Es gibt so ein Gerücht, und das ist nicht tot zu kriegen: Wer die Brieftasche aufmacht und Google nur gut genug bezahlt, der landet in der Suchmaschine auf den vorderen Plätzen. Glauben viele – ist aber Humbug. Man kann Google nicht dafür bezahlen, gut gelistet zu sein. Mann kann Anzeigen schalten, Adwords, die über oder neben den Suchergebnissen auftauchen. Aber das hat keinerlei Einfluss auf die organischen Suchtreffer, die eigentlichen Fundstellen. Hier gelten die Kriterien für Relevanz, die Google ständig verändert.

Ich bin davon überzeugt, dass Google seine Kriterien auch auf die eigenen Angebote anwendet. Es ist nämlich keineswegs so, dass Google-Dienste bei Google selbst auffallend gut gelistet würden. Kritiker sagen, wer “Karten” eingibt, bekommt auf Fundstelle 1 Google Maps präsentiert. Stimmt. Aber ich halte das sogar für gerechtfertigt, denn welcher andere Online-Kartendienst ist bekannter, ist häufiger im Einsatz als Google Maps? Keiner! Also kann man mit Fug und Recht sagen, die Erstplatzierung macht Sinn und ist gerechtfertigt.

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Google bevorzugt sich selbst nicht

Wer “Suchmaschine” in die Suchmaschine eingibt, der bekommt erst Yahoo, Ixquick, Metager und andere Suchmaschinen genannt, bevor Google selbst auftaucht. Auch der Begriff “Online Werbung” führt nicht ein einziges Mal auf die wichtigste Einnahmequelle von Google, den Anzeigen-Dienst AdWords. Man kann also nicht wirklich behaupten, dass Google mit aller Macht und auffallend häufig eigene Produkte oder Dienste prominent platziert.

Ich will nicht bestreiten, dass Google eine ungeheure Verantwortung hat und dass man darauf achten muss, ob das US-Unternehmen seine Marktpoisition ausnutzt. Das machen Google, Apple und Co. aber auf völlig andere Weise: Indem sie im großen Stil Daten sammeln – und das völlig intransparent. Die Suchmaschine selbst, die macht eine gute Arbeit. Wer dort auftauchen möchte, kann Anzeigen schalten. Oder muss zusehen, dass sein Dienst so populär ist, dass er auf den ersten Plätzen auftaucht. Problematisch bleibt dagegen das intransparente Sammeln von Daten.

EU vs. Google

Die Klagen von Wettbewerbern haben dazu geführt, dass sich die Wettbewerskommission der EU bereits seit vier Jahren mit Google beschäftigt. Immer wieder beschweren sich Wettbewerber darüber, dass Google sie in ihren Suchtreffern nicht hinreichend prominent aufführt. Klar, jeder landet gerne auf Platz 1. Jetzt soll eine Resolution gegen Google den Konzern in die Schranken weisen. Die Kritik lautet immer wieder gleich: Angeblich positioniere Google die eigenen Dienste deutlich prominenter als die der Konkurrenz.Das wäre aber erst mal zu beweisen.

Die Stärke von Google ist die Schwäche der anderen

Ich kann verstehen, wenn man sich Sorgen macht, dass eine Suchmaschine wie Google 90% aller Suchanfragen in Europa beantwortet. Daraus erwächst in der Tat eine entsprechende Verantwortung. Genauso klar und deutlich muss man allerdings auch sagen, dass Google kein Monopol hat. Es gibt Dutzende von Suchmaschinen. Der Markt ist offen. Jeder Internetbenutzer hat die Wahl, trotzdem wollen offensichtlich 90% der Europäer Google nutzen.

Sie entscheiden sich offensichtlich ganz bewusst für Google, sind mit dem angebotenen Service zufrieden. In den USA hat Google einen deutlich kleineren Marktanteil. Dort sind die Suchmaschinen von Bing und Yahoo aber auch erheblich besser als hier in Deutschland. Die Stärke von Google liegt also vor allem an der Schwäche der anderen. Europäische Suchmaschinen, die ähnlich gute Treffer produzieren, gibt es kaum. Der Erfolg in Europa ist also durchaus verdient. Google wendet keine Tricks an, um als Suchmaschine häufig besucht zu werden.

Das Problem mit Google liegt woanders

Die geforderte “Fairness” oder “Objektivität” ist bei Suchtreffern so eine Sache. Wie will man einen objektiven Maßstab für “fair” oder “relevant” definieren? Ich halte das für ausgeschlossen. Meine Bedürfnisse und Ansprüche können ganz andere sein als die von Kollegen. Und man wird wohl kaum erreichen (oder erzwingen) können, dass Google seinen Suchalgorithmus offen legt. Das wäre so, als ob man von Coca Cola verlangt, die genaue Rezeptur für sein Brausegetränk zu publizieren.