Normalerweise erscheinen Tweets in der Timeline chronologisch sortiert: Die neuesten ganz oben, die älteren weiter unten. Doch gerade experimentiert der Nachrichtendienst mit einer ganz neuen Art der Timeline: Tweets werden nicht chronoligisch geordnet, sondern nach Relevanz sortiert. Das soll höhere Klickraten bringen und nützlich sein.

Keine Sorge: Noch ist das nicht flächendeckend so. Twitter experimentiert nur, will Erfahrungen sammeln. Einige Twitter-User sehen ihre Tweets derzeit durcheinander gewürfelt. Anders als sonst üblich erscheinen nicht mehr die aktuellsten Tweets ganz oben, sondern die, die Twitter für relevant hält. Twitter ordnet und sortiert den Nachrichtenstrom um. Das soll für mehr Relevanz sorgen.

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Eine Art Edgerank à la Twitter

Nach welchen Kriterien die Tweets ausgewählt und geordnet werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Twitter experimentiert halt noch. Ziel der Aktion: Die Klickraten erhöhen – und damit die Relevanz von Twitter insgesamt. Hintergrund: Die Sponsored Tweets werden sich dann gut verkaufen, wenn User sie häufig anklicken. Und je geübter sie im Anklicken sind, je mehr sie davon ausgehen, bei Twitter relevante Beiträge vorzufinden, um so besser fürs Geschäft.

Twitter versucht offensichtlich, dem Vorbild Facebook nachzueifern. Anders als Twitter ist Facebook wirtschaftlich erfolgreich. Schon vor einigen Jahren hat Facebook den so genannten Edgerank eingeführt. Ein Mechanismus, der die Relevanz von Postings ermittelt und entscheidet, welche Postings in der Timeline eines Users erscheinen und welche nicht.

Da spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa ob Fotos oder Videos enthalten sind, wie stark die Interaktion in der Vergangenheit war, wie intensiv die Verbindung zwischen Sender und Empfänger ist und vieles andere mehr. Facebook hat also die Macht darüber zu entscheiden, was in der Timeline auftaucht. Bislang ist bei Twitter alles zu sehen – das könnte sich aber ändern.

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Ziel: Höhere Klickraten

Twitter versucht derzeit ohnehin schon, Relevantes zu filtern und zu bündeln. In den USA geschieht das mit Twitter Moments: Der Nachrichtendienst sammelt bei aktuellen Ereignissen die wichtigsten Links und Tweets und präsentiert sie gebündelt. Auch wurden kürzlich die Fav-Sterne in Herzchen verwandelt, was kein rein kosmetischer Eingriff war, sondern die Interaktion offenbar tatsächlich erhöht hat. Vermutlich will Twitter erreichen, dass die Timeline relevantere Inhalte enthält und ernster genommen wird.

Noch sind die unchronologisch durcheinander gewirbelten Timelines nur bei wenigen Usern zu beobachten, da es noch eine Testphase ist. Aber das kann sich irgendwann ändern. Zu begrüßen ist es auf jeden Fall, dass Twitter neue Optionen ausprobiert. Eine nicht-chronologische Timeline sollte aber im Idealfall optional sein – kein Zwang. Genau das ist ja, was viele beim Facebook Edgerank stört. Es gibt kein Entrinnen. Man kann den Edgerank nicht einfach ausknipsen. Twitter sollte diesen Fehler nicht wiederholen