Streamingdienste wie Spotify, Deezer oder Apple Music werden immer beliebter, auch Online-Videotheken wie Netflix, Amazon Prime Instant Video oder Maxdome. Doch wer für solche Streamingdienste bezahlt, kann sie im Urlaub nicht immer richtig nutzen. Manche Songs lassen sich nicht abspielen, manche Serien nicht anschauen. Geoblockig nennt sich das – und das soll in Zukunft verschwinden. Das sieht zumindest ein EU-Entwurf vor.

Was ist Geoblocking eigentlich?
Geoblocking bedeutet, dass ein Inhaltsanbieter wie ein Streamingdienst überprüft, in welchem Land ich mich gerade befinde – und die Inhalte nur dann abspielt, wenn ich im „richtigen“ Land bin. Technisch ist es für einen Onlinedienst kein Problem, meinen aktuellen Aufenthaltsort zu ermitteln, das gelingt durch Analyse der verwendeten IP-Adresse. Ein Verfahren, das Geolocation genannt wird.

Die Folge: Ich kann nicht alles hören oder sehen. Als deutscher Netflix-Kunde kann ich zum Beispiel im Spanien-Urlaub nicht meine Filme oder Serien genießen. Dasselbe gilt für Fußball-Fans, die sich über Spiele und Tore informieren wollen, zum Beispiel bei Sky Go. Geht nur, wenn man im richtigen Land ist.

europakarte

Ärgerlich für uns Konsumenten. Aber ist das rechtens?
Bislang ja: Jeder Inhaltsanbieter kann bestimmen, was er den Leuten verkauft – und unter welchen Bedingungen er die Musik oder Filme ausliefert. Wenn er vorschreiben möchte, dass man sich dazu in einem bestimmten Land aufhalten muss, so darf er das – so blöd das für den Konsumenten ist. Mit Europa hat das natürlich nicht viel zu tun.

Wieso machen das Spotify, Netflix, Maxdome und Co?
Das machen sie, weil die Rechteinhaber ihnen das vorschreiben. Wer einen Film oder eine Serie verkauft, will nicht nur den Starttermin festlegen, sondern auch bestimmen, was die Inhalte kosten sollen. Fußballrechte zum Beispiel sind in Deutschland teurer als in Griechenland. Man will verhindern, dass Konsumenten sich in einem Billigland anmelden und woanders die Inhalte genießen.

netflix

Doch jetzt will die EU-Kommission das ändern. „Grenzüberschreitende Portabilität“ ist das Stichwort. Was steckt dahinter?
Die EU-Kommmission will Geoblocking in Europa weitgehend abschaffen, und das bereits im Jahr 2017. Das Jahr, in dem auch die Roaminggebühren in Europa verschwinden. Grenzüberschreitende Portabilität bedeutet: Wenn ich in einem europäischen Land eine Lizenz kaufe, etwa bei einem Streamingdienst, dann muss ich den Service in Gesamteuropa frei  nutzen können.

Deutsche Sky-Go-Kunden können dann in ganz Europa Fußball schauen oder Netflix-Kunden ihre Serien sehen, egal wo sie sich aufhalten. Das bedeutet einen enormen Fortschritt für die User. Vertreter der Filmindustrie jammern, weil das nicht bisheriger Praxis entspricht und sie Schwierigkeiten befürchten.

x303x170_tous_europeens_2.jpg.pagespeed.ic.qnU2AjbIxm

Manche Inhalte sind ja kostenlos nutzbar, etwa in den Mediatheken von ARD oder ZDF oder bei der BBC – und auch geblockt im Ausland. Ändert sich hier auch etwas?
In der Tat: Fernsehsendungen der BBC zum Beispiel kann man nur sehen, wenn man sich im Sendegebiet der BBC aufhält – von Deutschland aus nicht. Auch ARD und ZDF müssen ihre Inhalte teilweise geoblocken, aus rechtlichen Gründen. Das wird sich auch nicht ändern, denn für diese Inhalte bezahlt man nicht direkt und im Einzelfall, deshalb ist Geoblocking auch weiterhin erst mal möglich. Dieses Problem kann erst durch eine Urheberrechts-Novelle beseitigt werden, die man in der EU auch bereits anstrebt, die aber länger dauern wird.

shellfire-vpn

Wie sinnvoll ist der Vorstoß?
Mir gefällt die geplante Verordnung sehr gut. Geoblocking ist in Europa unzeitgemäß – und ein Hemmnis für Streamingdienste und Konsumenten gleichermaßen. Das gehört dringend abgeschafft. Gut, dass sich die EU-Kommission darum kümmert.

Es ist doch sowieso absurd: Wer technisch etwas versierter ist, nutzt ein Virtual Privat Network (VPN) und umgeht auch heute schon lässig jedes Geoblocking. In einem VPN kann man so tun, als wäre man woanders – und bekommt so Zugriff auf alle Inhalte. Menschen mit weniger technischem Know-how können das nicht, werden also benachteiligt. Deshalb wird es aller höchste Zeit, dass Geoblocking in Europa verschwindet.