Wer im Internet unterwegs ist, der hinterlässt Spuren – das ist mittlerweile allgemein bekannt. Vor allem die Online-Werbeindustrie versucht unser Onlineleben auszuleuchten. Sie beobachtet genau, welche Webseiten wir ansteuern und wofür wir uns interessieren. Schlaue PC-User blocken deshalb manche Cookies. Doch mit Canvas Fingerprinting gibt es jetzt neue Tricks, uns beim Surfen über die Schulter zu schauen. Canvas Fingerprinting zu blockieren, ist schwierig – aber nicht unmöglich.Jeder Internet-User verfügt über einen digitalen Fingerabdruck. Einmalig. Unverwechselbar. Und den hinterlassen wir überall im Netz. Auf jeder Webseite. Natürlich nicht unseren eigentlichen, echten Fingerabdruck, sondern einen, den unser Browser erzeugt. Ein Zahlencode – aber der ist eben genauso aussagekräftig wie ein Fingerabdruck.

Die Werbeindustrie denkt sich ständig neue Methoden aus, wie sie uns eindeutig erkennen und dann tracken, unser Surfverhalten beobachten kann.

Die meisten Internet-Benutzer wissen mittlerweile: Man kann im Browser einstellen, ob die Cookies von bestimmten Webseiten gesperrt werden sollen. So kann man der Onlinewerbung ein wenig den Blick vernebeln. Es gibt auch Werbeblocker, die das automatisch machen. Und kostenlose Extras wie JonDonym, da surft man dann komplett anonym – allerdings auch langsamer als sonst.

canvas

Cookies blockieren reicht nicht

Immer mehr Menschen wehren sich also gegen die üblichen Tracking-Techniken – und deswegen werden neue entwickelt. Mit welchen ausgefeilten Tricks uns die Betreiber von Onlinewerbung ausspionieren, das ist Thema einer umfangreichen Studie von zwei Universitäten aus USA und Belgien.

Die Experten haben jetzt eine ganz neue Tracking-Methode entdeckt. Canvas Fingerprinting genannt. Die lässt sich ziemlich schwer blocken, arbeitet zuverlässig und ist damit der Traum der Werbeindustrie im Internet. Aber natürlich auch ein Albtraum für Datenschützer und alle, die um ihre Privatsphäre besorgt sind.

Unterschiede bei gezeichneten Grafiken

Der Trick ist der: Man lässt den Browser eine Grafik zeichnen. Canvas genannt. Das sind zum Beispiel solche animierten Bilder. Erzeugt mit Programmcode, der im Browser läuft – also direkt auf dem eigenen Rechner. Im eigenen Gerät. Da jedoch jeder Rechner aber ein bisschen anders ausgestattet ist, sehen die Bilder nicht immer gleich aus.

Vor allem bei erzeugten Schriftzügen gibt es kleine Unterschiede im Ergebnis. Weil jeder andere Software, andere Schriften benutzt. Diese Unterschiede sind kaum zu sehen, lassen sich aber dennoch messen – und werden in einen eindeutigen Code umgerechnet. Eine ID, die immer gleich bleibt. Und schon ist man als Benutzer erkennbar und unterscheidbar.

Grafiken sind unsichtbar

Natürlich werden keine so großen Grafiken auf dem Bildschirm gezeichnet, nur um den Fingerabdruck auszurechnen. Die Grafiken sind deutlich kleiner – und sogar unsichtbar. Sie werden versteckt. Man merkt also gar nicht, wenn diese Art von Fingerabdruck genommen wird.

Diese neue Methode ist äußerst effektiv – und sie wird sogar auch eingesetzt. Die Experten an der Uni haben die 100.000 meist besuchten Webseiten der Welt untersucht und bereits bei rund 5% der Seiten entdeckt, das Canvas Fingerprinting eingesetzt wird. Auch bei namhaften Webseiten. Das weiße Haus ist darunter. Aber auch T-Online. Allerdings setzt nicht die Telekom selbst die Technik ein, sondern ein Werbenetzwerk, mit dem die Telekom zusammenarbeitet. Diese Form von Tracking soll jetzt bei T-Online wieder abgestellt werden.

JavaScript blocken

Apropos abstellen: Es ist nicht einfach, als Benutzer Canvas Fingerprinting zu verhindern – aber es ist möglich. Weiterhelfen kann eine kostenlose Browser-Erweiterung wie NoScript. Wenn man die geladen hat, dann kann man selbst bestimmen, welche Webseiten Scripte ausführen dürfen und welche nicht. Werbenetzwerken kann man es zum Beispiel verbieten. Das ist allerdings nicht immer ganz einfach zu entscheiden – und auch ein bisschen mühselig.

Die Erweiterung Chameleon in Chrome blockt bereits die neuen Tracking-Tricks. Auch der Werbeblocker AdBlock Plus kann weiter helfen, allerdings nur mit der Liste EasyPrivacy und wenn korrekt eingestellt ist.

Es wird definitiv nicht leichter. Wir werden also auch in Zukunft unseren Fingerabdruck im Netz hinterlassen. Manchmal ist das schließlich sogar nützlich und gewollt.