Schlechte Nachrichten für alle, die auf ein unabhängiges Betriebssystem für Mobilgeräte gehofft haben, dem sie vertrauen können: Firefox OS wird eingestellt. Die Mozilla Foundation will das Projekt nicht weiter entwickeln. Besonders erfolgreich war Firefox OS bislang auch nicht – aber eine wirklich gute Alternative mit Potenzial.

Firefox ist vor allem bei uns in Deutschland sehr angesehen. Kein anderer Browser wird in Deutschland häufiger benutzt, das beweist die aktuelle Browser-Statistik. Eine Marke, der viele vertrauen. Deshalb hat das von der Mozilla Foundation entwickelte mobile Betriebssystem Firefox OS durchaus eine Menge Vorschusslorbeeren geernet.

Bereits seit 2013 tüftelt die Mozilla Foundation an weinem mobilen Betriebssystem für Smartphones. Vor allem Low-Budget-Smartphones für den schmalen Geldbeutel sollten mit dem kostenlosen, unabhängigem Betriebssystem ausgerüstet werden. Smartphones für Südamerika, Schweelenländer, Afrika Hier werden nicht unbedingt die Boliden verkauft, sondern günstige Geräte – und da ist es hilfreich, wenn auch das Betrievssystem nichts kostet und der Hardware wenig abverlangt. Genau das war anfangs das Konzept von Firefox OS.

Doch nun die traurige Nachricht: Firefox OS wird es eingestellt, noch bevor es richtig losgegangen ist.

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Technisch interessant, aber wenig praxistauglich

Man sei gescheitert, erklärt Mozilla. Deshalb werde Firefox OS nicht mehr weiter über Mobilfunk-Anbieter verteilt. Das war sowieso nur in einigen Ländern der Fall. Aber immerhin: Es hätte ein Anfang sein können. Denn Firefox OS hat einige durchaus respektable Vorteile: Es werden keine Daten gesammelt und ausgewertet.

Firefox OS ist neben Ubuntu das einzige mobile Betriebssystem, das nicht einem großen Onlineriesen gehört. Die drei großen Betriebssysteme Android, iOS und Windows gehören bekanntlich zu Google, Apple und Microsoft. Und die nutzen die Möglichkeiten, die sich durch die Verbreitung eines mobilen Betriebssystems ergeben, intensiv.

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Basiert auf HTML5

Firefox OS macht das nicht. Darüber hinaus basiert Firefox OS vollständig auf HTML5. Das ist sympathisch und transparent. Es gibt also nun wirklich keine technischen Gründe, die gegen Firefox OS sprechen. Wohl aber praktische. Kaum jemand möchte Firefox OS nutzen, denn die Menschen möchten in der Regel zu bereits etablierten Gruppen dazu gehören – und nicht am Rand stehen. Abgesehen davon gibt es für Firefox OS nur sehr wenige Apps. Und das würde sich auch in absehbarer Zeit nicht wirklich dramatisch ändern. Das alte Problem: Wenige User bedeuten weniger Apps bedeuten weniger User. Ein Teufelskreis.

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Die Macht des Geldes verhindert Innovationen

In diesem Fall muss man klar sagen: Die Macht des Geldes hat den Erfolg von Firefox OS verhindert. Es ist unmöglich, in diesem Segment gegen die drei Großen anzukommen – oder die vier Großen, wenn man Blackberry noch mit dazu rechnen möchte. Google, Apple, Microsoft und Blackberry dominieren den Markt. An ihnen führt kein Weg vorbei.

Für die User ist das schlecht, da so alle vier auch weiterhin ungeniert ihrem Datenhunger frönen können. Die User müssen sich bei den Anbietern registrieren und sie unentwegt mit Daten versorgen. Sie sind ihnen ausgeliefert. Wer ein iPhone kauft, hat nicht mal die Wahl, welches Betriebssystem er verwenden möchte. Und wer ein Gerät von HTC kauft, kann nicht iOS benutzen.

Zwar hat die Mozilla Foundation erklärt, sie wolle das mobile Betriebssystem Firefox OS durchaus weiterentwickeln. So sollen auch künftig „Experimente“ mit vernetzten Geräten stattfinden. Doch das dürfte dann wohl eher unter der Kategorie „Ferner liefen“ laufen. Der ursprüngliche Gedanke, die führenden Anbieter mobiler Betriebssysteme mit einer erfolgreichen Alternative unter Druck zu setzen, die datensparsam und diskret ist, dieser Plan ist leider nicht aufgegangen. Das finde ich außerordentlich bedauerlich.