Thermostaten und Rauchmeldern. Klingt erst mal nicht danach, als würde das zum Portfolio von Google passen. Aber die Manager haben sich natürlich was dabei gedacht – und haben offensichtlich einen großen Plan.

Was bringt Google dazu, derart viel Geld für ein Unternehmen auszugeben, das Rauchmelder und Thermostate herstellt?

Nest Labs ist gleich aus mehreren Gründen interessant für Google. Zum einen stellt das Unternehmen Geräte her, die schick gestaltet sind, ansprechend aussehen. Eigentlich sind Thermostate und Rauchmelder eher unscheinbare Geräte, die sehen bei Nest Labs plötzlich schick und stylish aus. Das liegt an Nest-Labs-Gründer Tony Fadell.

Der hat früher bei Apple gearbeitet und die erste iPod-Generation entworfen und entwickelt, der Mann legt also viel Wert auf Design. Google möchte künftig wohl auch Haushaltsgeräte bauen, nicht mehr nur Smartphones und Tablets, und die sollen eben auch gut aussehen. Hier könnte Google vom Know-how der Nest Labs profitieren.

Darüber hinaus stellt Nest Labs aber auch “intelligente”, weil selbstlernende Thermostate her. Man muss ihnen nicht sagen, wann die Heizung rauf- oder runtergeregelt werden muss, das lernen sie von ganz alleine. Das ist ein interessanter Ansatz. Weil die Thermostate nämlich beobachten, ob jemand zu Hause ist und wann.

  • Welches konkretes Interesse könnte Google denn haben, Thermostate zu verkaufen, selbst wenn die selbst-lernend sind?

Es geht nicht um Rauchmelder und Thermostate an sich, es geht um die Daten, die dort anfallen. Für Google könnte es sehr wohl interessant sein zu erfahren, wann jemand zu Hause ist, wann er aufsteht, frühstückt, fernsieht, wie viele Personen im Haus leben und vieles andere mehr. Die Nest-Thermostate sind in der Lage, solche Daten zu erfassen und könnten sie dann an Google übertragen. Man kann wohl davon ausgehen, dass Google sich diese Gelegenheit nicht entgehen lässt.

  • Was will Google mit den Daten anstellen?

Google ist ja ganz grundsätzlich an allen Daten interessiert, die das Profil einer Person schärfen. Mehr über die Lebensgewohnheiten zu wissen, bedeutet zum Beispiel, bessere Ergebnisse im Assistent-Dienst Google Now anbieten zu können. Außerdem ist Google dann auch in der Lage, noch besser auf die Bedürfnisse zugeschnittene Anzeigen zu präsentieren, und die werden besser bezahlt.

 

 

  • Da zuckt der NSA-gepeinigte Konsument doch zusammen: Noch mehr Daten, das klingt doch nach mehr Überwachung. Kann sich so etwas wirklich durchsetzen?

Absolut klar: Durch die ungehemmten Schnüffeleien der NSA und anderer Dienste und Behörden ist mittlerweile klar, dass zumindest derzeit alle Daten ausgewertet werden, nicht nur von den Unternehmen, denen wir sie mehr oder weniger freiwillig anvertrauen, sondern auch durch Regierungen und Behörden, die sich die Daten unrechtmäßig besorgen.

Es ist ein Abwägen zwischen dem Mehr an Komfort, dass solche Technik bieten kann, etwa selbst-lernende Haushaltstechnik, die ja durchaus auch beim Energiesparen behilflich sein kann. Und dem berechtigten Interesse an Datenschutz und Schutz der Privatsphäre, das dadurch ernsthaft gefährdet ist.

 

  • Werden sie also kommen, die vernetzten Haushaltsgeräte?

Davon bin ich absolut überzeugt. Wir erleben gerade erst den Anfang der Vernetzung. Google will sich garantiert nicht auf Thermostate beschränken. Google drängt ja auch ins Auto und möchte sicher auch andere Lebensbereiche erfassen. Theoretisch könnten auch Mixer, Grill, Waschmaschine und Kühlschrank mit Sensoren und Elektronik ausgestattet werden.

Was wir aber dringend brauchen, sind gesetzliche Beschränkungen, was mit ermittelten Daten passiert. Wir brauchen mehr Transparenz und Möglichkeit zur Kontrolle. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, welche Daten übertragen und gespeichert werden. Dass diese Daten in einer Blackbox landen, ist ein unhaltbarer Zustand.

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