Schon vor einigen Tagen gab es Gerüchte, dass Youtube eine App speziell für Kinder auf den Markt bringen will. Jetzt ist es so weit: Mit YouTube Kids will Google ganz gezielt Kinder ansprechen. Sie sollen kind-gerechte Inhalte sehen und sich an der einfacheren Bedienung erfreuen. Doch was Eltern nützlich finden könnten, ist vor allem für Google sinnvoll.

Mit einer neuen App namens YouTube Kids spricht der Online-Dienst gezielt die ganz junge Klientel an – und damit sind Kinder unter 13 Jahren gemeint. Denn Jugendliche ab 13 Jahren dürfen YouTube mehr oder weniger uneingeschränkt benutzen (sieht msan mal von den Inhalten ab, die gezielt und ausdrücklich für jugendliche Zuschauer markiert sind).

Eine App speziell für Kinder, die es kostenlos für Android und iOS gibt. Derzeit wird die Abb nur in den USA angeboten. Die Idee dahinter: Junge Youtube-Nutzer sollen vor unangemessenen Video-Inhalten und unpassender Werbung geschützt werden.

youtube kids

Große Icons und ausgewählte Inhalte

Wer erwartet, dass Google konkret Inhalte für Kids anbietet oder gar herstellt, wird enttäuscht. Die App filtert und macht die Hand-Habung einfacher, das ist die Haupt-Aufgabe der App. YouTube Kids bietet Zugriff auf redaktionell ausgewählte Videos, Kanäle und Playlists, die von Google für den Nachwuchs als geeignet eingestuft wurden, etwa Sendungen der Sesamstraße oder Episoden aus Talking Tom.

Auch orientiert sich die Benutzer-Führung der App erkennbar an den Bedürfnissen junger Nutzer, etwa mit extra großen Bedien-Elementen. Videos starten außerdem direkt im Vollbild-Modus. Nach unpassenden Begriffen zu suchen, ist in YouTube Kids nicht möglich. Außerdem können Eltern die Nutzungs-Zeit einschränken, also festlegen, wie lange und wie viel der Nachwuchs in Youtube konsumieren darf. Alles zwischen 0 und 120 Minuten ist möglich.

Eher mehr als weniger Nutzungs-Zeit

Sollten sich Eltern nun freuen, dass es so eine App gibt? Ich habe das in einigen Kommentaren gelesen. Man konnte das Auf-atmen der vermutlich jungen Eltern quasi hören, dass es nun eine App gibt, die es erlaubt, dem Nachwuchs ohne schlechtes Gewissen ein Tablet in die Hand zu drücken. “Schau ruhig noch ein bisschen Youtube.” Kann ja jetzt nix Schlimmes mehr passieren.

Doch das sehe ich komplett anders. YouTube Kids richtet sich erkennbar an Kinder, an die ganz Kleinen, nicht an Jugendliche (die sollen bitte schön auch weiterhin das normale Youtube benutzen). In Wahrheit geht es nicht darum, die Kinder zu schützen. Es geht darum, junge Menschen an Youtube zu gewöhnen, noch bevor sie lesen können. Wer Kinder wirklich schützen wollte, der sieht keine 120 Minuten Strecken für Youtube-Videos vor.

youtube kids logo

Eher schädlich als nützlich

Ich gebe zu: Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, eine App zu haben, die nur ein bestimmtes Spektrum der Inhalte zeigt und einfach bedienbar ist. Auch dass die Nutzungs-Zeit einstellbar ist, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Problematisch dürfte allerdings sein, dass nun die Hemmungen vieler Eltern fallen, ihre Kinder unbeaufsichtigt YouTube nutzen zu lassen, da ja alles so wunderbar geregelt ist. Keine schädlichen Inhalte, die Zeit ist befristet. Wunderbar. Wie bequem.

Ich fürchte allerdings: Durch die neue App wird die Nutzungs-Zeit der Kinder unterm Strich dramatisch zunehmen. Sie werden eher mehr als weniger Youtube schauen. So gesehen ist YouTube Kids eher schädlich.