Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben die Hersteller so manches neue Produkt vorgestellt: Neue Luxus-Smartphones, die mühelos bis zu 1000 EUR kosten können, neue Smartwatches, neue Wearables und jede Menge anderer Gimmicks. Doch solche Geräte verkaufen sich eher in reichen Ländern, in den USA, in Westeuropa, in Teilen von China und in Asien. Aber große Teile der Welt sind noch nicht vernetzt – und können sich auch keine Luxushandys leisten.

2/3 der Menschheit sind bislang noch nicht „connected“, also mit dem Internet verbunden. Das wollen die großen Onlinedienste ändern, allen voran Facebook und Google. Facebook zum Beispiel hat – unter anderem – vor, Drohnen in die Luft schicken. Ganz viele davon. Und die sollen die Menschen von oben mit Internet versorgen. Möglichst kostengünstig.

Facebook setzt auf Drohnen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich schon länger vorgenommen, die bislang unerschlossenen Gegenden der Welt mit Internet zu versorgen. Er hat dafür sogar ein eigenes Projekt gegründet: internet.org.

Auf der Homepage zum Projekt internet.org gibt es Werbevideos. Hier wird der Eindruck vermittelt: Wenn die bislang nicht mit dem Internet verbundenen Menschen online gehen könnten, hätten sie mehr Chancen. Mehr Chancen für Bildung. Mehr Chancen, aus Ideen etwas zu machen. Auch mehr Chancen, etwas zu verdienen.

internetorg

Das stimmt zweifellos. Doch ein paar Aspekte werden dabei nicht erwähnt. Zum einen, dass viele Menschen sicher ganz andere Sorgen haben als die, wie sie online gehen können. Und zum anderen, dass Facebook, Google und Co. nicht plötzlich zu Philanthropen geworden sind, die der Menschheit nützen wollen, sondern dass sie interessante Wachstumsmöglichkeiten sehen.

Es liegt auf der Hand: Wenn 2/3 der Welt noch nicht online sind, es in Zukunft aber sein könnten, dann lassen sich damit interessante Wachstumszahlen erreichen. Milliarden neuer User – und Käufer.

Facebook und Google wollen in den Mobilfunk

Facebook und Google haben deshalb auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit Mobilfunkanbietern gesprochen, denn sie wollen kooperieren. Das Ziel: Günstige Sendemasten aufbauen. Mit weniger Daten auskommen, weil das günstiger ist. Und die Welt von oben mit Daten versorgen. Nicht nur mit Drohnen, die solarbetrieben jahrelang in der Luft bleiben können.

Google: Satelliten udn Ballons

Sondern auch mit speziellen Satelliten. Google hat bereits Milliardenbeträge in Satellitentechnik investiert und eine Weltraumfirma namens SpaceX gekauft. Außerdem experimentiert Google mit riesigen Ballons, die bis in die Stratosphäre aufsteigen – und ebenfalls entlegene Gebiete mit Internet versorgen können. Eine andere, kostengünstige Methode.

spacex

Tja, Google und Facebook wollen die Welt retten. Aber irgendwie nicht gemeinsam. Die beiden großen Anbieter konkurrieren im Netz – und sie konkurrieren auch mit ihren Projekten. Kooperation ausdrücklich nicht erwünscht.

Konzentration auf große Anbieter

Und das macht schon deutlich: Es geht eben nicht in erster Linie darum, Menschen online zu bringen, es geht in erster Linie darum, neue User zu gewinnen. Google will sogar eigene Mobilfunknetze aufbauen.

Die Onlinewelt, vor allem die mobile, konzentriert sich immer mehr auf die großen Anbieter, auf Google, Apple, Facebook.

Das ist auch bei den Mobilgeräten zu sehen. Die meisten benutzen die Betriebssysteme von Apple oder Google, drittstärkste Kraft ist Microsoft mit Windows und in diesem Zusammenhang fast schon ein sympathischer Underdog. Wer Mobilgeräte abseits der großen Anbieter haben möchte, kann das – auch wenn es nicht ganz leicht ist.

Firefox OS

So gibt es bereits erste Smartphones mit dem Betriebssystem Firefox OS. Das ist kostenlos und an keinen Konzern gebunden. Vorteil: Smartphones mit Firefox OS sind in der Regel sehr günstig, einfach zu bedienen und kommen ohne Schnickschnack aus. Sie liefern niemandem irgendwelche Daten. Nachteil: Das Angebot an Apps ist – zumindest noch – äußerst klein.

android

Die meisten Smartwatches haben Google Android als Betriebssystem. Doch man ist nicht gezwungen, Android zu benutzen.

Beispiel: Die neue Smartwatch Urbane LTE von Hersteller LG. Sie hat WebOS als Betriebssystem und braucht KEIN Smartphone, um benutzt werden zu können. Es gibt also durchaus Alternativen zum Mainstream. Man muss sie nur finden – und bei Interesse kaufen.

urbane lte