Mit persönlichen Daten ist das so eine Sache. Manche Daten geben wir ohne weiteres preis, zum Beispiel, wenn wir Onlinedienste nutzen oder Spiele wie Pokémon Go spielen. Da bekommt der Spielehersteller jede Menge Daten frei Haus geliefert – auch Bewegungsdaten. Den meisten von uns macht das nichts aus.

Doch andere Bewegungsdaten sind durchaus sensibel, nämlich dann, wenn sie mit unserer Gesundheit zu tun haben. Viele von uns tragen ja heute Fitness Tracker am Handgelenk. Diese Daten sind für viele interessant, Krankenkassen zum Beispiel, aber auch Onlinedienste. Wie gut sind unsere Gesundheitsdaten geschützt?

Welche Art von Gesundheitsdaten werden eigentlich heute so gesammelt?

Das kommt darauf an, wie wir ausgerüstet sind. Viele von uns tragen heute 24h am Tag kleine Hightech-Armbänder, Fitness Tracker. Die Armbänder registrieren ununterbrochen den Puls, bekommen mit, ob, wie und wie viel wir uns bewegen – auch ob wir Treppen steigen, Rad fahren oder hüpfen. Und sammeln die Daten.

Die Daten werden meist in regelmäßigen Abständen ans Smartphone übertragen und dort dann gespeichert und ausgewertet. Manche benutzen aber auch andere Geräte, um Gesundheitsdaten zu erfassen, etwa Blutdruck, Blutzucker, EKG und vieles andere mehr. Es gibt heute viele Zusatzgeräte, die man mit seinem Smartphone koppeln kann. Auch diese Daten werden dann gewöhnlich ans Smartphone geschickt und dort gespeichert.

Fitness

Wenn ich keine Fitness Tracker oder Extrageräte benutze, werden auch keine Bewegungsdaten gesammelt?

Das kann man so nicht sagen. Das Smartphone allein reicht schon, um Bewegungsdaten zu sammeln. Man kann die zurückgelegten Distanzen, die genauen Strecken und auch die zurückgelegten Höhenmeter oder Etagen erfassen und nachvollziehen.

Die Sensoren im Smartphone reichen da schon aus. Das ist natürlich nicht so aussagekräftig wie in einem Fall mit Fitness Tracker, wo auch der Puls gemessen und so die Fitness ermittelt werden kann, aber immerhin: Es sind reichlich Daten – und die werden im Smartphone gesammelt.

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Die werden im Smartphone gesammelt – bleiben sie auch da?

Eigentlich sollen sie das. Aber Apple und Google haben in ihren mobilen Betriebssystemen spezielle Bereiche eingebaut, wo diese Fitnessdaten gesammelt werden. Bei Apple nennt sich das Apple Health, bei Google Google Fit. Natürlich kann man seine Fitnessdaten auch mit den Onlinekonten koppeln, also online speichern, damit man mit anderen Geräte darauf zugreifen kann. Auch stellen Apple und Google App-Entwicklern Schnittstellen zur Verfügung, also Möglichkeiten, um komfortabel Daten dort abzulegen.

Wenn Daten online gespeichert werden, dann sind sie natürlich grundsätzlich auch abgreifbar und gefährdet – selbst wenn sie geschützt sind. Doch nun hat Apple sogar ganz offiziell Begehrlichkeiten an den Daten angemeldet. Apple wüsste gerne, wie fit wir sind.

Apple Watch

Was soll das bedeuten: Apple möchte unsere Fitness-Daten lesen?

Genau. Zwar anonymisiert und mit dem Ziel, die Health-Funktionen in iOS zu verbessern, aber man möchte gerne Zugriff auf die Gesundheitsdaten haben. Dazu muss man wissen: Apple hat ohnehin schon eins der größten Fitness-Labors der Welt, hat lange die Daten von Mitarbeitern gesammelt. Wenn man nun Daten an Apple übergibt, und sei es nur anonymisiert, ist das ein Dammbruch. Begehrlichkeiten gibt es längst. Man stelle sich vor, Krankenkassen oder Versicherungen hätten Zugriff auf Gesundheitsdaten – oder die Werbeindustrie. Mit solchen Daten lässt sich eine Menge anstellen.

 

Was denkst Du: Lässt es sich denn verhindern, dass unsere Fitnessdaten früher oder später in fremde Hände geraten?

Die Gefahr ist groß, weil es noch nie so einfach war, dass es passiert. Deshalb sollte man sich sehr gut überlegen, ob man seine Fitnessdaten in der Cloud speichern möchte. Aber auch der Gesetzgeber ist gefordert: Er sollte den Zugriff auf Gesundheitsdaten unter besonderen Schutz stellen.