Normalerweise weiß man nicht, wie groß der Anteil an erneuerbaren Energien beim Strom aus der Steckdose ist. Doch wenn eine Topfpflanze als Mini-Kraftwerk fungiert und das Smartphone mit Strom versorgt, kann wohl mit Fug und Recht von Bioenergie gesprochen werden. Das soll nun tatsächlich kommen: Pflanzen, die genug Strom produzieren, um ein Smartphone aufzuladen.

Das Startup Bioo Lite will Strom aus Blättern einer Topfpflanze gewinnen. Was nach einem typischen Aprilscherz klingt, scheint eine ernste Sache zu sein. Jedenfalls wurde die Crowdfunding-Kampagne des Startups bereits erfolgreich beendet – es ist ausreichend Gründerkappital geflossen. Jetzt geht es an die Entwicklung und Umsetzung.
Bioo Tech

Mit Bioenergie den Akku voll machen

Das wirklich pfiffige System macht sich Bioenergie zunutze. In jedem Blumentopf entsteht Bioenergie, und die – man glaubt es kaum – reicht locker zum Aufladen eines Smartphones. Einfach das Smartphone an die USB-Buchse des Topf anstöpseln – schon wird der Akku geladen. Immerhin drei Mal am Tag soll man einem handelsüblichen Smartphone auf diese Weise wieder auf die Beine helfen können. Bakterienkulturen am Topfboden sorgen für den begehrten Strom. Die hausen in einer speziellen Membran und reagieren mit Wasser.

Darum funktioniert das Konzept auch mit Kakteen weniger gut als mit Pflanzen, die es gerne feucht und warm haben. Erstaunlich: Die Pflanze wandelt CO2 in Sauerstoff um und gibt etwas vom Wasser an die Bakterien im Boden ab. Dort nimmt das Wasser wieder Sauerstoff auf – und das sorgt für Energie.

Das Info-vVideo des Herstellers liefert eine anschauliche Erklärung, wie das Minikraftwerk funktioniert, das rund 3,5 Volt Spannung mit 500 Milliampere liefert. Es klappt Tag und Nacht. Eine Pflanze schläft halt nicht. Der Ladevorgang selbst soll genauso lange dauern wie bei einer Verbindung zum PC.

Akku-Lader für 100 EUR

Rund 100 Euro soll das Gefäß kosten, der Topf samt der nötigen Vorrichtung wie Membran und USB-Stecker. Welche Pflanze man in den Topf steckt, bleibt einem selbst überlassen – die gehört nicht dazu, muss also extra gekauft werden. Wenn der USB-Topf in die Massenproduktion geht, dürfte ihm ein großes Interesse sicher sein.

Wer möchte das nicht mal ausprobieren – und sich ein bisschen grüner fühlen, weil das Smartphone mit sauberer Energie versorgt wird? Das tröstet dann womöglich ein bisschen über die Tatsache hinweg, dass die Herstellung so eines Smartphones alles andere als eine umweltfreundliche Sache ist – die Entsorgung der Altgeräte erst recht nicht. Aber das ist ein ganz anderes Thema.